Spezielle Diät gegen Asthma-Anfälle

Kann eine spezielle Diät bei bestimmten Asthma-Formen helfen? Dieser Frage geht ein Wissenschaftsteam der Universität Bonn nach. Die Ergebnisse erschienen kürzlich im Fachjournal „Immunity“.
Arzt hält Handy auf dem "Asthma" steht. Im Hintergrund: Tablet mit Lunge und ein Stethoskop.

© Creative Images/Fotolia.com

 

Bei Menschen mit Asthma sind die Atemwege chronisch entzündet. Bei allergischem Asthma können bereits geringe Konzentrationen bestimmter Allergene eine solche Entzündung hervorrufen. Dafür sind bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystems mitverantwortlich, die als Innate Lymphoid Cells bezeichnet werden. Normalerweise schützen diese die Lunge, indem sie geschädigte Schleimhäute reparieren. Dazu vermehren sich die Innate Lymphoid Cells stark und bilden große Mengen spezieller Entzündungsbotenstoffe, um die Zellteilung der Schleimhautzellen sowie die Schleimproduktion zu fördern.

Überschießender Schutzmechanismus

Dieser eigentlich sinnvolle Schutzmechanismus scheint bei Menschen mit Asthma aus dem Gleichgewicht zu geraten. Die Entzündungsreaktion ist stärker und dauert länger an als gewöhnlich. Die typischen Asthmabeschwerden sind die Folge.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden, ob sich die Vermehrung der Innate Lymhoid Cells bremsen und sich die überschießende Entzündungsreaktion dadurch verhindern lässt. Dazu sahen sie sich im Labor an, welche Stoffwechselprozesse bei den Zellen während der Teilung besonders aktiv sind und versuchten, diese zu blockieren. Eine Schlüsselrolle spielen Prozesse, mit denen die Zellen Energie gewinnen, sowie Vorgänge zur Herstellung von Bausteinen, die für die Vermehrung notwendig sind. Dabei stießen die Forschenden darauf, dass die Innate Lymphoid Cells Fettsäuren aufnehmen, um daraus Zellmembranen herzustellen.

Konkurrenzkampf um Fettsäuren

Anschließend setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Mäuse mit Asthma auf eine Diät, die zum Großteil aus Fetten bestand, aber kaum Kohlenhydrate und Eiweiße (Protein) enthielt. Diese Ernährungsweise wird als ketogene Diät bezeichnet, die bereits erfolgreich zur Behandlung anderer chronischer Erkrankungen wie bestimmter Epilepsie-Formen eingesetzt wird.

Wie funktioniert die ketogene Diät? Normalerweise gewinnen die Zellen des Körpers einen Großteil ihrer Energie aus Kohlenhydraten. Werden diese nicht in ausreichendem Maß über die Ernährung zugeführt, steigen sie auf eine alternative Energiegewinnung aus Fetten um. Dadurch entsteht ein Konkurrenzkampf der Zellen um die Fette. In der Folge stehen den Innate Lymphoid Cells weniger Fettsäuren zur Zellteilung zur Verfügung.

Die Folge: Die ketogen ernährten Mäuse entwickelten kaum neue Innate Lymphoid Cells, als sie mit Allergenen in Kontakt kamen. Den Forschenden zufolge wäre in dieser Situation eigentlich eine Vervierfachung zu erwarten. Die Mäuse zeigten weniger Asthmasymptome und bildeten weniger Schleim in den Atemwegen.

Ketogene Diät nicht unkritisch

Ob auch Menschen von der ketogenen Ernährungsweise profitieren können, will das Wissenschaftsteam nun herausfinden. Die Forschenden weisen aber darauf hin, dass eine ketogene Diät auf Dauer auch unerwünschte Folgen haben kann. Deshalb sollte sie nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt und unter einer Abwägung von individuellen Risiken und Nutzen ausprobiert werden.

Die Studienautorinnen und -autoren möchten daher noch genauer verstehen, welche Komponenten der Nahrungsumstellung genau für den positiven Effekt verantwortlich sind. Möglicherweise lassen sich diese nutzen, um neue Medikamente zu entwickeln.

Quellen:

Karagiannis, F. Et al.: Lipid-Droplet Formation Drives Pathogenic Group 2 Innate Lymphoid Cells in Airway Inflammation. In: Immunity, 2020, DOI: 10.1016/j.immuni.2020.03.003

Pressemitteilung der Universität Bonn vom 7. April 2020: Forscher schlagen eine spezielle Diät gegen Asthma vor

 

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