Wie allergische Reaktionen sogar ohne Allergen möglich sind

Menschen mit Allergien können allergische Reaktionen zeigen, selbst wenn gar kein Allergen vorhanden ist. Grund ist eine sogenannte Konditionierung – der Körper erwartet in einer bestimmten Umgebung ein bestimmtes Ereignis und reagiert entsprechend. Schlaf spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Frau sprüht Nasenspray in ihr rechtes Nasenloch

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Ein Tübinger Wissenschaftsteam setzte ansonsten gesunde Menschen mit Heuschnupfen in einem neutralen Versuchsraum ihrem Allergen in Form eines Nasensprays aus. Die Stärke der allergischen Reaktion dokumentierten sie über die Messung eines bestimmten Enzyms im Nasensekret.

Anschließend ging die Hälfte der Teilnehmenden für acht Stunden schlafen, die andere Hälfte blieb bis zum nächsten Abend wach.

Eine Woche später wurde der Versuch wiederholt, jedoch ohne dass die Teilnehmenden mit dem Allergen in Kontakt kamen. Dennoch zeigten sie bereits kurz nach Betreten des Versuchsraums Symptome des allergischen Schnupfens – allerdings nur die Probandinnen und Probanden, die nach der ersten Versuchsrunde geschlafen hatten.

Wurden die Allergikerinnen und Allergiker in andere Räume geführt, reagierten weder die Teilnehmenden aus der Schlaf- noch aus der Wachgruppe mit allergischen Beschwerden. Grund ist, dass der Körper einen unbestimmten Reiz (in diesem Fall den Untersuchungsraum) mit einer bestimmten Reaktion (allergische Symptome) verbindet. Dieses Prinzip wird Konditionierung genannt. Schlaf ist dabei eine Grundvoraussetzung – wie bei klassischen Lernprozessen auch.

Die Forschenden schlussfolgerten daraus, dass das Immunsystem bereits sehr schnell eine fehlangepasste Reaktion durch eine Konditionierung erlernt. Dadurch ließe sich erklären, warum viele Menschen mit Allergien von Allergie-Symptomen berichten, obwohl gar keine Allergene nachweisbar sind.

Das Prinzip der Konditionierung

Das Prinzip der Konditionierung wurde durch die verhaltenspsychologischen Untersuchungen von Iwan Pawlow Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt. Er stellte fest, dass Hunde auf den Anblick ihres Futters mit einer vermehrten Speichelbildung reagierten. Nachdem die Hunde ihr Futter eine Zeit lang immer in Verbindung mit dem Läuten einer Glocke erhalten hatten, zeigte sich diese Reaktion auch, wenn die Tiere nur die Glocke hörten. Ihnen lief also bereits beim Glockengeläut das Wasser im Munde zusammen, weil sie eine Mahlzeit erwarteten.

Quelle:

Besedovsky, L. et. al.: Human sleep consolidates allergic responses conditioned to the environmental context of an allergen exposure. In: PNAS, 2020, 117 (20): 10983-10988