Wirkstoff zur Therapie von Zöliakie: Erfolgversprechende Studienergebnisse

Forschenden der Universität Mainz ist es gelungen, einen potenziellen Wirkstoff zur Behandlung der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) zu entwickeln. Ein in klinischen Studien erfolgreich erprobter Transglutaminase-Hemmer könnte eine erste wirksame medikamentöse Therapieoption für Betroffene werden.
Glutenhaltiges Getreide - ©photocrew - stock.adobe.com

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Bei Menschen mit Zöliakie löst das in einigen Getreiden vorkommende Klebereiweis Gluten eine chronische Entzündungsreaktion im Dünndarm aus. Betroffene leiden in der Folge unter Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Unwohlsein, chronische Durchfälle oder – durch die Beeinträchtigung der Fettverdauung – voluminöser salbiger Stuhl (sogenannter „Fettstuhl“). Einzig wirksame Therapie gegen diese Glutenunverträglichkeit ist derzeit der konsequente Verzicht auf glutenhaltige Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel oder Grünkern.

Glutenfreie Diät verursacht hohen Leidensdruck

Menschen mit Zöliakie empfinden neben den belastenden Symptomen auch aufgrund der notwendigen permanenten Vorsicht bei der Ernährung einen hohen Leidensdruck. Wissenschaftler:innen der Universität Mainz untersuchten nun in Zusammenarbeit mit internationalen Kolleg:innen, ob ein Transglutaminase-Hemmer, die Entzündungen von betroffenen Menschen reduzieren kann. Sie testen den als ZED1227 benannten Wirkstoff in einer klinischen Studie der Phase 2a, in der die Wirksamkeit eines potentiell zukünftigen Medikaments überprüft wird. Die Ergebnisse des Teams klingen nach einer effektiven zukünftigen Therapiemöglichkeit: Der Transglutaminase-Hemmer ZED1227 zeigte eine stark schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut.

Zöliakie-Medikament mit erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus

Die Wissenschafter:innen sind zuversichtlich, mit dem Transglutaminase-Hemmer ZED1227 einen Wirkstoff mit erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus für Zöliakie gefunden zu haben, da bei Patient:innen mit Glutenunverträglichkeit das Immunsystem auf den Verzehr glutenhaltiger Nahrung mit der Bildung von Antikörpern auf das in der Darmschleimhaut vorkommende Enzym Transglutaminase reagiert – mit Entzündungen im Dünndarm als Folge. Bei einigen Betroffenen mit bestimmter genetischer Disposition führen weitere Reaktionen mit diesem Enzym zusätzlich zu einer erhöhten Entzündung der Darmschleimhaut und zu den typischen, die Lebensqualität stark einschränkenden Symptomen.

Untersucht wurde die Wirkung des Arzneimittelwirkstoff ZED1227 als Tablette in drei unterschiedlichen Dosierungen bei täglichem Gluten-Verzehr. Das Medikament verhinderte in jeder Dosierung die glutenbedingte Entzündung und den normalerweise bei Verzehr von Gluten stattfindende Zottenschwund im Dünndarm. Die höchste Dosierung zeigte die deutlichste Wirkung: Zöliakie-Symptome traten am schwächsten auf und die Lebensqualität wurde als am deutlichsten verbessert empfunden.

Weitere klinische Studien geplant

Ab Herbst 2021 will das Forschungsteam die Ergebnisse im Rahmen der klinischen 2b-Folgestudie an einer größeren Probandengruppe bestätigen. Hier soll der Wirkstoff an besonders belasteten Patienten:innen, die nicht auf die glutenfreie Diät ansprechen, getestet werden.

 

Informationen des Allergieinformationsdienstes zu klinischen Studien:

Bis zur marktreifen Zulassung eines Wirkstoffs für Patient:innen sind nach der Phase 2 einer klinischen Studie weitere Studien innerhalb der sogenannten Phase 3 Studie notwendig. In dieser Phase wird dann die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit einer Substanz bei einer größeren Anzahl Betroffener nachgewiesen. Nähere Informationen zu Klinische Studien finden Sie hier: https://www.allergieinformationsdienst.de/forschung/fragen-und-antworten.html#c194822
 

Quelle:

Schuppan D. et al.: A Randomized Trial of a Transglutaminase 2 Inhibitor for Celiac Disease. N Engl J Med. Juli 2021.