Wirkstoffe zur Notfalltherapie bei Anaphylaxie

In Kürze:

Die wichtigsten Medikamente in der Notfalltherapie anaphylaktischer Reaktionen sind Adrenalin, Antihistaminika und Glukokortikoide. 

Das wichtigste Medikament zur Behandlung des anaphylaktischen Schocks ist das Adrenalin (andere Bezeichnung: Epinephrin). Es wird als Injektion in die Vene (intravenös, i.v.) oder in den Muskel (intramuskulär, i.m.) angewendet und wirkt sehr schnell.

Mittels einer Injektionshilfe (Autoinjektor) kann der/die Betroffene das Medikament auch selbst intramuskulär verabreichen. Ein solcher Adrenalin-Autoinjektor ist üblicherweise Bestandteil eines Notfallsets, das betroffene Personen mit Risiko für anaphylaktische Reaktionen immer mitführen sollten.

Wirkung

© Keith Frith/fotolia
Notfallmedikament Adrenalin bei Allergien

Adrenalin ist wie Noradrenalin ein Hormon und wichtiger Botenstoff, der im Nebennierenmark gebildet wird. Es wird vor allem bei Stress ausgeschüttet und deshalb auch als Stresshormon bezeichnet. Beide Hormone bewirken, dass wir in Gefahrensituationen ‑ durch Flucht oder Angriff ‑ schnell reagieren können, indem sie unter anderem den Herzschlag beschleunigen, den Blutdruck erhöhen, die Atmung verbessern und den Blutzuckerstoffwechsel aktivieren.

Sie wirken über Mechanismen, die dem sympathischen Nervensystem angehören. Da sie teilweise den gleichen Wirkungsansatz haben wie die Beta-2-Sympathomimetika, wirken sie auch Bronchien-erweiternd.

Alternativ zum Adrenalin können auch Noradrenalin, Dopamin oder Vasopressin eingesetzt werden. Alle diese Substanzen haben ähnliche Wirkungen, erfordern jedoch eine intensive Überwachung. 

Zu den weiteren Maßnahmen beim anaphylaktischen Schock zählen die Gabe von Sauerstoff sowie die Infusion großer Mengen von Flüssigkeit (physiologische Kochsalzlösung, Hydroxyethylstärke [HES]), um den beim Schock entstehenden Volumenmangel auszugleichen.

Zudem werden Antihistaminika und Glukokortikoide per Injektion, Infusion oder oral (als Tabletten oder Tropfen) verabreicht. Ihre Wirkung setzt jedoch deutlich später ein als die des Adrenalins.

Letzte Aktualisierung: 12. April 2017 / Quellen
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Quellen:
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  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Darsow U., Raap U. (Hrsg.): Allergologie kompakt. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen, 2016
  • Demoly, P. et al. Allergic rhinitis and the risk of driving accidents. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2017, 10.1016/j.jaci.2017.01.037
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  • Globale Initiative für Asthma (GINA): Leitfaden zum Management und zur Prävention von Asthma – die GINA-Leitlinien. Ein Leitfaden für Gesundheitsfachleute, aktualisiert 2016 (Letzter Abruf: 10.03.2017)
  • Zuberbier, T. et al. The EAACI/GA2LEN/EDF/WAO Guideline for the definition, classification, diagnosis, and management of urticaria: the 2013 revision and update. In: Allergy, 2014, 69 (7): 868-887
Letzte Aktualisierung:
12. April 2017
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Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Roland Buhl
Universitätsmedizin Mainz
Schwerpunkt Pneumologie
E-Mail:
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