Wie kann man einer Allergie sonst noch vorbeugen?

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Thilo Biedermann und Prof. Dr. Ulf Darsow

Neben der Ernährung gibt es viele weitere Möglichkeiten, Allergien vorzubeugen. Zu den beeinflussbaren Faktoren zählen zum Beispiel das Rauchen, Schadstoffe in der Luft oder auch emotionaler Stress.

Rauchen: Das Kind raucht immer mit

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Verkehsschild vor blauem Himmel. Das Schild zeigt eine durchgestrichene Zigarette.

Tabakrauch ist einer der stärksten bekannten Allergie-Auslöser, vor allem für Asthma. In der langjährigen MAS-Allergiestudie zeigte sich, dass Kinder, deren Mütter vor oder während der Schwangerschaft geraucht hatten, aber auch besonders häufig eine Nahrungsmittelallergie entwickeln.

Daneben schädigen die giftigen Inhaltsstoffe im Tabakrauch die Entwicklung des ungeborenen Kindes direkt, da sie über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf gelangen und unter anderem seine Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen verschlechtern. Dies gilt nicht nur für aktives, sondern auch für das passive Mitrauchen der Mutter. Eine rauchfreie Umgebung vor, während und nach der Schwangerschaft sorgt für gute Startbedingungen eines Kindes.

Für Familien

Gut zu wissen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bietet auf seiner Seite "Gesund ins Leben - Netzwerk junge Familie" Informationen zu Allergie-Vorbeugung.

Luftschadstoffe: Asthma und Heuschnupfen durch Autoabgase

Die Zunahme von Allergien zeigt sich insbesondere in Ländern mit westlichem Lebensstil. Man vermutet, dass die erhöhte Umweltverschmutzung und vor allem Luftschadstoffe durch Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und auch Heizungsabgase aus privaten Haushalten daran einen Anteil tragen. Insbesondere Feinstaub mit winzigen Partikeln unter 2,5 Mikrometer Durchmesser, aber auch Ozon und Stickoxide können tief in die Atemwege eindringen und dort Entzündungen auslösen.

Eine 15-jährige wissenschaftliche Studie im Großraum München mit 3.000 Kindern (LISAplus-Studie) zeigte, dass diejenigen, die an verkehrsreichen Straßen aufwuchsen, später häufiger unter Allergien litten: Mit steigender Feinstaub-Belastung kam es häufiger zu Heuschnupfen und Asthma, mit erhöhter Stickstoff-Belastung vor allem zu Neurodermitis.

 

© Imaginis/fotolia
Auto-Auspuff mit Abgasen

In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Ozon akut und chronisch die Atemwege schädigt, die Infektabwehr schwächt und Atemwegsbeschwerden, Allergien und Asthma fördert. Ozon macht das Lungengewebe durchlässiger, so dass Allergene leichter in das vorgeschädigte Gewebe eindringen. Die Ozonempfindlichkeit ist individuell sehr verschieden. Bei Werten über 400 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft spüren aber auch gesunde Menschen seine Wirkung.

Wer in ungünstigen Lagen mit starker Verkehrsbelastung wohnt, sollte zumindest versuchen, die Abgase möglichst nicht direkt einzuatmen, denn die LISAplus-Studie zeigte auch, dass mit steigendem Abstand zum Verkehr das Allergie-Risiko sinkt.

Gut zu wissen

Umfangreiche Informationen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen wie Ozon, Feinstaub und Stickoxiden mit aktuellen Messdaten gibt das Umweltbundesamt.

Einfache Maßnahmen reduzieren die Schadstoffbelastung

Mit einfachen Maßnahmen kann man selbst die Schadstoffbelastung mindern:

  • Kein Lüften zur Verkehrsstoßzeiten, besser nur am frühen Morgen und abends vor dem Schlafengehen und möglichst nur über abseits gelegene Fenster
  • Wege zu Kindergarten oder Schule auswählen, die nicht direkt an stark befahrenen Straßen entlangführen, auch wenn sie womöglich länger sind
  • Zum Spielen lieber zu Spielplätzen und Grünflächen gehen, die von stark befahrenen Straßen weiter entfernt liegen

Hausstaubmilben und Schimmelpilze

Verursacher von allergischem Schnupfen und Asthma können neben Pollen auch Hausstaubmilben, seltener Schimmelpilze und – sofern vorhanden – felltragende Haustiere sein.

Hausstaubmilben

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Bild einer Hausstaubmilbe

Hausstaubmilben sind kein Hinweis auf mangelnde Hygiene oder eine schmutzige Wohnung. Sie sind harmlose winzige, mit bloßem Auge nicht zu erkennende Spinnentiere. Sie stechen oder beißen nicht und übertragen keine Krankheiten.

Hausstaubmilben ernähren sich von Hautschuppen oder Schimmelpilzen. An warmen und eher feuchten Orten wie in regelmäßig benutzten Matratzen und Bettbezügen finden sie ideale Lebensbedingungen. Eine Hausstaubmilbenallergie wird durch das Einatmen des im Hausstaub enthaltenen Milbenkotes ausgelöst.

Die für Allergiker beworbenen Encasings, also allergendichte Bezüge für Matratze und Bettwäsche, helfen bei bereits bestehender Hausstaubmilbenallergie, weil sie die hohe Allergen-Belastung in der Raumluft im Schlafzimmer senken und gleichzeitig die Hausstaubmilben von ihrer Nahrungsquelle abschneiden, so dass sie sich schlechter vermehren.

Eine schützende Wirkung von Encasings vor der Neuentstehung einer Allergie (Primärprävention)  konnte nicht nachgewiesen werde, weswegen sie hierfür nicht empfohlen werden.

Schimmelpilze in Wohnräumen können bei Säuglingen das Risiko für einen Heuschnupfen oder Asthma im späteren Kindesalter deutlich erhöhen. Das hat unter anderem die GINI-Studie gezeigt, in der Kinder untersucht wurden, die bis zum zweiten Lebensjahr in einer schimmelbelasteten Wohnung aufwuchsen.

Wie Milben kommen Schimmelpilze überall vor. Sie leben vor allem in der Erde, auch Blumenerde, und im Kompost. Ihre Sporen, über die sie sich vermehren, verbreiten sich durch die Luft und gelangen so auch in die Wohnung. In Innenräumen können sie sich bei guten Bedingungen, zum Beispiel erhöhte Luftfeuchtigkeit, jedoch besonders schnell vermehren. Sichtbare Zeichen von Schimmel und deren Ursachen, wie Feuchtigkeitsschäden, müssen sofort behoben werden.

Genereller Verzicht auf Haustiere nicht notwendig

Zum Schutz vor Allergien generell auf Haustiere zu verzichten, ist nach heutiger Auffassung nicht notwendig. Studien wie die GINI- und die LISA-Studie des Helmholtz Zentrums München geben deutliche Hinweise darauf, dass Kinder, die – vor allem im ersten Lebensjahr – mit Hunden aufwachsen, signifikant besser gegen Allergien geschützt sind als andere Kinder.

Ausschlaggebend scheint hierbei das Zusammenleben mit dem Hund zu sein, da so das Immunsystem spezifisch gegen Allergien trainiert wird. Der regelmäßige Kontakt mit fremden Hunden reicht dafür nicht aus. Die genauen Ursachen, warum das Immunsystem gestärkt wird, sind noch nicht geklärt.

Bei Katzenhaltung gibt es hingegen Hinweise auf ein erhöhtes Ekzemrisiko. Die Leitlinien empfehlen deshalb, bei Risikokindern zumindest keine Katze anzuschaffen.

Impfungen kein Allergie-Risikofaktor

© VRD/fotolia
Eine Spritze liegt auf einem Impfpass

Immer wieder werden Impfungen mit einem erhöhten Allergie-Risiko in Verbindung gebracht. Diese Vermutung wird durch die aktuelle Studienlage aber nicht bestätigt. Die meisten epidemiologischen Untersuchungen zeigen keinen allergiefördernden Effekt. Zum Teil kommen Studien sogar zu dem Schluss, dass Impfungen das Allergierisiko senken können. Die von der Ständingen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen sind daher auch für Kinder mit einem erhöhten Allergie-Risiko sinnvoll.

Allergieneigung und Stress

Dass emotionaler Stress Krankheitssymptome bei Asthma und Neurodermitis auslösen und verschlimmern kann, ist bereits länger bekannt. Ob Psychotherapie hier eine mögliche Linderung bringen kann, konnte in verschiedenen Untersuchungen bislang aber nicht gezeigt werden.

Immer mehr Studien, darunter die deutsche SPATZ-Studie, geben Hinweise darauf, dass auch Stress der Mutter in der Schwangerschaft und belastende Ereignisse in der frühen Kindheit, wie etwa die Trennung der Eltern oder Tod eines Elternteils, das Risiko für eine spätere allergische Erkrankung des Kindes erhöhen. Man vermutet, dass bestimmte Botenstoffe, die in solchen Situationen ausgeschüttet werden, allergische Sensibilisierungen beeinflussen.

Daher sollen seelische Belastungen künftig stärker berücksichtigt werden als bisher.

Berufsbedingte Allergieauslöser meiden

Allergien gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Meist leidet die Haut unter Stoffen aus dem Berufsumfeld. Kontaktekzeme sind daher besonders häufig. Daneben können auch Stäube, beispielsweise von Mehl, Holz oder Metallverbindungen allergische Erkrankungen auslösen. Diese können sich dann an den Atemwegen zeigen.

Die einzige vorbeugende Maßnahme besteht darin, den Kontakt zu meiden beziehungsweise weitestgehend zu reduzieren. Der richtige Umgang mit Schutzkleidung oder das Einhalten von Wasch- und Hygieneregeln gehören daher unbedingt zur Primärprävention. Daneben gilt es für Arbeitgeber, wo möglich allergene Substanzen durch andere, weniger schädigende zu ersetzen.

Lesen Sie dazu mehr im Kapitel „Allergie und Beruf“.

 

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Thilo Biedermann

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermannnoSp@m@tum.de

Prof. Dr. Ulf Darsow

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: ulf.darsownoSp@m@tum.de

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

  • Bellach, J. et al.: Prävention von Nahrungsmittelallergien durch frühe Exposition mit Nahrungsmitteln. In: Pädiatrische Allergologie, 2014, 04: 6
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Hrsg.): Zeitschrift für Kinder- und Jugendgesundheit-Ratgeber der Kinder und Jugendärzte, Heft 4/05
  • Beyer, K.: Die Rolle der Ernährung in der Prävention atopischer Erkrankungen. In: Pädiatrische Allergologie, 2018, Sonderheft „Prävention“: 8-12
  • Boyle, RJ. et al.: Hydrolysed formula and risk of allergic or autoimmune disease: systematic review and meta-analysis. In: BMJ, 2016, 352: i974
  • Braig, S. et al.: Maternal prenatal stress and child atopic dermatitis up to age 2 years: The Ulm SPATZ health study. In Pediatr Allergy Immunol, 2017, 28(2):144-151
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2007): Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte. Stellungnahme Nr. 043/2007 vom 21.05.20107 (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Update der S3-Leitlinie Allergieprävention weicht von Stillempfehlung der Nationalen Stillkommission ab. Stellungnahme der Nationalen Stillkommission am BfR vom 30.04.2015. In:_Bundesgesundheitsbl, 2015, 58: 875-876
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Nachgefragt: Häufige Fragen von der Schwangerschaft bis ins Kleinkindalter (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (Hrsg., 2014): Nationaler Aktionsplan Allergie (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe (Hrsg.): www.dha-allergien.de (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene (Hrsg.): Emissionen aus Holz und Holzwerkstoffen (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Fleming et al.: Psychological interventions for adults with asthma. In: Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jan 25;(1):CD002982
  • Dalgard, FJ  et al.: The psychological burden of skin diseases: a cross-sectional multicenter study among dermatological out-patients in 13 European countries. In: J Invest Dermatol. 2015 Apr;135(4):984-91
  • Guarneri et al.: Allergic contact dermatitis and asthma caused by limonene in a labourer handling citrus fruits. In: Contact Dermatitis, 2008;58(5):315-6
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (Hrsg.): Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Helmholtz Zentrum München: GINI-Studie (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Helmholtz Zentrum München: LISAplus-Studie (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Langen, U. et al.: Häufigkeit allergischer  Erkrankungen in  Deutschland. In: Bundesgesundheitsblatt 2013, 56:698–706
  • Muraro, A. et al.: EAACI Food Allergy and Anaphylaxis Guidelines. Primary prevention of food allergy. In: Allergy, 2014, 69 (5): 590-601
  • Oddoy, A.: Gesundheitliche Wirkungen des Ozons aus pathophysiologischer Sicht (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Raulf-Heimsoth, M.: Berufliche Allergien der Haut und Lunge. In: IPA-Journal, 2013, 01: 32
  • Renz, H.: Allergien auf dem Vormarsch. In: IPA-Journal, 2014, 03:28
  • Riedler, J.: Präbiotika in der Allergieprävention bei Kindern. In: Pädiatrische Allergologie, 2010, 04: 6
  • Riem, L.: Mit Creme den Neurodermitis-Ausbruch verhindern. Online-Publikation der Ärzte Zeitung vom 06.01.2016 (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Schäfer, T. et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014. In: Allergo Journal International, 2014, 23: 186-199 (in Überarbeitung; letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Szajewska, H. and Horvath, A.: A partially hydrolyzed 100 % whey formula and the risko of eczema and any allergy: an updated meta-analysis. In: World Allergy Organization Journal, 2017, 10 (1): 27
  • Volz, T. et al. „NOD2 Signalling critically influences sensitization to orally ingested allergens“. In: Journal of Investigative Dermatology 136:9 (2016). S. 201
  • World Allergy Organization: Leitlinien zur Prävention allergischer Erkrankungen mit Präbiotika bzw. Probiotika (Letzer Abruf: 14.11.2019)
  • Worm, M.: Erdnussallergie: Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?, Charité (Hrsg.)

Letzte Aktualisierung:

14. November 2019

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