Ausgewogene Ernährung trotz Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit

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Leben mit einer Allergie: ausgewogene Ernährung

Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße (Proteine), Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe – all dies sind Stoffe, die die Ernährung ausmachen. Doch nur wenige Menschen wissen, was Ballaststoffe überhaupt sind, was zu den Mineral- und was zu den Spurenelementen zählt, und welche Mengen der einzelnen Stoffe zu einer vollwertigen Ernährung gehören.

Insbesondere bei unterschiedlichen Ernährungseinschränkungen, etwa durch Diäten, Allergien oder Unverträglichkeiten, ist es wichtig, für eine ausgewogene Ernährung zu sorgen.

Ausgewogene Ernährung - was ist das?

Eine ausgewogene Ernährung zeichnet sich durch eine gesundheitsbewusste Auswahl und schonende Zubereitung von Lebensmitteln und Getränken aus. Sie sollte alle wichtigen Nährstoffe enthalten, die für die Gesundheit sowie geistige und körperliche Leistungsfähigkeit notwendig sind. Sie kann den Verlauf von Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Verstopfung, Übergewicht und Gicht positiv beeinflussen, bei denen Ernährung eine bedeutende Rolle spielt.

Eine ausgewogene Ernährung sollte abwechslungsreich sein und individuelle Vorlieben und Bedürfnisse berücksichtigen. Sie enthält Kohlenhydrate, Eiweiße (Proteine), Fett, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe und Wasser; je nach Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht in unterschiedlicher Menge.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat die Grundsätze einer vollwertigen Ernährung in zehn Regeln zusammengefasst. Diese zehn Regeln gelten gleichermaßen für gesunde Menschen wie auch für Betroffene mit Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten. Für Letztere müssen die Regeln allerdings individuell angepasst werden. Milchallergiker zum Beispiel müssen in der Regel auf sämtliche Milchprodukte verzichten und auf andere Lebensmittel ausweichen, um die Vorgaben einer ausgewogenen Ernährung einzuhalten.

Im Rahmen einer individuellen Ernährungsberatung müssen Alternativen für die Nährstoffversorgung aufgezeigt werden. So entstehen für Milchallergiker eigene Regeln zur ausgewogenen Ernährung, die sich aber an den zehn Regeln der DGE orientieren sollten.

Um zu verdeutlichen, welche Lebensmittelgruppen für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind und eine Art Checkliste für den Tag zu geben, entwickelten verschiedene Fachverbände den Ernährungskreis beziehungsweise die dreidimensionale Lebensmittelpyramide. Mit diesen Abbildungen wird veranschaulicht, dass sich die Grundnahrungsmittel in sieben Gruppen unterteilen. Jede Lebensmittelgruppe liefert lebensnotwendige Nährstoffe in unterschiedlicher Menge.

Ernährungsberatung

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Leben mit einer Allergie: Ernährungsberatung

Im Falle einer Nahrungsmittelallergie oder einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kann eine qualifizierte Ernährungsberatung dazu beitragen, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Dabei besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Krankenkasse einen Teil der Kosten (etwa 30 bis 80 Prozent) übernimmt. Voraussetzung für eine solche Unterstützung durch die Krankenkassen ist eine Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit einer Ernährungsberatung durch den oder die behandelnde/n Arzt oder Ärztin. Diese/r bestätigt damit, dass beispielsweise eine Nahrungsmittelallergie vorliegt, und gibt an, um welche es sich handelt.

Mit dieser Bescheinigung können sich Betroffene bei ihrer Krankenkasse über eine Ernährungsberatung informieren. Eine Kostenübernahme kommt nur zustande, wenn die Ernährungsberatenden bei der Krankenkasse anerkannt sind. Eine Beratung kann in Form einer individuellen Einzelberatung oder als Gruppenberatung erfolgen. Die Berufsbezeichnung "Ernährungsberater" ist in Deutschland nicht geschützt. Aus diesem Grund sollte man bei der Wahl des Ernährungsberatenden darauf achten, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung als Diätassistentin/Diätassistent oder ein Studium der Ernährungswissenschaften bzw. Ökotrophologie vorliegt. Ein erstes Auswahlkriterium ist die Registrierung der Betreffenden bei den entsprechenden Berufsverbänden. Diese bieten als Service auch Beraterverzeichnisse mit Postleitzahlensuchfunktion an.

Zum Beispiel: Milcheiweißallergie und Laktoseintoleranz

Optimal funktioniert unser Körper, wenn alle Nährstoffe in ausreichender Menge mit der Nahrung aufgenommen werden. Dies ist bei einer abwechslungsreichen Mischkost mit fünf Portionen Obst und Gemüse und einer ausreichenden Menge an Grundnahrungsmitteln und Flüssigkeit am Tag gewährleistet.

Betroffene mit einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit nehmen hier eine Sonderstellung ein. Sie müssen möglicherweise bestimmte Lebensmittel oder ganze Lebensmittelgruppen von ihrem Speiseplan streichen. Bevor man versucht, diese Defizite mit Vitaminpillen und anderen Nahrungsergänzungsmitteln pauschal auszugleichen, sollte man eine individuelle Ernährungsberatung in Anspruch nehmen. Oftmals lassen sich Defizite durch kleine Änderungen im Essverhalten regulieren.

Nährstoffreicher Ausgleich ist wichtig

So sollten Menschen mit Milcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz, die komplett auf Milch- und Milchprodukte verzichten, für einen nährstoffreichen Ausgleich sorgen und auf die Versorgung mit Calcium, Vitamin D, Vitamin B2 und Jod achten. Ernährungswissenschaftler empfehlen:

  • Verzehren Sie laktosefreie Milchprodukte (bei Laktoseintoleranz).
  • Achten Sie auf calciumreiche Mineralwässer (Calcium über 300 Milligramm/Liter).
  • Probieren Sie mit Calcium angereicherte Drinks und Joghurts aus Soja, Hafer oder Reis.
  • Mischen Sie Mineralwasser mit mit Calcium angereicherten Fruchtsäften (Vorsicht: Fruchtsäfte können Milcheiweiß enthalten).
  • Verzehren Sie mehrmals pro Woche calciumreiche Gemüsesorten: Brokkoli, Grünkohl, Fenchel, Lauch, Spinat und für den Jod und Vitamin-D-Haushalt zweimal pro Woche Seefisch.
  • Verbringen Sie viel Zeit an der frischen Luft. Vitamin D wird bei Sonneneinstrahlung hauptsächlich über die Haut gebildet.
  • Vitamin-B2-haltige Lebensmittel sind Muskelfleisch, Vollkornprodukte und Kartoffeln.
  • Vorsicht bei Fertigprodukten: Milch beziehungsweise Laktose ist oft „versteckt“ in den Lebensmitteln enthalten. Achten Sie auf die Liste der Inhaltsstoffe. 

Kennzeichnung von Lebensmitteln

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Leben mit Allergie: Lebensmittel-Kennzeichnung

Bei fertigen Lebensmittelprodukten ist es für Menschen mit Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten wichtig, auf die Inhaltsstoffe genau zu achten. So ist sichergestellt, dass sie nicht versehentlich „versteckt“ in diesen Produkten enthaltene Stoffe zu sich nehmen, die sie nicht vertragen.

Für die nötige Verbraucherinformation über die Zusammensetzung eines vorverpackten Lebensmittels sorgt die so genannte Lebensmittel-Informationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011, die auch die verpflichtende Angabe eines Zutatenverzeichnisses vorsieht. Alle Zutaten, die für die Herstellung des jeweiligen Lebensmittels verwendet wurden, werden in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgelistet. Die erste Zutat macht also den größten Gewichtsanteil des Lebensmittels, die letzte den kleinsten aus.

Die 14 häufigsten Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten sind im Zutatenverzeichnis eindeutig hervorzuheben. Ist kein Zutatenverzeichnis erforderlich, müssen die Stoffe oder Erzeugnisse mit dem zusätzlichen Hinweis "enthält" angegeben werden - zum Beispiel "enthält Erdnüsse". Wenn sich die Bezeichnung des Lebensmittels eindeutig auf diese Stoffe oder Erzeugnisse bezieht, ist eine solche Angabe erforderlich.

Das Lesen eines Zutatenverzeichnisses bedarf etwas Übung und sollte im Rahmen einer individuellen Ernährungsberatung trainiert werden, um beispielsweise einen Allergieauslöser zu entdecken und die enthaltene Menge zu bewerten.

Kennzeichnungspflicht auf für Verarbeitungsprodukte und unverpackte Ware

Die Kennzeichnungspflicht gilt auch für alle allergen wirkenden Verarbeitungsprodukte dieser Allergene sowie die bei der Produktion eingesetzten Hilfsstoffe. Stoffe jedoch, die durch die Verarbeitung oder den Herstellungsprozess ihr allergenes Potential verlieren, müssen nicht gekennzeichnet werden. Die Ausnahmen sind in Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 genannt.

Auch bei unverpackter Ware (z. B. an der Bedienungstheke oder im Restaurant) ist seit Dezember 2014 eine Information über Allergene verpflichtend. Diese Information kann nach der Vorläufigen Lebensmittelinformations-Ergänzungsverordnung schriftlich, elektronisch oder mündlich erfolgen. Im Falle der mündlichen Information muss eine schriftliche Dokumentation auf Nachfrage leicht zugänglich sein. Diese kann auf Grundlage der von den Verbänden entwickelten Anregungen z. B. als Kladde, Informationsblatt, Rezeptangaben oder Ähnlichem erfolgen. In der Verkaufsstätte muss es darauf einen deutlichen Hinweis geben.

Letzte Aktualisierung: 06.03.2017 / Quellen
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06.03.2017
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Von A wie Anamnese bis Z wie Zytokine - Das Allergielexikon zum Nachlesen

10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken

Vollwertig essen und trinken – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat dafür zehn Regeln formuliert.

Adressen zur Ernährungsberatug

Folgende Fachgesellschaften sind bei der Auswahl geeigneter allergologischer Fachkräfte behilflich:
Berufsverband Oecotrophologie e.V.
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie e.V.
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Verband der Diätassistenten
QUETHEB - Institut für Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung e.V.

Es empfiehlt sich, den allergologischen Schwerpunkt gezielt abzufragen.

Für junge Eltern

Milchnahrung aus Soja-, Ziegen- oder Stutenmilch wirkt nicht präventiv gegen Allergien. Die Zusammenhänge werden auf einer Informationsseite für junge Eltern erklärt.

Für Familien

Es nützt nichts, Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen, im ersten Lebensjahr des Kindes zu meiden.  Die Zusammenhänge werden auf einer Informationsseite für Familien erklärt.