Primärprävention

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Ein kleines Mädchen hört mit einem Stethoskop den Bauch einer schwangeren Frau ab

Kommen Heuschnupfen oder allergisches Asthma in der Familie bereits vor, dann ist das eigene Allergierisiko erhöht. Es wird aber nicht die Allergie an sich vererbt, sondern nur die Veranlagung, also die Bereitschaft, eine Allergie zu entwickeln oder eine damit in Verbindung stehende Erkrankung zu bekommen. Und auch wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind, muss dies nicht zwangsläufig bedeuten, dass man selbst erkrankt. Die Familiensituation kann aber zur Einschätzung dienen.

In Kürze

Bei Risikokindern ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine Allergie zu entwickeln, weil Vater, Mutter, Bruder oder Schwester bereits an einer Allergie leiden.

Langzeitstudien haben gezeigt, dass auch Kinder ohne Allergien oder damit in Verbindung stehende Erkrankungen in der Familie, also eigentlich Nicht-Risikokinder, zwar ein niedriges, aber mit 15 Prozent doch vorhandenes Grundrisiko haben. Am wahrscheinlichsten selbst eine Allergie zu bekommen ist es, wenn beide Eltern unter der gleichen mit einer Allergie in Zusammenhang stehenden Erkrankung leiden, zum Beispiel Heuschnupfen. Einen spezifischen medizinischen Test, der eine Allergiegefährdung genau voraussagen könnte, gibt es derzeit nicht.

Primärprävention beginnt bereits vor der Geburt

Wer seine Neigung für eine Allergie kennt, kann gezielter vorbeugen und Einflüsse meiden, die der Allergieentwicklung Vorschub leisten. Durch Studien weiß man heute auch mehr über mögliche schützende Effekte. Die Primärprävention beginnt sogar schon im Mutterleib und in der ersten Zeit nach der Geburt. So können die Präventionsmaßnahmen verhindern, dass aus Risikokindern allergiekranke Kinder und später allergiekranke Erwachsene werden.

in Kürze

Vorbeugende Maßnahmen werden allgemein für alle Kinder empfohlen. Bei Risikokindern mit bekannten Allergien in der Familie sind sie jedoch ein Muss und können gezielter eingesetzt werden.

Im Rahmen des „Nationalen Aktionsplan gegen Allergien“ der Bundesregierung wurde ein Allergie-Risiko-Check erarbeitet, der auf aktuellen medizinischen Erkenntnissen basiert. Er hilft werdenden Eltern, das Allergierisiko ihres Kindes einzuschätzen und vorbeugende Maßnahmen schon während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten zu treffen.

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Quellen:
  • Ärzte Zeitung (Hrsg., 2016): Mit Creme den Neurodermitis-Ausbruch verhindern (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bellach, J. et al: Prävention von Nahrungsmittelallergien durch frühe Exposition mit Nahrungsmitteln. In: Pädiatrische Allergologie, 2014, 04: 6
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  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2007): Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2015): Update der S3-Leitlinie Allergieprävention weicht von Stillempfehlung der Nationalen Stillkommission (Letzter Abruf: 13.03.2017)
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  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (Hrsg., 2014): Nationaler Aktionsplan Allergie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
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  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (Hrsg.): Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Helmholtz Zentrum München: GINI-Studie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
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  • Renz, H.: Allergien auf dem Vormarsch. In: IPA-Journal, 2014, 03:28
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  • Worm, M.: Erdnussallergie: Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?, Charité (Hrsg.)
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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Prof. Dr. Tilo Biedermann

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermann noSp@m@tum.de

Service-Tipp

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Für Familien

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bietet auf seiner Seite "Gesund ins Leben - Netzwerk junge Familie" Informationen zu Allergie-Vorbeugung.