Wie kann man schon vor der Geburt Allergien vorbeugen?

Die nachfolgenden Empfehlungen gelten für alle Kinder, ob allergiegefährdet oder nicht. Aufgrund neuer wissenschaftlicher Daten haben sich manche Empfehlungen geändert. Während man früher von allergieauslösenden Lebensmitteln wie Nüssen, Kuhmilch oder Fisch abgeraten hat, gilt heute das Prinzip des „langsamen Gewöhnens“, und zwar schon im ersten Lebensjahr.

Auch für die Mutter sind spezielle Diäten und Karenzen vom Tisch. Bei Luftschadstoffen, wie Abgasen, Tabakrauch oder Schimmel sieht das jedoch anders aus. Hier kann das Vermeiden oder Vermindern Allergien durchaus vorbeugen.

Ernährung der Mutter: vollwertig und vielseitig

© airborne77/fotolia
Ausgewogene Ernährung zur Allergieprävention

Die allgemeine Empfehlung, sich ausgewogen und nährstoffreich zu ernähren, so wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihren „10 Regeln“ zusammengestellt hat, gilt auch für werdende und stillende Mütter aus Risikofamilien. Dass sich werdende Mütter speziell allergenarm ernähren oder Diät halten, ist anders als früher empfohlen, nicht notwendig.

Studien zeigen, dass das Vermeiden von Lebensmitteln, die besonders häufig Allergien auslösen, keine Schutzfunktion für das Kind hat. Verschiedene andere Studien zeigen darüber hinaus, dass es das kindliche Allergierisiko sogar senken kann, wenn die Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit Meeresfisch isst. Daher wurde diese Empfehlung auch in die aktualisierte Leitlinie zur Allergieprävention aufgenommen.

Müttern wird zudem empfohlen, auf ein normales Körpergewicht zu achten, denn sowohl ein Zuviel schadet dem Baby hinsichtlich des Allergierisikos, als auch ein Zuwenig hinsichtlich einer Unterversorgung.

Die Geburt: Kaiserschnitt oder natürliche Entbindung?

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Rate medizinisch notwendiger Kaiserschnitte bei etwa zehn Prozent. In Deutschland sind es dagegen derzeit über 30 Prozent. Das ist doppelt so viel wie noch vor 25 Jahren.

Die Zahl der operativen Entbindungen steigt, obwohl die natürliche Geburt nachweislich viele positive Effekte hat: So bekommt das Kind im Geburtskanal für sein Immunsystem wichtige Bakterien mit, was das Risiko für spätere Atemwegs- und Verdauungsprobleme senkt.

Auch im Hinblick auf Allergien wird vom Kaiserschnitt ohne medizinischen Grund abgeraten. Studien-Daten zeigen, dass Kaiserschnittkinder später eher zu allergischen Erkrankungen neigen, insbesondere Asthma und Neurodermitis. Wissenschaftler vermuten, dass die im Vergleich zur Spontangeburt fehlende, spätere oder weniger vielfältige Bakterienbesiedelung im Darm und auf der Haut hierfür eine wesentliche Rolle spielt.

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
Schließen
Quellen:
  • Ärzte Zeitung (Hrsg., 2016): Mit Creme den Neurodermitis-Ausbruch verhindern (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bellach, J. et al: Prävention von Nahrungsmittelallergien durch frühe Exposition mit Nahrungsmitteln. In: Pädiatrische Allergologie, 2014, 04: 6
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Hrsg.): Zeitschrift für Kinder- und Jugendgesundheit-Ratgeber der Kinder und Jugendärzte, Heft 4/05
  • Braig, S. et al.: Maternal prenatal stress and child atopic dermatitis up to age 2 years: The Ulm SPATZ health study. In Pediatr Allergy Immunol, 2017, 28(2):144-151
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2007): Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2015): Update der S3-Leitlinie Allergieprävention weicht von Stillempfehlung der Nationalen Stillkommission (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Häufigen Irrtümern auf den Grund gegangen (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (Hrsg., 2014): Nationaler Aktionsplan Allergie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe (Hrsg.): www.dha-allergien.de (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene (Hrsg.): Emissionen aus Holz und Holzwerkstoffen (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Fleming et al.: Psychological interventions for adults with asthma. In: Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jan 25;(1):CD002982
  • Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin: www.gpau.de
  • Dalgard, FJ  et al.: The psychological burden of skin diseases: a cross-sectional multicenter study among dermatological out-patients in 13 European countries. In: J Invest Dermatol. 2015 Apr;135(4):984-91.
  • Guarneri et al.: Allergic contact dermatitis and asthma caused by limonene in a labourer handling citrus fruits. In: Contact Dermatitis, 2008;58(5):315-6
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (Hrsg.): Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Helmholtz Zentrum München: GINI-Studie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Helmholtz Zentrum München: LISAplus-Studie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Langen, U. et al.: Häufigkeit allergischer  Erkrankungen in  Deutschland. In: Bundesgesundheitsblatt 2013, 56:698–706
  • Oddoy, A.: Gesundheitliche Wirkungen des Ozons aus pathophysiologischer Sicht (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Raulf-Heimsoth, M.: Berufliche Allergien der Haut und Lunge. In: IPA-Journal, 2013, 01: 32
  • Renz, H.: Allergien auf dem Vormarsch. In: IPA-Journal, 2014, 03:28
  • Riedler, J.: Präbiotika in der Allergieprävention bei Kindern. In: Pädiatrische Allergologie, 2010, 04: 6
  • Schäfer, T. et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014. In: Allergo Journal International, 2014, 23(187): 32-45
  • Volz, T. et al. „NOD2 Signalling critically influences sensitization to orally ingested allergens“. In: Journal of Investigative Dermatology 136:9 (2016). S. 201
  • Worm, M.: Erdnussallergie: Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?, Charité (Hrsg.)
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
Kostenfrei: Monatliche Nachrichten aus der Forschung
Veranstaltungskalender

Hier finden Sie aktuelle Termine zu Vorträgen, Seminaren und anderen Patientenveranstaltungen rund um das Thema Allergien

Fachbegriffe A - Z

Von A wie Anamnese bis Z wie Zytokine - Das Allergielexikon zum Nachlesen

Facebook-Icon
Twitter-Icon

Folgen Sie uns

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Tilo Biedermann

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermann noSp@m@tum.de

Für Familien

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bietet auf seiner Seite "Gesund ins Leben - Netzwerk junge Familie" Informationen zu Allergie-Vorbeugung.