Wie kann man einer Allergie vorbeugen?

Es gibt viele weitere Möglichkeiten, dem Risiko selbst vorzubeugen, an einer Allergie zu erkranken. Hierzu zählen Faktoren wie zum Beispiel das Rauchen, Schadstoffe in der Luft oder auch emotionaler Stress.

Rauchen: Das Kind raucht immer mit

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Verkehsschild vor blauem Himmel. Das Schild zeigt eine durchgestrichene Zigarette.

Tabakrauch ist einer der stärksten bekannten Allergie-Auslöser, vor allem für Asthma. In der langjährigen MAS-Allergiestudie zeigte sich, dass Kinder, deren Mütter vor oder während der Schwangerschaft geraucht hatten, ein besonders hohes Risiko für eine Nahrungsmittelallergie entwickeln.

Daneben schädigen die giftigen Inhaltsstoffe im Tabakrauch die Entwicklung des Kindes direkt, da sie über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf gelangen und unter anderem seine Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen verschlechtern. Dies gilt nicht nur für aktives, sondern auch für das passive Mitrauchen der Mutter. Eine rauchfreie Umgebung vor und nach der Schwangerschaft ist unabdingbar für gute Startbedingungen eines Kindes.

Luftschadstoffe: Asthma und Heuschnupfen durch Autoabgase

Die Zunahme von Allergien zeigt sich insbesondere in Ländern mit westlichem Lebensstil. Neben anderem vermutet man, dass die erhöhte Umweltverschmutzung und vor allem Luftschadstoffe durch Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und auch Heizungsabgase aus privaten Haushalten daran einen hohen Anteil tragen. Vor allem der viel diskutierte Feinstaub mit winzigen Partikeln unter 2,5 Mikrometer Durchmesser, aber auch Ozon und Stickoxide können tief in die Atemwege eindringen und dort Entzündungen auslösen.

Eine 15-jährige wissenschaftliche Studie im Großraum München mit 3000 Kindern (LISAplus-Studie) zeigte, dass diejenigen, die an verkehrsreichen Straßen aufwuchsen, später häufiger unter Allergien litten: Mit steigender Feinstaub-Belastung kam es häufiger zu Heuschnupfen und Asthma, mit erhöhter Stickstoff-Belastung vor allem zu Neurodermitis.

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Auto-Auspuff mit Abgasen

In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Ozon akut und chronisch die Atemwege schädigt, die Infektabwehr schwächt und Atemwegsbeschwerden, Allergien und Asthma fördert. Ozon macht das Lungengewebe durchlässiger, so dass Allergene leichter in das vorgeschädigte Gewebe eindringen. Die Ozonempfindlichkeit ist individuell sehr verschieden. Bei Werten über 400 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft spüren aber auch gesunde Menschen seine Wirkung.

Wer in ungünstigen Lagen mit starker Verkehrsbelastung wohnt, sollte zumindest versuchen, die Abgase möglichst nicht direkt einzuatmen, denn die LISAplus-Studie zeigte auch, dass mit steigendem Abstand zum Verkehr das Allergie-Risiko sinkt.

Einfache Maßnahmen reduzieren die Schadstoffbelastung

Mit einfachen Maßnahmen kann man selbst die Schadstoffbelastung mindern:

  • Kein Lüften zur Verkehrsstoßzeiten, besser nur am frühen Morgen und abends vor dem Schlafengehen und möglichst nur über abseits gelegene Fenster
  • Wege zu Kindergarten oder Schule auswählen, die nicht direkt an stark befahrenen Straßen entlangführen, auch wenn sie womöglich länger sind
  • Zum Spielen lieber zu Spielplätzen und Grünflächen gehen, die von stark befahrenen Straßen weiter entfernt liegen

Umfangreiche Informationen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen wie Ozon, Feinstaub und Stickoxiden mit aktuellen Messdaten gibt das Umweltbundesamt.

Hausstaubmilben und Schimmelpilze

Verursacher von allergischem Schnupfen und Asthma können neben dem Hauptrisikofaktor Pollen auch Hausstaubmilben, seltener Schimmelpilze und – sofern vorhanden – felltragende Haustiere sein.

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Bild einer Hausstaubmilbe

Hausstaubmilben sind kein Hinweis auf mangelnde Hygiene oder eine schmutzige Wohnung. Sie sind harmlose winzige, mit bloßem Auge nicht zu erkennende Spinnentiere. Sie stechen oder beißen nicht und übertragen – im Gegensatz zu blutsaugenden Milbenarten wie der Grasmilbe – keine Krankheiten.

Hausstaubmilben ernähren sich von Hautschuppen oder Schimmelpilzen. An warmen und eher feuchten Orten wie in regelmäßig benutzten Matratzen und Bettbezügen finden sie ideale Lebensbedingungen. Eine Hausstaubmilbenallergie wird durch das Einatmen des im Hausstaub enthaltenen Milbenkotes ausgelöst, nicht durch die Tiere selbst.

Die für Allergiker beworbenen Encasings, also allergendichte Bezüge für Matratze und Bettwäsche, helfen bei bereits bestehender Hausstaubmilbenallergie, weil sie die hohe Allergen-Belastung in der Raumluft im Schlafzimmer senken und gleichzeitig die Hausstaubmilben von ihrer Nahrung, vor allem den Hautschuppen abschneiden, so dass sie sich schlechter vermehren. Zur Vorbeugung einer Allergieentwicklung in der Primärprävention konnte allerdings kein günstiger Effekt nachgewiesen werde, weswegen sie hierfür nicht empfohlen werden.

Schimmelpilze in Wohnräumen können bei Säuglingen das Risiko für einen Heuschnupfen oder Asthma im späteren Kindesalter deutlich erhöhen. Das hat unter anderem die GINI-Studie gezeigt, in der Kinder untersucht wurden, die bis zum zweiten Lebensjahr in einer schimmelbelasteten Wohnung aufwuchsen.

Wie Milben kommen Schimmelpilze überall vor. Sie leben vor allem in der Erde, auch Blumenerde, und im Kompost. Ihre Sporen, über die sie sich vermehren, verbreiten sich durch die Luft und gelangen so auch in die Wohnung. In Innenräumen können sie sich bei guten Bedingungen, zum Beispiel erhöhte Luftfeuchtigkeit, jedoch besonders schnell vermehren. Sichtbare Zeichen von Schimmel und deren Ursachen, wie Feuchtigkeitsschäden, müssen sofort behoben werden.

Auf Haustiere nicht generell verzichten

Zum Schutz vor Allergien generell auf Haustiere zu verzichten, ist nach heutiger Auffassung nicht notwendig. Neuere Studien wie die GINI- und die LISA-Studie des Helmholtz Zentrums München geben deutliche Hinweise darauf, dass Kinder, die – vor allem im ersten Lebensjahr – mit Hunden aufwachsen, signifikant besser gegen Allergien geschützt sind als andere Kinder.

Ausschlaggebend scheint hierbei das Zusammenleben mit dem Hund zu sein, da so das Immunsystem spezifisch gegen Allergien trainiert wird. Der regelmäßige Kontakt mit fremden Hunden reicht dafür nicht aus. Die genauen Ursachen, warum das Immunsystem gestärkt wird, sind noch nicht geklärt.

Bei Katzenhaltung gibt es hingegen Hinweise auf ein erhöhtes Ekzemrisiko. Die Leitlinien empfehlen deshalb, bei Risikokindern zumindest keine Katze anzuschaffen.

Impfungen sind kein Risiko-Faktor für Allergien

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Eine Spritze liegt auf einem Impfpass

Immer wieder kann man lesen, dass Impfungen Allergien fördern oder dass geimpfte Kinder häufiger unter Allergien leiden als Nicht-Geimpfte. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass es bislang keinen gesicherten Beleg hierfür gibt.

Eine Auswertung von Fachartikeln zwischen 1966 und 2003 zeigte vielmehr, dass Impfungen das Allergierisiko sogar senken können. Die neue Leitlinie zu Allergieprävention und das Aktionsbündnis Allergieprävention (abap) empfehlen daher, auch bei allergiegefährdeten (Risiko-)Kindern, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen durchzuführen.

Frühe psychische Belastung kann Allergieneigung fördern

Dass emotionaler Stress Krankheitssymptome bei Asthma und Neurodermitis auslösen und verschlimmern kann, ist bereits länger bekannt. Ob Psychotherapie hier eine mögliche Linderung bringen kann, konnte in verschiedenen Untersuchungen unter anderem von Fleming (Fleming et al., 2006) bislang aber nicht gezeigt werden.

Immer mehr Studien, darunter die deutsche SPATZ-Studie, geben Hinweise darauf, dass auch Stress der Mutter in der Schwangerschaft und belastende Ereignisse in der frühen Kindheit, wie etwa die Trennung der Eltern oder Tod eines Elternteils das Risiko für eine spätere allergische Erkrankung des Kindes erhöhen. Man vermutet, dass bestimmte Botenstoffe, die in solchen Situationen ausgeschüttet werden, allergische Sensibilisierungen beeinflussen.

Daher sollen gemäß der aktuellen Leitlinie zur Allergieprävention seelische Belastungen künftig stärker berücksichtigt werden als bisher.

Berufsbedingte Allergieauslöser meiden

Allergien gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Meist leidet die Haut unter Stoffen aus dem Berufsumfeld und es kommt zu Kontaktekzemen. Daneben können auch Stäube, beispielsweise von Mehl, Holz oder Metallverbindungen allergische Erkrankungen auslösen.

Die einzige vorbeugende Maßnahme besteht darin, den Kontakt zu meiden beziehungsweise weitestgehend zu reduzieren. Der richtige Umgang mit Schutzkleidung oder das Einhalten von Wasch- und Hygieneregeln gehören daher unbedingt zur Primärprävention. Daneben gilt es für die Arbeitgeber, wo möglich allergene Substanzen durch andere, weniger schädigende zu ersetzen.

Lesen Sie dazu mehr im Kapitel „Leben mit der Allergie – Allergie am Arbeitsplatz“.

Weiterführende Informationen

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Quellen:
  • Ärzte Zeitung (Hrsg., 2016): Mit Creme den Neurodermitis-Ausbruch verhindern (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bellach, J. et al: Prävention von Nahrungsmittelallergien durch frühe Exposition mit Nahrungsmitteln. In: Pädiatrische Allergologie, 2014, 04: 6
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Hrsg.): Zeitschrift für Kinder- und Jugendgesundheit-Ratgeber der Kinder und Jugendärzte, Heft 4/05
  • Braig, S. et al.: Maternal prenatal stress and child atopic dermatitis up to age 2 years: The Ulm SPATZ health study. In Pediatr Allergy Immunol, 2017, 28(2):144-151
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2007): Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2015): Update der S3-Leitlinie Allergieprävention weicht von Stillempfehlung der Nationalen Stillkommission (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Häufigen Irrtümern auf den Grund gegangen (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (Hrsg., 2014): Nationaler Aktionsplan Allergie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe (Hrsg.): www.dha-allergien.de (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene (Hrsg.): Emissionen aus Holz und Holzwerkstoffen (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Fleming et al.: Psychological interventions for adults with asthma. In: Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jan 25;(1):CD002982
  • Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin: www.gpau.de
  • Dalgard, FJ  et al.: The psychological burden of skin diseases: a cross-sectional multicenter study among dermatological out-patients in 13 European countries. In: J Invest Dermatol. 2015 Apr;135(4):984-91.
  • Guarneri et al.: Allergic contact dermatitis and asthma caused by limonene in a labourer handling citrus fruits. In: Contact Dermatitis, 2008;58(5):315-6
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (Hrsg.): Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Helmholtz Zentrum München: GINI-Studie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Helmholtz Zentrum München: LISAplus-Studie (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Langen, U. et al.: Häufigkeit allergischer  Erkrankungen in  Deutschland. In: Bundesgesundheitsblatt 2013, 56:698–706
  • Oddoy, A.: Gesundheitliche Wirkungen des Ozons aus pathophysiologischer Sicht (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Raulf-Heimsoth, M.: Berufliche Allergien der Haut und Lunge. In: IPA-Journal, 2013, 01: 32
  • Renz, H.: Allergien auf dem Vormarsch. In: IPA-Journal, 2014, 03:28
  • Riedler, J.: Präbiotika in der Allergieprävention bei Kindern. In: Pädiatrische Allergologie, 2010, 04: 6
  • Schäfer, T. et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014. In: Allergo Journal International, 2014, 23(187): 32-45
  • Volz, T. et al. „NOD2 Signalling critically influences sensitization to orally ingested allergens“. In: Journal of Investigative Dermatology 136:9 (2016). S. 201
  • Worm, M.: Erdnussallergie: Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?, Charité (Hrsg.)
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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Hier finden Sie aktuelle Termine zu Vorträgen, Seminaren und anderen Patientenveranstaltungen rund um das Thema Allergien

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Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Tilo Biedermann

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermann noSp@m@tum.de

Für Familien

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bietet auf seiner Seite "Gesund ins Leben - Netzwerk junge Familie" Informationen zu Allergie-Vorbeugung.

Für Familien

Es nützt nichts, Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen, im ersten Lebensjahr des Kindes zu meiden.  Die Zusammenhänge werden auf einer Informationsseite für Familien erklärt.