Allergene und Risikofaktoren reduzieren

Während in der Primärprävention heute teilweise empfohlen wird, sich an mögliche Allergene zu gewöhnen, sollten bereits sensibilisierte Personen, die auf das Allergen mit Symptomen reagieren, bekannte Auslöser möglichst meiden.

Gut zu wissen:

Experten betonen, dass  Betroffene nicht selbst ausprobieren sollten, ob sich eine Nahrungsmittelallergie bereits „verloren“ hat.

Nahrungsmittel und Haustiere

Bei der kindlichen Form der Nahrungsmittelallergie mit Reaktionen in den ersten zwei Lebensjahren vor allem auf Kuhmilch und Hühnerei müssen bestimmte Nahrungsbestandteile in der Regel gemieden werden. Meist bessert sich die Allergie im Verlauf; die aktuelle Relevanz sollte daher von Zeit zu Zeit ärztlich überprüft werden.

Bei der erwachsenen Form, die in jedem Lebensalter auftreten kann, ist ein Vermeiden oder Reduzieren der möglichen Auslöser meist lebenslang nötig. Dies gilt beispielweise für Nüsse oder Meeresfrüchte oder bei pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien (OAS), wenn bei Heuschnupfen allergische Kreuzreaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel auftreten. Auch bei Neurodermitis reagieren bis zu einem Drittel der Kinder auf Nahrungsmittelallergene.

Mehr zur Vermeidung von Allergenen im Kapitel Primärprävention.

Nichtrauchen heißt aktiv vorbeugen

© Piotr Marcinski/fotolia
Nichtrauchen zur Sekundärprävention von Allergien

Asthma und Heuschnupfen können sich durch aktives wie passives Rauchen akut und chronisch verschlechtern. Symptome wie Husten und Auswurf verstärken sich, denn der Rauch setzt die Lungenfunktion erheblich herab und heizt den ohnehin schon bestehenden Entzündungsprozess der Bronchialschleimhaut zusätzlich an.

Zudem mindert Tabakrauch die Wirkung von Asthma-Medikamenten: Raucher benötigen etwa die fünffache Menge an Kortisonspray, um eine Wirkung zu spüren.

Auch die Haut leidet unter dem Rauch: Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass deutlich mehr Raucher als Nichtraucher Handekzeme (wie auch andere, nicht allergische Hauterkrankungen) entwickeln. Auch das durch Rauchen bedingte übermäßige Schwitzen der Hände kann hierzu beitragen. 

Da Rauchen sowohl das Risiko der Allergieentstehung fördert wie auch bestehende Allergien verschlimmert, ist die Tabakentwöhnung ein Muss in der Allergieprävention. Mehr zu Methoden der Tabakentwöhnung.

Berufsberatung für Jugendliche und Arbeitsschutz für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Berufsbezogene Allergien gehören mit zu den am häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten. Dazu zählen insbesondere Asthma und Hauterkrankungen, und hier vor allem Handekzeme. Verschiedenste Arbeitsstoffe bzw. Stoffgemische können auslösend oder sensibilisierend wirken. Häufiger kommt es aber vor, dass sich eine bestehende Allergie verschlimmert.

Wer aus einer Familie mit Allergien kommt, selbst bereits sensibilisiert ist, oder an einer Allergie wie Heuschnupfen oder Neurodermitis leidet, trägt ein höheres Risiko für eine berufsbezogene Erkrankung als Nicht-Allergiker. Nach Ergebnissen der KIGGS-Studie weisen immerhin über 40 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren eine allergische Sensibilisierung gegen mindestens ein Allergen auf. Diese Sensibilisierung kann etwa zu einem berufsbedingten Asthma führen.

Weniger als zehn Prozent der Jugendlichen lassen sich beraten

Gerade für allergiekranke Jugendliche ist daher eine Berufsberatung im Vorfeld besonders wichtig, damit eine begonnene Ausbildung nicht abgebrochen werden muss. Untersuchungen zeigen, dass bei etwa einem Drittel der Jugendlichen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Ausbildung abbrechen, Haut- und Atemwegserkrankungen auftraten, in den ersten drei Berufsjahren vor allem Asthma und Allergien. Dennoch lassen sich nur weniger als zehn Prozent der Jugendlichen mit Allergien oder Asthma bei ihrer Berufswahl vorab beraten und weniger als fünf Prozent in ihrer Berufswahl davon beeinflussen.

Schulungsmaßnahmen beugen Allergien vor

Studien zeigten aber auch, dass Schulungsmaßnahmen, die das Wissen der Jugendlichen über Berufsallergien verbessern, ein Mittel sind, das Risiko für berufsbedingtes Asthma und Handekzeme zu mindern. Auch im Hautschutz waren solche Schulungen bei Berufsanfängern erfolgreich: Ohne Wissensvermittlung setzte nur etwa ein Drittel der Beschäftigten die Präventionsmaßnahmen um.

Eine Beratung vor der Berufswahl kann helfen

Eine Beratung zur Berufswahl bei Kinder- und Jugendmedizinern und -medizinerinnen, Dermatologen oder Pneumologen sowie eine Berufsberatung beim Arbeitsamt kann bei der Berufsentscheidung sehr hilfreich sein. Dabei sollte man zwischen dem Erkrankungsrisiko und der persönlichen Situation gut abwägen. Denn nicht zwangsläufig müssen Betroffene auf den Wunschberuf generell verzichten. Oft können Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz den Kontakt mit Reizstoffen oder Allergenen deutlich einschränken. Die Berufsgenossenschaften haben dazu entsprechende Empfehlungen und Vorschriften herausgegeben.

Anzeichen einer berufsbedingten Allergie

Anzeichen, die auf eine berufsbedingte Allergie hindeuten, sind:

  • Beschwerden, die nur während der Arbeit auftreten und sich nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub bessern bzw. verschwinden,
  • Behandlungen, die nur kurzfristig wirken,
  • Körperliche Reaktionen, die auf Hautbereiche wie Gesicht und Hände oder die Atemwege beschränkt sind, sofern diese im Berufsalltag mit bestimmten Stoffen in Kontakt kommen.

Hinweise zur Berufswahl bei Allergien

  • Bei schwerem Asthma sollte keine Tätigkeit mit Asthmarisiko aufgenommen werden.
  • Wer nachgewiesen sensibel auf einen im Beruf bekannten Arbeitsstoff reagiert oder spezifische Symptome (Rhinitis, Asthma) zeigt, sollte den Beruf nicht wählen.
  • Wer in der Jugend bereits an Handekzemen leidet, sollte gemäß der Leitlinie für Neurodermitis auf Berufe mit viel Feuchtarbeit, wie etwa den Friseurberuf, verzichten.
  • Für Asthma bronchiale, allergische Rhinitis und Neurodermitis wurden individuelle Vorhersagemodelle erarbeitet.

Weitere Informationen:

Allergie-Risiko-Rechner des Instituts für Arbeits, Sozial- und Umweltmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Thomas Werfel

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V.
c/o MHH, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie

E-Mail: Werfel.Thomas noSp@m@mh-hannover.de

Beispiele für Berufe mit geringem Risiko für allergische Haut- und Atemwegserkrankungen:

  • Berufe in Büro, Verwaltung und im kaufmännischen Bereich
  • technische und künstlerische Planungsberufe
  • pädagogische und soziale Berufe (zum Beispiel Lehrer, Sozialarbeiter)
  • therapeutische Berufe (zum beispiel Logopäde, Musiktherapeut)
  • Informatikberufe (zum Beispiel Programmierer)
  • journalistische, nachrichten- und medientechnische Berufe im Innendienst
  • industrielle Produktionsberufe an emissionsfreien Arbeitsplätzen
  • wissenschaftliche Berufe im theoretischen Bereich