Tertiärprävention: Rehabilitation und Klinikaufenthalte

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Tertiärprävention

Wenn von Tertiärprävention gesprochen wird, ist meist die Rehabilitation mit ihren vielfältigen Maßnahmen gemeint. Sie setzt in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ein in Ergänzung zu oder nach medizinischen Behandlungen.

Der Begriff Rehabilitation oder kurz „Reha“ bedeutet wörtlich „Wiederherstellung“: Betroffene sollen ihren ursprünglichen Gesundheitszustand und ihre Leistungsfähigkeit wiedererlangen. Bei chronischen Erkrankungen ist eine Heilung kaum möglich. Eine Rehabilitation kann den Betroffenen jedoch trotzdem Vorteile bieten:

  • Verschlimmerungen, Folgeschäden und Rückfälle können verhindert werden
  • das Allgemeinbefinden kann verbessert werden
  • die Belastungsfähigkeit kann wieder erhöht werden

Im Sinne der Prävention beugt eine medizinische Rehabilitation damit nicht der Krankheit selbst vor, sondern einer weiteren negativen Entwicklung des Krankheitsverlaufs. Diese würde möglicherweise auch dazu führen, dass Beruf, Schule oder Ausbildung nur eingeschränkt wahrgenommen oder gar aufgegeben werden und dass Patienten im Alltag sowie im Hinblick auf Urlaub, Hobbies und Freizeitgestaltung auf vieles verzichten müssten.

In Kürze

Ziel der Rehabilitation für chronisch erkrankte Menschen ist es, den Gesundheitszustand und die Lebensqualität zu verbessern, Verschlimmerungen des Gesundheitszustandes zu vermeiden, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern oder wiederherzustellen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Berufliche und soziale Rehabilitation

Ist das schulische oder berufliche Leben bereits eingeschränkt, so ist das Ziel einer Reha-Maßnahme, die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit soweit wiederherzustellen, dass Betroffene in Arbeit oder Schule zurückkehren können. Je nach Krankheitsbild kann die Rückkehr auch stufenweise in einer Art Erprobung, also einer Wiedereingliederung erfolgen. Umschulungen und Anpassungen am Arbeitsplatz können ebenfalls Maßnahmen einer Rehabilitation sein (Berufliche Rehabilitation).

Ergänzend zu den medizinischen und beruflichen Reha-Maßnahmen gibt es auch soziale Maßnahmen der Rehabilitation. Das können finanzielle Hilfen, zum Beispiel zur zusätzlichen Kinderbetreuung sein, um eine medizinische Reha wahrnehmen zu können, ebenso wie Hilfen zur Umgestaltung der Wohnung (Soziale Rehabilitation).

Kur oder Reha?

Oft werden die Begriffe Rehabilitation und Kur verwechselt. Im Gegensatz zur Rehabilitation ist die Kur eine allgemeine Maßnahme zur Gesunderhaltung, wenn noch keine Erkrankung  eingetreten ist, aber Risiken für eine Erkrankung bestehen. Die allgemein geschwächte Gesundheit soll wieder gestärkt und gefördert werden.

Seit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 wird der Begriff "Kur" offiziell zwar nicht mehr im Sinne von medizinischer Rehabilitation verwendet, viele Kurorte und Heilbäder werben jedoch weiterhin damit. Er gilt noch für Badekuren oder die klassische Mutter-Kind-„Kur“ (oder auch Vater-Kind-„Kur“), in der erkrankte oder belastete Eltern behandelt werden. Kinder, die noch zu klein sind, um vorübergehend getrennt zu werden, begleiten den Elternteil.

Im Gegensatz dazu ist eine  Kinder- oder Jugend-Reha eine spezielle Rehabilitationsmaßnahme für das erkrankte Kind, zum Beispiel mit Asthma, das noch zu klein ist und daher von einem Elternteil begleitet werden muss. Darüber hinaus werden Mutter oder Vater in die Reha mit einbezogen, da sie zu Hause die Betreuung und Umsetzung aller Maßnahmen verantwortlich begleiten müssen, beispielsweise die regelmäßige Hautpflege bei Neurodermitis oder die richtige Ernährung bei Lebensmittelallergien. Eine medizinische Behandlung erwachsener Begleitpersonen erfolgt jedoch nicht.

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Quellen:
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  • Bundesverband der Pneumologen (Hrsg.): Häufigkeit von Asthma bronchiale
  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Rehabilitation und Prävention (Hrsg.): Infoblatt zu einer Reha(bilitation) für Kinder & Jugendliche „Asthma bronchiale“
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Therapiekonzept, Leistungsspektrum der Dermatologie
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2009): Rahmenkonzept zur medizinischen Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Ambulante Reha
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Medizinische Rehabilitation: Wie sie Ihnen hilft. - 11. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Mit Rehabilitation wieder fit für den Job. - 11. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Rehabilitation für Kinder und Jugendliche
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Reha-Therapiestandards für Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale, Adipositas, Neurodermitis
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Zuzahlung - Wer zahlt was
  • Fischer, P.: Vorsorgekuren und Reha-Maßnahmen bei Allergien, Neurodermitis und Asthma. In: Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis, 1999, 02: 27-28 (aktualisiert 1/2008)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (Hrsg., 2015): Rehabilitations-Richtlinie
  • Hibbeler, B.: Rehabilitation: Krankenkassen in der Pflicht. In: Dtsch Arztebl 2007; 104(17): A-1136 / B-1014 / C-966
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  • Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (Hrsg., 2012): Begutachtungs-Richtlinie „Vorsorge und Rehabilitation“
  • Schuh, A.: Die Evidenz der Klima- und Thalassotherapie. Ein Review. In: Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin, 2009, 21(2):96–104 (DOI:10.1159/000287219
  • Werfel, T. Et al, Diagnostik und Stufentherapie der Neurodermitis. In: Deutsches Ärzteblatt, 2014, 111 (29–30): 509-520
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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