Grundlegende Aufgaben und Leistungen einer medizinischen Rehabilitation

Eine medizinische Rehabilitation umfasst zahlreiche Maßnahmen, die zu Beginn individuell auf die mit dem Patienten getroffenen Therapieziele abgestimmt werden. Grundsätzlich zählen zu den Maßnahmen einer Reha:

  • Diagnose-Verfahren, die die bisherigen Untersuchungen ergänzen oder aktualisieren, beispielsweise Lungenfunktionsprüfung oder umfangreiche und spezielle Allergietests, die teilweise nur stationär durchgeführt werden können, wie Provokationstests auf Nahrungsmittel.
  • Die gemeinsame Erarbeitung eines individuellen Therapieplans gemäß der festgelegten Therapieziele; bei einem Kind mit Asthma etwa soll die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert werden, damit es zum Beispiel. wieder am regulären Schulsport teilnehmen kann.
  • Therapiemaßnahmen wie Sport und Bewegungstherapie, lokale Therapie bei Neurodermitis oder Inhalationen bei Asthma.
  • Patientenschulungen zum Umgang mit der Erkrankung und ihre speziellen Schwierigkeiten, Umgang mit Notfallsituationen wie Atemnot, Entspannungsmethoden, psychologisches Training, um die eigene Einstellung zur Erkrankung zu verändern und die Eigenverantwortung sowie gesundheitsförderndes Verhalten und die Teilhabemöglichkeiten zu stärken.
  • Information und Beratung zu weitergehenden Maßnahmen und Nachsorge, wie zur beruflichen Wiedereingliederung oder zur Berufswahl bei Jugendlichen mit Allergien.

Kinder- und Jugend-Reha bei Asthma und Neurodermitis

Neurodermitis und Asthma sind unter Kindern weit verbreitet. Nach Angaben der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen leiden von den Kindern und Jugendlichen in Deutschland aktuell fast neun Prozent an Heuschnupfen, gut sieben Prozent an Neurodermitis und etwas mehr als drei Prozent an Asthma. Jungen sind häufiger von Heuschnupfen und Asthma betroffen als Mädchen.

Allergisches Asthma kommt bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen. Bei etwa der Hälfte aller Kleinkinder verschwindet ein Asthma bronchiale bis zum siebten Lebensjahr oder im Verlauf der Pubertät wieder.

Insgesamt ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung und Neurodermitis die häufigste Hautkrankheit im Kindesalter.

© ktsdesign/fotolia
DNA-Molekül. Ein kleiner Abschnitt ist rot eingefärbt.

Oft geht dem allergischen Asthma ein allergischer (Heu-)Schnupfen voraus oder es ist von anderen Allergien, beispielsweis auf Nahrungsmittel, begleitet. Eine aktuelle Studie konnte nachweisen, dass genetische Faktoren die sogenannten atopische bzw. allergische Disposition begünstigen. Das bedeutet, dass bei familiärer Belastung und entsprechenden Umweltfaktoren die Wahrscheinlichkeit einer allergischen Erkrankung erhöht ist. Die Forscher fanden sieben spezifische Genregionen, die sowohl bei Neurodermitis eine wichtige Rolle spielen als auch das Risiko erhöhen, an weiteren Allergien zu erkranken.

Eine Kinder- und Jugendreha kann die negative Krankheitsspirale stoppen

Für Betroffene und deren Familien stellt diese Mehrfacherkrankung eine besondere Herausforderung dar. Mitunter fehlen ausreichende Therapiemöglichkeiten in der Nähe, die Fehlzeiten in der Schule nehmen zu, das Familienleben ist belastet, und gerade bei Neurodermitis entstehen auch unter Gleichaltrigen soziale Spannungen, weil das Hautbild beeinträchtigt ist. Die Lebensqualität sowohl der jungen Patientinnen und Patienten wie auch ihrer Familienmitglieder leidet.

Psychische Belastungen im schulischen und familiären Umfeld können das Krankheitsbild verschlechtern und die Wirksamkeit von Therapien beeinträchtigen. Gerade bei chronischen Haut- und Atemwegserkrankungen besteht die Gefahr, dass sich rasch eine negative Krankheitsspirale entwickelt. Ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer für Kinder und Jugendliche spezialisierten Rehaklinik kann helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Eine Kinder- und Jugendreha dauert in der Regel vier Wochen.

Überbrückungsunterricht und Betreuung in altersentsprechenden Gruppen während der Reha

In einer stationären Rehabilitation übernimmt ein Team aus Haut-, Lungen- und Kinderärztinnen und -ärzten, Kinderkrankenschwestern und -pflegern, Psychologinnen und Psychologen, Ernährungsfachkräften sowie Physio- und Sporttherapeutinnen und -therapeuten die Betreuung der Kinder in altersentsprechenden Gruppen. Damit schulische Unterrichtsinhalte so wenig wie möglich versäumt werden, erhalten Schulkinder sogenannten Überbrückungsunterricht in allen Hauptfächern.

Kinder zwischen drei und sechs Jahren sollten von einem Elternteil begleitet werden. Die Eltern können dabei entweder mit dem Kind in einem gemeinsamen Appartement wohnen oder außerhalb der Klinik untergebracht sein und das Kind jeden Tag zu bestimmten Zeiten besuchen. Es ist auch möglich, dass die Mutter oder der Vater selbst eine Rehabilitation am gleichen Ort in Anspruch nimmt und das Kind zu abgesprochenen Zeiten sieht.

Klimatherapie bei Allergien nachgewiesen wirksam

Die Klimatherapie mit Aufenthalten am Meer (Thalassotherapie) oder im Gebirge zählt zu den Naturheilverfahren, die vor allem bei Haut- und Atemwegserkrankungen eingesetzt wird. In Deutschland, Frankreich und der Schweiz kennt man die positiven Wirkungen bereits seit dem 19. Jahrhundert. Mittlerweile zeigen zahlreiche Studien, dass die therapeutischen Erfolge bei atopischen Haut- und Atemwegserkrankungen, wie allergischem Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis nicht nur während der Behandlungsdauer, sondern auch längerfristig danach anhalten. 

Weniger Hausstaubmilben, Schadstoffe und Pollen ab 1600 Höhenmeter

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Blick ins Oberallgäu. Wiesen, Bäume, Häuser. Im Hintergund die Berge und blauer Himmel.

Als günstige Einflüsse im Gebirge erwiesen sich Luftreinheit, geringere Luftfeuchtigkeit und stärkere UV-Strahlung. Insbesondere die Hausstaubmilbe mit ihren Ausscheidungen als wichtigem Allergieauslöser und -verstärker kommt ab etwa 1600 Höhenmetern nicht mehr vor. Generell ist das kühle und trockene Gebirgsklima milbenfeindlich. Auch die Konzentration von Schadstoffen ist in der Höhe deutlich geringer, und das Vorkommen von Schimmelpilzsporen sowie Pollen wird durch die Lufttrockenheit reduziert.

In Studien konnte gezeigt werden, dass das Gebirgsklima entzündete Atemwege bei Asthma entlastet und Menschen mit Heuschnupfen symptomfrei werden können. Bei Neurodermitis-Patientinnen und -Patienten ließ die stärkere UV-Strahlung die Ekzeme schneller abheilen. Durch die geringere Luftfeuchtigkeit und damit stärkere Verdunstung an der Hautoberfläche normalisierte sich auch das bei Neurodermitis übermäßige Schwitzen, und Entzündungen und Juckreiz nahmen ab.

In einer Studie zu Langzeiteffekten an über 6000 Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis und allergischem Asthma ging es zwei Drittel der Betroffenen noch nach zwölf Monaten deutlich besser: Sie hatten weniger Krankheitsschübe und benötigten weniger Medikamente. Fehlzeiten in Schule und Beruf sanken in dieser Zeit von 26 auf 2 Prozent.

Hohe Luftfeuchtigkeit an der See hilft bei Heuschnupfen und Neurodermitis

© Madlen Steiner/fotolia
Blick aufs Meer mit einem Steg der aufs Meer hinauf geht. Im Vordergrund Strandkörbe am Strand.

An der See ist die Luft aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit weniger allergenarm als im Gebirge. Schimmelpilzsporen und Milben kommen vor, dafür kaum Pollen und Luftschadstoffe, was vor allem bei Heuschnupfen entlastet.

Für die Haut und die Schleimhäute sind in erster Linie die hohe Luftfeuchtigkeit, das Salzwasser und die UV-Strahlung heilend. Bei Neurodermitis normalisiert sich nachweislich die krankheitsbedingt gestörte Durchblutung und verminderte Wärmeleitfähigkeit der Haut.

In mehreren Studien zeigte sich eine messbare Verbesserung des Hautbildes, zum Teil bereits nach nur zwei Wochen Therapie, wobei dieser Effekt auch nach Rückkehr in die häusliche Umgebung noch mehrere Monate anhielt. Nach vierwöchigen Aufenthalten am Toten Meer dauerte die Besserung der Symptome durchschnittlich acht Monate an.

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Quellen:
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    Wehrmann J. et al.: S1-Leitlinie Dermatologische stationäre Rehabilitation bei atopischer Dermatitis Erwachsener, 2015
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  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Forschung in der Rehabilitation. (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Bundesverband der Pneumologen (Hrsg.): Häufigkeit von Asthma bronchiale
  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Rehabilitation und Prävention (Hrsg.): Infoblatt zu einer Reha(bilitation) für Kinder & Jugendliche „Asthma bronchiale“
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Therapiekonzept, Leistungsspektrum der Dermatologie
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2009): Rahmenkonzept zur medizinischen Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Ambulante Reha
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Medizinische Rehabilitation: Wie sie Ihnen hilft. - 11. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Mit Rehabilitation wieder fit für den Job. - 11. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Rehabilitation für Kinder und Jugendliche
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Reha-Therapiestandards für Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale, Adipositas, Neurodermitis
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Zuzahlung - Wer zahlt was
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  • Hibbeler, B.: Rehabilitation: Krankenkassen in der Pflicht. In: Dtsch Arztebl 2007; 104(17): A-1136 / B-1014 / C-966
  • Marenholz, I. et al.: Meta-analysis identifies seven susceptibility loci involved in the atopic march. In: Nature Communications, 2015 Nov 6;6:8804
  • Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (Hrsg., 2012): Begutachtungs-Richtlinie „Vorsorge und Rehabilitation“
  • Schuh, A.: Die Evidenz der Klima- und Thalassotherapie. Ein Review. In: Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin, 2009, 21(2):96–104 (DOI:10.1159/000287219
  • Werfel, T. Et al, Diagnostik und Stufentherapie der Neurodermitis. In: Deutsches Ärzteblatt, 2014, 111 (29–30): 509-520
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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