Rehabilitation: Stationär oder ambulant?

Bei chronischen Erkrankungen wie Allergien können vorbeugende und therapeutische Maßnahmen nur nachhaltig wirken, wenn das in einer Rehamaßnahme Erlernte auch im Alltag dauerhaft umgesetzt  wird. Nur so können Selbstständigkeit, eine entsprechende Lebensgestaltung und eine hohe Lebensqualität erhalten bleiben.

Folgende Maßnahmen können helfen, langfristig mit der Krankheit zu leben:

  • Individuelle Ernährungsberatung
  • Inhalationsbehandlungen
  • Hautpflege
  • ein allergenarmes Zuhause
  • psychologische Unterstützung zur Krankheitsbewältigung
  • sportliche Aktivitäten

Eine Rehabilitationsmaßnahme kann die Umsetzung unterstützen und zeitweise übernehmen. Sie kann grundsätzlich ambulant, das heißt wohnortnah und nur stundenweise am Tag oder stationär, verbunden mit einem vom Wohnort entfernten Klinikaufenthalt, durchgeführt werden.

Ambulante Rehamaßnahme - tagsüber Therapie, abends zu Hause

Die Zahl der ambulanten, wohnortnah durchgeführten Rehabilitationen steigt stetig und vor allem in Großstädten und Ballungszentren gibt es immer mehr Reha-Einrichtungen. Sie werden primär bevorzugt, denn es gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“.

Auch für Betroffene hat es Vorteile: Eltern, die Kinder zu versorgen haben, können in der Familie bleiben und Berufstätige, die der Arbeit nicht zu lange fernbleiben möchten, können die Reha-Zeiten gegebenenfalls auch mit beruflichen Verpflichtungen vereinbaren.

© Robert Kneschke/fotolia
Ambulante Reha in der Tertiärprävention

Die Leistungen entsprechen denen der stationären Reha. Die ganztägige ambulante Reha dauert in der Regel drei Wochen. Ganztägig bedeutet sechs Stunden pro Tag von Montag bis Freitag. Das Wochenende ist frei von Rehamaßnahmen.

Voraussetzungen: Die Betroffenen müssen mobil sein und auch selbstständig, beispielsweise mit Bus und Bahn, zur Klinik oder Praxis fahren können. Dazu muss die Reha-Einrichtung in einer „zumutbaren Fahrzeit“ erreicht werden können, die in der Regel höchstens 45 Minuten pro Anfahrtsweg dauern darf. Viele Rehabilitationseinrichtungen bieten auch einen Fahrdienst an. Daneben muss gesichert sein, dass die Patientin/der Patient zu Hause am Abend und an den Wochenenden versorgt und auch eine Hausärztin/ein Hausarzt erreichbar ist.

Stationäre Reha

Ist keine auf die Erkrankung spezialisierte Reha-Einrichtung in der näheren Umgebung vorhanden, reichen ambulante Maßnahmen nicht aus oder waren nicht effektiv, ist eine „Auszeit“ von zu Hause medizinisch angeraten oder gibt es andere medizinische Gründe, wird eine stationäre Reha angezeigt.

Trotz steigender ambulanter Reha-Zahlen werden Leistungen zur medizinischen Rehabilitation immer noch überwiegend stationaär angeboten und durchgeführt. Stationär bedeutet: dreiwöchiger ganztägiger Klinikaufenthalt mit Unterkunft und Verpflegung.

In Kürze

Es gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“: Erst wenn ambulante Maßnahmen nicht ausreichen oder medizinische Gründe dafür sprechen, wird die stationäre Reha angestrebt.

Wann kann eine stationäre Reha sinnvoll sein?

Ein stationärer Aufenthalt kann beispielsweise angeraten sein, wenn bei schwerer Neurodermitis das Hautbild und quälender Juckreiz unter ambulanter Therapie nicht besser wurden oder die/der Betroffene nachts nicht mehr ausreichend schläft.

Auch kann ein bestimmtes Heilklima dafür sprechen, eine entfernt gelegene Klinik aufzusuchen, wo die salzhaltige und pollenarme Luft am Meer bei Neurodermitis, Asthma und/oder Pollenallergie symptomlindernd wirken können.

In bestimmten Fällen, etwa bei älteren Kindern oder Jugendlichen mit Neurodermitis kann es auch aus psychologischen Gründen sinnvoll sein, für einen begrenzten Zeitraum aus der gewohnten Umgebung oder der Familie an einen anderen Ort zu wechseln, wenn die Familiensituation angespannt ist, schulische Probleme auftreten oder der Kontakt zu Gleichaltrigen immer schwieriger wird.

Entscheidungshilfen für eine ambulante oder stationäre Reha:

  • Welche körperlichen Einschränkungen hindern mich in meiner Mobilität? Komme ich allein zurecht und kann ich mich zu Hause selbstständig versorgen?
  • Bin ich in der Lage, jeden Tag den Weg zur ambulanten Therapie hin und wieder zurück zu fahren? Schaffe ich das zeitlich?
  • Habe ich zu Hause genug Ruhe, um mich auch zu erholen, oder muss ich mich so viel um andere/anderes kümmern, dass ich mit der Reha unter Druck gerate?
  • Wie belastbar fühle ich mich derzeit? Möchte ich eine professionelle Versorgung und Unterstützung auch am Abend und am Wochenende?
  • Brauche ich Zeit für mich und Abstand vom Alltag oder will ich lieber in meinem Zuhause bleiben, weil ich in vertrauter Umgebung besser Ruhe und Entspannung finde?
Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Quellen:
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  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
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  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Rehabilitation und Prävention (Hrsg.): Infoblatt zu einer Reha(bilitation) für Kinder & Jugendliche „Asthma bronchiale“
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Therapiekonzept, Leistungsspektrum der Dermatologie
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2009): Rahmenkonzept zur medizinischen Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung (Letzter Abruf: 13.03.2017)
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Ambulante Reha
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Medizinische Rehabilitation: Wie sie Ihnen hilft. - 11. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Mit Rehabilitation wieder fit für den Job. - 11. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Rehabilitation für Kinder und Jugendliche
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Reha-Therapiestandards für Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale, Adipositas, Neurodermitis
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Zuzahlung - Wer zahlt was
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  • Gemeinsamer Bundesausschuss (Hrsg., 2015): Rehabilitations-Richtlinie
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  • Marenholz, I. et al.: Meta-analysis identifies seven susceptibility loci involved in the atopic march. In: Nature Communications, 2015 Nov 6;6:8804
  • Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (Hrsg., 2012): Begutachtungs-Richtlinie „Vorsorge und Rehabilitation“
  • Schuh, A.: Die Evidenz der Klima- und Thalassotherapie. Ein Review. In: Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin, 2009, 21(2):96–104 (DOI:10.1159/000287219
  • Werfel, T. Et al, Diagnostik und Stufentherapie der Neurodermitis. In: Deutsches Ärzteblatt, 2014, 111 (29–30): 509-520
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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