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Wespen können eine Insektengiftallergie auslösen

Allergisch auf Insektenstiche? – Spezifische Immuntherapie schützt wirksam

Eine neue internationale Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Ulm zeigt, wie das Immunsystem bereits in den ersten Stunden nach Beginn einer allergenspezifischen Immuntherapie (AIT) auf Insektengift reagiert.

Insektengiftallergien betreffen schätzungsweise 13 bis 20 Millionen Menschen in Europa. Ohne Therapie kann ein Stich lebensbedrohlich sein – mit einer AIT lässt sich das Risiko deutlich senken. Die spezifische Immuntherapie kann sogar bewirken, dass Betroffene langfristig tolerant gegenüber dem Gift zu werden.

Was ist eine allergenspezifische Immuntherapie (AIT)? 

Die AIT ist die einzige ursächliche Behandlung von Allergien. Besonders bei Insektengift zeigt sie Heilungsraten von über 95 Prozent. Die Studie gibt wertvolle Hinweise darauf, wie diese starke Wirkung zustande kommt – und liefert Ansatzpunkte für eine Verbesserung der AIT bei anderen Allergien. 

Was wurde genau untersucht? 

Die Forschenden wollten herausfinden, wie das Immunsystem in den ersten Stunden und Tagen nach Beginn der Therapie reagiert. Dafür analysierten sie Blutproben von Menschen mit einer Allergie gegen Insektengift mit modernsten molekularbiologischen Methoden – und verglichen die Ergebnisse mit gesunden Personen und Pollenallergiker:innen. 

Was wurde entdeckt? - Erkenntnisse im Detail 

Schon 8 bis 24 Stunden nach Therapiebeginn bildeten sich bei Personen mit Insektengiftallergie vermehrt spezielle Immunzellen – sogenannte B-Zellen –, die den entzündungshemmenden Botenstoff IL-10 freisetzen. Zudem zeigte sich eine vermehrte Bildung von IL-6 in bestimmten Immunzellen (den sogenannten Th2-Zellen), die bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielen.  

Ein Anstieg von IL-6 im Blut wurde dagegen nicht beobachtet. Da ein Anstieg des Markers im Blut typischerweise auf eine Entzündung hinweist, vermuten die Forschenden, dass dass IL-6 in diesem Kontext keine entzündungsfördernde, sondern möglicherweise eine regulierende Rolle spielt. 

Diese Annahme wird gestützt durch die Beobachtung, dass sich der anfänglich beobachtete Unterschied in der Immunzellaktivität und der IL-6-Expression von Personen mit Insektengiftallergie im Vergleich zur Kontrollgruppe, bereits sieben Tage nach Beginn der Therapie normalisiert hatte.

Früher Switch im Immunsystem könnte Therapie wirksamer machen 

Dass das Immunsystem bei Personen mit Insektengiftallergie bereits sehr früh auf die AIT reagiert, könnten erklären, warum die AIT bei Insektengiftallergien besonders wirksam ist. Sie helfen möglicherweise dabei, eine langfristige Immuntoleranz zu entwickeln – ein Ziel, das bei anderen Allergien wie Heuschnupfen deutlich schwerer zu erreichen ist. 

 

Quelle: 
Pogorelov, D. et al.: Multiomics approaches disclose very-early molecular and cellular switches during insect-venom allergen-specific immunotherapy: an observational study. Nature Communications volume 15, November 2024 

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