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Immunsystem - Entstehung einer Allergie
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Wie entsteht eine Allergie?

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Substanzen aus der Umwelt. Diese Allergie auslösenden Substanzen bezeichnet man als Allergene.

Das Wort "Allergie" hat seinen Ursprung in den beiden griechischen Begriffen "allos" (= anders)  und "ergos" (= Tätigkeit) und meint eine „veränderte Reaktionsfähigkeit“ des Immunsystems.

Wissenschaftliche Beratung:

Dr. Stefan Dehmel, Helmholtz Munich

E-Mail: stefan.dehmel@helmholtz-munich.de

Prof. Dr. Heidrun Behrendt, Dir. Emer. Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM)

E-Mail: heidrunbehrendt@web.de

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Substanzen aus der Umwelt. Diese Allergie auslösenden Substanzen bezeichnet man als Allergene.

Das Wort "Allergie" hat seinen Ursprung in den beiden griechischen Begriffen "allos" (= anders)  und "ergos" (= Tätigkeit) und meint eine „veränderte Reaktionsfähigkeit“ des Immunsystems.

Wissenschaftliche Beratung:

Dr. Stefan Dehmel, Helmholtz Munich

E-Mail: stefan.dehmel@helmholtz-munich.de

Prof. Dr. Heidrun Behrendt, Dir. Emer. Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM)

E-Mail: heidrunbehrendt@web.de

Mehrere Faktoren wirken zusammen

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Allergien sind bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es nicht nur eine einzige Ursache gibt, sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielen, die nicht immer alle bekannt sind. Sicher ist, dass eine Störung des Immunsystems zugrunde liegt. Insbesondere bei allergischen Erkrankungen, bei denen das Immunglobulin E (IgE) maßgeblich beteiligt ist, ist eine erbliche Neigung von Bedeutung. Dann müssen in der Regel weitere Faktoren hinzukommen, damit eine Allergie zum Ausbruch kommt.

Video: Entstehung von Allergien

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Nicht jede Überempfindlichkeit ist eine Allergie

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Allergie häufig mit Überempfindlichkeit gleichgesetzt. Streng genommen liegt aber nur dann eine Allergie vor, wenn ihr eine immunologische Reaktion, das heißt eine Reaktion zwischen einem Antigen und Antikörper zugrunde liegt.

Das bedeutet: Nicht jede Überempfindlichkeit ist eine Allergie. Nicht-allergische Überempfindlichkeitsreaktionen (Pseudoallergien, Intoleranzreaktionen) treten ebenfalls relativ häufig auf. Daher müssen bei der Abklärung einer Überempfindlichkeit immer verschiedene Ursachen in Betracht gezogen werden.

Mögliche Ursachen für eine nicht-allergische Überempfindlichkeit sind unter anderem

  • eine unspezifische Reizung des reagierenden Organs,
  • größere Mengen des Botenstoffs Histamin als Auslöser (z.B. bei Histamin-Intoleranz),
  • die (nicht erwünschte) Wirkung von Arzneimitteln oder
  • wenn Stoffwechselvorgänge im Körper beeinflusst oder aktiviert werden.

Wie eine Allergie entsteht

Voraussetzung für das Entstehen einer Allergie ist ein wiederholter Kontakt mit dem Allergen. Der erstmalige Kontakt verläuft in der Regel unbemerkt, weil noch keine Symptome auftreten. Dabei kommt es dann zu einer so genannten Sensibilisierung: der Körper wird sensibel, also empfindlich für ein bestimmtes Allergen. Diese Phase zwischen dem Erstkontakt und dem Auftreten von Symptomen nach erneutem Kontakt kann wenige Tage bis zu mehreren Jahren dauern.

Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen „erinnert“ sich das Immunsystem an das Allergen und kann innerhalb kürzester Zeit alle verfügbaren Abwehrmechanismen aktivieren. Infolgedessen kommt es zu einer allergischen Reaktion, die je nach betroffenem Organ sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Bei „echten“ Allergien unterscheidet man verschiedene Reaktionstypen, die zu unterschiedlichen Erscheinungsformen einer Allergie führen. Die Engländer Coombs und Gell, die im Jahr 1963 eine erste Einteilung vornahmen, unterschieden vier verschiedene Allergieformen: Allergien vom Typ I, II, III und IV (siehe Tabelle). Je nach Typ liegen ihnen unterschiedliche immunologische Reaktionen zugrunde, welche das Krankheitsbild bestimmen.

Allergische Reaktionstypen

Bezeichnung (Typ)

Art bzw. Ablauf der Reaktion

Dauer vom Kontakt zum Auftreten

Erscheinungsform (Beispiele)

Typ I, Soforttyp, Frühtyp

Vermittlung durch IgE-Antikörper; Freisetzung von Botenstoffen (v. a. Histamin)

wenige Sekunden bis Minuten (evtl. 2. Reaktion nach 4 - 6 Stunden)

allergische Rhinitis / Konjunktivitis
allergisches Asthma
Nesselsucht (Urtikaria)
Insektengiftallergie
anaphylaktischer Schock

Typ II, zytotoxischer Typ

Bildung von Komplexen aus Antigenen und Antikörpern; Zerstörung körpereigener Zellen

6 – 12 Stunden

Transfusionsreaktionen
manche Arzneimittel-Reaktionen u. Autoimmunerkrankungen

Typ III, Immunkomplextyp

Bildung von Antigen-Antikörper-Komplexen; Freisetzung Gewebe schädigender Substanzen

6 – 12 Stunden

allergische Gefäßentzündung (Vaskulitis), Serumkrankheit, exogen-allergische Alveolitis (z.B. Farmerlunge)

Typ IV, Spättyp, verzögerter Typ

Vermittlung durch Zellen (T-Lymphozyten)

12 – 72 Stunden

allergisches Kontaktekzem, Arzneimittel-Reaktionen, Abstoßungsreaktionen von Transplantaten

Quelle: modifiziert nach Coombs RRA, Gell PGH: The Classification of allergic reactions underlying disease. In: Clinical aspects of immunology. Gell PGH, Coombs RRA (Hrsg.). Davis, Philadelphia 1963

Mittlerweile sind neben diesen vier Typen von Allergien noch zwei weitere beschrieben worden; sie umfassen seltenere Reaktionen. Die beiden wichtigsten sind die Reaktion vom Soforttyp und vom Spättyp. Die übrigen allergischen Reaktionen treten im Vergleich zu diesen beiden Typen eher selten auf.

Typ I oder Soforttyp-Reaktion

Die allergische Reaktion vom Soforttyp (auch bezeichnet als Typ I, Frühtyp oder anaphylaktischer Typ) tritt innerhalb von wenigen Sekunden bis Minuten ein. Nach vier bis sechs Stunden kann es auch noch eine zweite Reaktion geben. Da bei der Entstehung IgE-Antikörper eine bedeutende Rolle spielen, spricht man auch von Antikörper-vermittelter Sofortreaktion. Darüber hinaus sind verschiedene Botenstoffe, vor allem Histamin beteiligt. Die Soforttypallergien stehen als die klassischen allergischen Erkrankungen heute im Mittelpunkt der Allergieforschung.

Typische Beispiele für eine Sofortreaktion sind der saisonale oder ganzjährige allergische Schnupfen oder allergisches Asthma. Sie werden in der Regel durch Inhalationsallergene, also Stoffe aus der Luft ausgelöst. Am häufigsten handelt es sich um Pollen, Schimmelpilzsporen oder Staubbestandteile, die von Hausstaubmilben oder Haustieren stammen, also meist natürliche Stoffe in unserer Umwelt. Aber auch Allergien gegen Nahrungs- und Arzneimittel können auf einer Soforttyp-Reaktion beruhen. Die schlimmste Form ist der lebensbedrohliche anaphylaktische Schock.

Typ II oder zytotoxische Reaktion

Diese Art von Reaktion ist eher selten. Sie entsteht durch Antikörper, die gegen Antigene an der Oberfläche von Zellen gerichtet sind. Dabei bilden sich so genannte Immunkomplexe aus Antigenen und Antikörpern, die letztlich zur Zerstörung der Zellen führen.

Beispiele sind die sogenannten allergische Agranulozytose, eine zumeist sehr schwer verlaufende Immunerkrankung oder bestimmte Formen von hämolytischer Anämie durch Arzneimittel oder bei Transfusionszwischenfällen.

Typ III oder Immunkomplexreaktion

Hier bilden sich ebenfalls Antigen-Antikörper-Komplexe, deshalb auch die Bezeichnung Immunkomplex-vermittelte allergische Reaktion. Über mehrere Zwischenschritte führt dies schließlich zur Freisetzung von Gewebe- und Zell-schädigenden (zytotoxischen) Substanzen. Zu den allergischen Typ-III-Reaktionen zählen beispielsweise das Krankheitsbild der exogen-allergischen Alveolitis, einer Lungenerkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen einhergeht, oder die allergische Vaskulitis, eine allergisch bedingte Entzündung der Blutgefäße.

Typ IV oder Spättyp-Reaktion

Die allergische Reaktion vom Spättyp (verzögerter Typ, Typ IV) tritt erst nach einer Reaktionszeit von 12 bis 72 Stunden auf. Bei ihrer Entstehung spielen T-Lymphozyten eine bedeutende Rolle. Deshalb spricht man oft auch von (T-)Zell-vermittelter Reaktion.

Eine typische Spätreaktion ist die Kontaktallergie. Dabei kommt es nach direktem Hautkontakt mit einem auslösenden Stoff zu entzündlichen Hautveränderungen, die auch als Kontaktekzem oder Kontaktdermatitis bezeichnet werden und mit Rötung, Blasen- oder Schuppenbildung der Haut einhergehen. Diese Hauterkrankung wird nicht selten durch Stoffe am Arbeitsplatz verursacht und spielt deshalb in der Arbeitsmedizin eine bedeutende Rolle. Weiteres Beispiel sind Hautausschläge nach Einnahme von Medikamenten (Arzneimittel-Exanthem).

Quellen

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

  • Arshad, H.S. et al.: The effect of parental allergy on childhood allergic diseases depends on the sex of the child. In: Journal of Allergy & Clinical Immunology, 2012, 130(2): 427-434
  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. Springer, Berlin/Heidelberg, 2. Aufl., ISBN: 9783642372025
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Darsow, U., Raap, U. (Hrsg.): Allergologie kompakt. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen, 2016
  • Frei, T.: Globale Klimaerwärmung und deren Auswirkungen auf die Gesundheit. In: Allergologie, Nr. 8/2017, S. 320-326
  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Spezialbericht Allergien, Teil 6 Präventionsstrategien, 2000. (Letzter Abruf: 04.01.2024)
  • Höflich, C.: Klimawandel und Pollen-assoziierte Allergien der Atemwege. In: UMID – Umwelt und Mensch – Informationsdienst Ausgabe 1 (März) 2014.
  • Riiser, A.: The human microbiome, asthma, and allergy. In: Allergy, Asthma & Clinical Immunology, 2015, 11: 35

Letzte Aktualisierung: 15. November 2018