Helmholtz Munich Logo
Gewitter im Sommer auf einem Feld

Gewitterasthma: Wie Blitze die Allergenbelastung erhöhen

Gewitter im Anflug? Für Allergiker kann das mehr bedeuten als nur nasse Kleidung: Bei Personen mit Pollenallergie kann das sogenannte Gewitterasthma auftreten. Eine aktuelle Studie deutet nun darauf hin, dass elektrische Felder und Blitzentladungen Gräserpollen aufbrechen und die Freisetzung winziger allergenhaltiger Partikel fördern.

Dass Gewitter Asthma auslösen können, ist bereits bekannt. Fachleute bringen es vor allem mit den Pollen von Weidelgras (Ryegrass) in Verbindung. Eine neue Studie liefert nun eine mögliche Erklärung dafür, warum sich die Beschwerden bei Gewittern oft so plötzlich verschlimmern.


Winzige Pollenpartikel mit großer Wirkung

Auch der Prozess, dass Wind und Regen während eines Unwetters Pollenkörner mechanisch aufbrechen können, ist nicht neu. Fachleute wissen, dass bei diesem Prozess extrem kleine sogenannte Subpollen-Partikel entstehen, die zwar mikroskopisch klein sind, aber dennoch Allergene tragen. Genau diese Größe macht sie so problematisch: Anders als ganze Pollenkörner können sie bis tief in die Bronchien vordringen und dort bei empfindlichen Personen heftige Reaktionen auslösen.

Bisher noch nicht erforscht war, ob neben mechanischen auch elektrische Kräfte in Gewitterwolken an diesem Zerfallsprozess beteiligt sind – und genau diese Wissenslücke hat ein australisches Forschungsteam nun genauer unter die Lupe genommen.

Gewitterbedingungen im Labor

Im Labor setzten die Forschenden Pollen des Weidelgrases künstlich erzeugten elektrischen Feldern aus, wie sie auch in echten Gewitterwolken vorkommen. Parallel dazu variierten sie die Luftfeuchtigkeit und simulierten zusätzlich blitzartige Entladungen.

Das Ergebnis: Unter elektrischer Spannung zerfielen die Pollenkörner zunehmend. Je stärker das Feld und je feuchter die Luft, desto ausgeprägter war der Zerfall – die Partikel brachen auseinander und verteilten sich in der Umgebung. Simulierte Blitze verstärken den Effekt deutlich

Am stärksten war die Wirkung dort, wo blitzähnliche Entladungen zum Einsatz kamen. Hier zerbrachen die Pollen besonders stark und setzten eine große Zahl unregelmäßig geformter Bruchstücke frei. Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop machten diese Schäden und die entstandenen Fragmente sichtbar.

Die Forschenden werten dies als ersten Beleg dafür, dass nicht nur mechanische Einflüsse, sondern auch statische elektrische Felder sowie Entladungen in Gewitterwolken zur Entstehung allergener Subpollen-Partikel beitragen können.

Warum das für Betroffene wichtig ist

Bislang galten vor allem Regen, Wind und Luftfeuchtigkeit als Auslöser für Gewitterasthma. Die aktuelle Studie zeigt, dass zusätzlich auch elektrische Vorgänge in der Gewitterwolke eine Rolle spielen dürften – ein bislang wenig beachteter Faktor.

Da schwere Gewitter durch den Klimawandel in manchen Regionen künftig häufiger oder heftiger ausfallen könnten, gewinnt dieses Wissen an Bedeutung. Je besser die Mechanismen hinter Gewitterasthma verstanden werden, desto gezielter lassen sich Risiken künftig einschätzen – und Menschen mit Asthma oder Heuschnupfen entsprechend schützen.

👉 Hier erfahren Sie mehr über Gewitterasthma – und welche schützenden Maßnahmen man im Vorfeld ergreifen kann: Schwerpunkt Gewitterasthma

 

Quelle: S. Venkatesan et al.: Impact of atmospheric electrical charges on ryegrass pollen rupture and sub-pollen particle releaseIn: Scientific Reports 2026.

Entdecke ergänzende Themen

3d rendered medically accurate illustration of the bronchi

Allergisches Asthma

Allergisches Asthma ist eine Form von Asthma bronchiale. Ursache sind meist luftgetragene Allergene.

Mehr erfahren

Heuschnupfen - Frau putzt sich die Nase - im Hintergrund Birken

Heuschnupfen

Heuschnupfen ist die häufigste allergische Erkrankung? Wie wird er festgestellt und was hilft?

Mehr erfahren

News aus der Allergieforschung

Jetzt unseren Newsletter abonnieren!