Wie wird eine Insektengiftallergie diagnostiziert?

In Kürze:

Manchmal ist es schwierig herauszufinden, welches Insektengift die Anaphylaxie hervorgerufen hat. Für eine erfolgreiche Behandlung sollte alles unternommen werden, um eine genaue Diagnose zu erhalten.

Anamnese

Am Beginn der Diagnose steht immer das ausführliche Erstgespräch (Anamnese) mit der Ärztin oder dem Arzt. Dabei wird sie oder er folgende Fragen stellen:

  • In welchen Körperteil hat das Insekt gestochen?
  • Wann traten die ersten Reaktionen auf und wie sahen sie aus?
  • Wie lange dauerte es, bis weitere Reaktionen auftraten?
  • Welche waren das?
  • Welches Insekt hat zugestochen (bei Bienen bleibt der Stachel in der Wunde)?
  • Wenn das nicht mehr feststellbar ist, kann die Ärztin ersatzweise fragen, ob der Stich in der Nähe von Blüten, Bienenstöcken oder Klee passiert ist oder in der Nähe von Nahrungsmitteln. Im ersten Fall hat wahrscheinlich eine Biene zugestochen, im zweiten Fall eher eine Wespe.
  • Gab es schon früher Stiche mit oder ohne allergischen Reaktionen oder gar Anaphylaxien?
  • Bestehen andere Allergien (Heuschnupfen etc.)?
  • Sind Allergien bei einem oder beiden Elternteilen bekannt?

Nach dem Gespräch wird der Arzt oder die Ärztin sich die Haut ansehen wollen, um festzustellen, ob eventuell eine bisher nicht erkannte Mastozytose vorliegt. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Krankheitsbildern, bei denen im Körper zu viele Mastzellen vorhanden sind.

Allergietests

© littlebell/fotolia
Untersuchung im Labor. © littlebell/fotolia

Nach einer ausschließlich lokalen Stichreaktion sind im Allgemeinen keine allergologischen Tests nötig. Dagegen ist auch es schon nach leichten systemischen Reaktionen notwendig, einen Allergietest durchzuführen. Dieses geschieht etwa vier Wochen nach dem Stich, da durch die allergische Reaktion IgE-Antikörper verbraucht werden und deswegen unmittelbar nach dem Stich eventuell nicht mehr nachweisbar sind. Für die Zwischenzeit wird die Ärztin ein Notfallset verordnen, damit man bei weiteren Stichen selbst schnell Gegenmaßnahmen ergreifen kann.

Als erstes wird der Arzt/die Ärztin einen Pricktest durchführen. Dabei träufelt er/sie Testlösungen der infrage kommenden Allergene auf die Innenseite des Unterarms und sticht mit einer Nadel leicht in die Haut. Reagiert der/die Betroffene auf ein Allergen, so rötet sich an der Stelle etwa 5 bis 60 Minuten später die Haut, es kommt zu Juckreiz und einer lokal begrenzten Schwellung. Es wird empfohlen, dass die Betroffenen nach Ende des Tests noch mindestens 30 Minuten lang unter Aufsicht in der Praxis oder Klinik verbleiben.

Bringt der Pricktest kein oder kein eindeutiges Ergebnis, schließt sich ein Intrakutantest an. Dabei wird eine das mögliche Allergen direkt in die Haut gespritzt. Der Test ist im Einzelfall empfindlicher und damit genauer als der Pricktest. Die erwarteten allergischen Reaktionen sind auch hier Rötung, Juckreiz und Ausschlag. Der Intrakutantest kann auch anstelle eines Pricktests durchgeführt werden und sollte besonders dann erfolgen, wenn der Pricktest negativ ausgefallen ist. Lediglich bei Kindern im Vorschulalter kann der Arzt/die Ärztin darauf verzichten.

In der Regel wird spätestens der Intrakutantest in einem spezialisierten Zentrum stattfinden. Besteht ein Risiko schwerer Allgemeinreaktionen, wird der/die Betroffene dazu stationär aufgenommen. Dann erfolgt der Intrakutantest mit im Abstand von 15 Minuten gesteigerten Insektengift-Konzentrationen unter Notfallbedingungen und mit einem intravenösen Zugang Zusätzlich werden Bluttests veranlasst, mit denen die Gesamtkonzentration von IgE-Antikörpern und die Menge der auf Insektengiftallergene spezialisierten IgE-Antikörper festgestellt werden können. Diese Tests werden ergänzend durchgeführt, wenn das Ergebnis des Hauttests nicht eindeutig ist. Um kleinere Kinder zu schonen, erfolgt gerne sofort ein Bluttest.

Ist auch nach diesen Tests noch keine klare Diagnose gestellt, so empfiehlt die Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften, die Hauttests mit einer anderen Testzubereitung zu wiederholen.

Bei Menschen mit einer Anaphylaxie, die noch keine spezifische Immuntherapie durchlaufen haben, sind diagnostische Provokationstests, das heißt Probestiche durch lebende Insekten, nicht zu empfehlen. Hier besteht ein großes Risiko für schwere, mitunter lebensbedrohliche Reaktionen.

Letzte Aktualisierung: 17. März 2017 / Quellen
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Quellen:
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al.: Diagnose und Therapie der Bienen und Wespengiftallergie. Stand: 01.03.2011. Wird zur Zeit überprüft (Letzter Abruf: 11.03.2017)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al.: Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. In Allergo J Int 2014, 23: 96. (Letzter Abruf: 18.01.2017)
  • European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF): Insektengiftallergie (Letzter Abruf: 18.01.2017)
  • Präventions- und Informationsnetzwerk Allergie und Asthma e.V., (Hrsg.): Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen – das pina-online Buch, Kap. 9 Insektengiftallergien (Letzter Abruf 18.01.2017)
  • Hoffman D. et al.: Allergens in Hymenoptera venom. XXVII: bumblebee venom allergy and allergens. In: J Allergy Clin Immunol. 1996, 97(3): 812-21.
  •  J. Park, et al.: Risk Associated with Bee Venom Therapy: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: PLoS 1 2015, 10 (5)
  • Valentine M. et al.: The value of immunotherapy with venom in children with allergy to insect stings. In: N Engl J Med 1990, 323: 1601 - 16033
  • Worm, M. et al.: Triggers and treatment of anaphylaxis: an analysis of 4000 cases from Germany, Austria and Switzerland. In: Dtsch Arztebl Int 2014, 111: 367–75. 
  • Schwartz H. et al.: Venom immunotherapy in the Hymenoptera-allergic pregnant patient.
  • In: J Allergy Clin Immunol 1990, 85: 709–12
  • Erasmus C. et al.: Infantile multicystic encephalomalacia after maternal bee sting anaphylaxis during pregnancy. In: Arch Dis Child 1982, 57: 785 -787
  • Golden D. et al.: Outcomes of allergy to insect stings in children, with and without venom immunotherapy. In: N Engl J Med 2004, 351: 668–674
Letzte Aktualisierung:
17. März 2017
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