Wie wird eine Insektengiftallergie diagnostiziert?

In Kürze:

Manchmal ist es schwierig herauszufinden, welches Insektengift die Anaphylaxie hervorgerufen hat. Für eine erfolgreiche Behandlung sollte alles unternommen werden, um eine genaue Diagnose zu erhalten.

Schon die Unterscheidung zwischen Biene und Wespe ist für die meisten Menschen nicht einfach. Hinzu kommt, dass aufgrund des Klimawandels neben den deutschen Wespen (Vespula spp) auch die aus Südeuropa kommende Feldwespe (Polistes spp) in mitteleuropäischen Breiten heimisch wird. Die Zusammensetzung der Allergene ist zwischen beiden Wespenarten unterschiedlich. Dies ist für die Diagnose und Therapie von Bedeutung, weil eine versehentliche Behandlung mit zwei Giftextrakten oder mit dem falschen Extrakt neue Sensibilisierungen nach sich ziehen kann.

Biene
Biene auf Blüte
Wespe
Wespe auf Haut

Anamnese

Am Beginn der Diagnose steht immer das ausführliche Erstgespräch (Anamnese) mit der Ärztin oder dem Arzt. Dabei wird sie oder er folgende Fragen stellen:

  • In welchen Körperteil hat das Insekt gestochen?
  • Wann traten die ersten Reaktionen auf und wie sahen sie aus?
  • Wie lange dauerte es, bis weitere Reaktionen auftraten?
  • Welche waren das?
  • Welches Insekt hat zugestochen (bei Bienen bleibt der Stachel in der Wunde)?
  • Wenn das nicht mehr feststellbar ist, kann die Ärztin ersatzweise fragen, ob der Stich in der Nähe von Blüten, Bienenstöcken oder Klee passiert ist oder in der Nähe von Nahrungsmitteln. Im ersten Fall hat wahrscheinlich eine Biene zugestochen, im zweiten Fall eher eine Wespe.
  • Gab es schon früher Stiche mit oder ohne allergischen Reaktionen oder gar Anaphylaxien?
  • Bestehen andere Allergien (Heuschnupfen etc.)?
  • Sind Allergien bei einem oder beiden Elternteilen bekannt?

Nach dem Gespräch wird der Arzt oder die Ärztin sich die Haut ansehen wollen, um festzustellen, ob eventuell eine bisher nicht erkannte Mastozytose vorliegt. Denn diese Krankheit erhöht die Gefahr schwerer allergischer Reaktionen.
 

Allergietests

© littlebell/fotolia
Untersuchung im Labor. © littlebell/fotolia

Nach einer ausschließlich lokalen Stichreaktion sind im Allgemeinen keine weiteren Untersuchungen nötig. Dagegen ist auch es schon nach leichten systemischen Reaktionen notwendig, Allergietests durchzuführen. Dieses geschieht etwa vier Wochen nach dem Stich, da durch die allergische Reaktion IgE-Antikörper verbraucht werden und deswegen unmittelbar nach dem Stich eventuell nicht mehr nachweisbar sind. Für die Zwischenzeit wird die Ärztin ein Notfallset verordnen, damit man bei weiteren Stichen selbst schnell Gegenmaßnahmen ergreifen kann.

Der Arzt oder die Ärztin wird möglicherweise zunächst einen Pricktest durchführen. Dabei träufelt er/sie Testlösungen der infrage kommenden Allergene auf die Innenseite des Unterarms und sticht mit einer Nadel leicht in die Haut. Reagieren Betroffene auf ein Allergen, so rötet sich an der Stelle etwa 5 bis 60 Minuten später die Haut, es kommt zu Juckreiz und einer lokal begrenzten Schwellung. Es wird empfohlen, dass die Betroffenen nach Ende des Tests noch mindestens 30 Minuten lang unter Aufsicht in der Praxis oder Klinik verbleiben.

Entscheidend ist der Intrakutantest. Er ist genauer und wird häufig ohne vorherigen Pricktest durchgeführt. Dabei wird eine das mögliche Allergen direkt in die Haut gespritzt. Die erwarteten allergischen Reaktionen sind auch hier Rötung, Juckreiz und Ausschlag. Der Intrakutantest sollte besonders dann erfolgen, wenn der Pricktest negativ ausgefallen ist. Lediglich bei Kindern im Vorschulalter kann der Arzt/die Ärztin darauf verzichten.

Besteht ein Risiko schwerer Allgemeinreaktionen, werden die Betroffenen stationär aufgenommen. Dann erfolgt der Intrakutantest mit im Abstand von 15 Minuten gesteigerten Insektengift-Konzentrationen unter Notfallbedingungen und mit einem intravenösen Zugang. Zusätzlich werden Bluttests veranlasst, mit denen die Gesamtkonzentration von IgE-Antikörpern und die Menge der auf Insektengiftallergene spezialisierten IgE-Antikörper festgestellt werden können. Diese Tests werden ergänzend durchgeführt, wenn das Ergebnis des Hauttests nicht eindeutig ist. Um kleinere Kinder zu schonen, erfolgt gerne sofort ein Bluttest.

Ist auch nach diesen Tests noch keine klare Diagnose gestellt, so empfiehlt die Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften, die Hauttests mit einer anderen Testzubereitung zu wiederholen. Seit einiger Zeit sind auch Untersuchungen für komponentenbasierte Diagnostik kommerziell erhältlich. Damit kann festgestellt werden, auf welche Majorallergene des Bienen- oder Wespengifts ein Betroffener reagiert. Dies ist auch nützlich bei Menschen mit Mastozytose und Insektengiftallergie. Bei einigen von ihnen ist die Sensibilisierung in herkömmlichen Haut- und Labortests nicht nachweisbar; sie reagieren falsch-negativ.

In manchen Fällen wird mittels komponentenbasierter Diagnostik zwar eine Kreuzallergie ausgeschlossen, die Betroffenen zeigen im Bluttest aber dennoch eine Sensibilisierung auf Bienen- und Wespengift. Das liegt in den meisten Fällen an einem anderen Baustein, den viele Allergene gemeinsam haben. Es handelt sich um Kohlehydratketten (Cross-reactive Carbohydrate Determinants, CCD´s). Diese haben nach heutigem Wissensstand keine klinische Relevanz, das heißt sie verursachen keine Symptome. Sie können aber die Diagnosegenauigkeit verschlechtern. Ein Bluttest nur auf CCD´s, der diese Unklarheit beseitigt, ist erst seit kurzer Zeit erhältlich.

Bei Menschen mit einer Anaphylaxie, die noch keine spezifische  Immuntherapie durchlaufen haben, sind diagnostische Provokationstests, das heißt Probestiche durch lebende Insekten, routinemäßig nicht zu empfehlen. Hier besteht ein großes Risiko für schwere, mitunter lebensbedrohliche Reaktionen.

Unser wissenschaftlicher Experte für diesen Text

Prof. Dr. Thomas Fuchs

Ärzteverband Deutscher Allergologen

c/o Universitätsmedizin Göttingen,
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

E-Mail: fuchsthnoSp@m@med.uni-goettingen.de

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

Letzte Aktualisierung:

24.04.2019

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