Wie kann man Kontaktallergien vorbeugen?

Behandeln lassen sich nur die Symptome der Kontaktdermatitis. Eine ursächliche Therapie, also beispielsweise eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) gibt es bis heute für keine der zahlreichen Kontaktallergien. Um das Risiko eines Rückfalls zu vermeiden, gilt es, möglichst den Kontakt mit dem Allergen zu verhindern. Bei der Vielzahl von Produkten, die Kontaktallergene enthalten können, ist das schwierig. Es bleiben zwei Wege:

  • eine Kennzeichnung der Konsumartikel,
  • die rechtliche Festlegung von Grenzwerten.

Kontaktallergie bei Nickel

© chones/fotolia
Verschiedene Piercings - Kontaktallergie gegen Nickel

Beide Lösungswege stoßen auf Schwierigkeiten. Ein Beispiel ist Nickel, das am häufigsten zu Sensibilisierungen führende Kontaktallergen. Im Jahr 2007 legte die europäische REACH-Verordnung (REACH = Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) fest, dass nickelhaltige Piercings nicht mehr als 0,2 Nanogramm (= Milliardstel Gramm) Nickel pro Quadratzentimeter freisetzen dürfen.

Bei Schmuck und anderen Gegenständen, die die Haut nicht durchstoßen, liegt die Grenze bei 0,5 Nanogramm pro Quadratzentimeter und Woche. Waren, die diesen Grenzwerten nicht entsprechen, dürfen innerhalb der EU nicht verkauft werden.

In den letzten Jahren stieg vor allem bei Piercings die Zahl der Artikel, die bei Kontrollen in Deutschland diesen Vorgaben nicht entsprachen, von 14 Prozent im Jahr 2008 auf 17,4 Prozent im Jahr 2014. Bei Schmuckteilen und Verschlüssen hingegen halbierte sich der Anteil der Waren, die den Grenzwert überschritten von 10 Prozent im Jahr 2009 auf 4,9 Prozent im Jahr 2014.

Kennzeichnungspflicht für Duftstoffe, die Allergien auslösen

Duftstoffe sind nach Nickel der häufigste Auslöser für Kontaktallergien. Sie werden in Innenräumen versprüht und vielen Kosmetika zugesetzt. Für Kosmetika gilt eine Kennzeichnungspflicht, die so genannte INCI-Liste. Seit 2003 müssen auch die 26 Duftstoffe, die am häufigsten Kontaktallergien erzeugen, nach dieser Liste gekennzeichnet werden.

INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, zu deutsch: Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe. Die dort aufgelisteten Substanzen müssen alle in der Produktinformation der Kosmetik-Artikel angegeben werden, in denen sie enthalten sind. Jetzt wird es für die Verbraucher kompliziert: Um zu überprüfen, ob ein Stoff, gegen den sie allergisch reagieren, in einem Produkt enthalten ist, müssen sie erst einmal den INCI-Namen dieses Stoffes kennen. Und sie sollten die englischen Begriffe kennen. Denn die Liste gibt es – selbst auf den deutschen Seiten der EU-Kommission – nur auf Englisch.

Lässt sich ein identifiziertes Allergen nicht vermeiden oder gegen einen anderen Stoff austauschen, so gibt es zahlreiche Möglichkeiten, durch Hautschutzmaßnahmen die Gefahr eines allergischen Kontaktekzems zu verringern. Beruflich Betroffene sollten sich frühzeitig vom Betriebsarzt oder der Betriebsärztin beraten lassen.

Letzte Aktualisierung: 11.3.2017 / Quellen
Schließen
Quellen:
  • Brasch, J. et al.: S1-Leitlinie Kontaktekzem. In: Allergo J Int 2014; 23: 126
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Durchführung des Epikutantests mit Kontakt-Allergenen. Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) (Dokument wird zurzeit überprüft)
  • Schnuch, A. et al.: „Untersuchungen zur Verbreitung umweltbedingter Kontaktallergien mit Schwerpunkt im privaten Bereich.“ Studie im Auftrag des Umweltbundesamts, 2004
  • Kinderumwelt gGmbH: Informationsdienst allum (letzter Abruf 22.02.2017)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Informationsdienst gesundheitsinformationen.de https://www.gesundheitsinformation.de/was-passiert-bei-einer-hautuntersuchung.2427.de.html  (letzter Abruf 22.02.2017)
  • Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPAU): Elternratgeber Kontaktallergien http://www.gpau.de/fileadmin/user_upload/GPA/dateien_indiziert/Elternratgeber/er3_07.pdf
  • Höger, P.: „Allergisches Kontaktekzem im Kindesalter“. In: Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis, Heft 3/01, S. 6-13
  • Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB) http://www.daab.de/haut/kontakt-allergie/
  • Jacob, S., Admani, S.: „iPad Increasing Nickel Exposure in Children“, In: Pediatrics 2014; Ausgabe 134, S. e580 – e582
  • Schmidt, M. et al.: Crucial role for human Toll-like receptor 4 in the development of contact allergy to nickel. In: Nature Immunology 2010, Nr. 11: 814–819
  • Peiser, M. et al.: „Allergic contact dermatitis: epidemiology, molecular mechanisms, in vitro methods and regulatory aspects“. In: Cell. Mol. Life Sci. (2012) Band 69: 763–781
  • Schnuch, A. et al.: Untersuchungen zur Verbreitung umweltbedingter Kontaktallergien mit Schwerpunkt im privaten Bereich. Studie im Auftrag des Umweltbundesamts,  2004, S. 2
  • Schlaud, M. et al.: „Allergische Erkrankungen. Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)“, In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Mai/Juni 2007
  • Uter, W. et al.: The Spectrum of Contact Allergy in Elderly Patients with and without Lower Leg Dermatitis. In: Dermatology 2002; Heft 204: 266-272
  • Corrazza, M. et al.: „Irritant and sensitizing potential of eight surfactants commonly used in skin cleansers: an evaluation of 105 patients“. In: Dermatitis, Sept./Okt. 2010: 262-268
  • Wollina, U.: „The role of topical calcineurin inhibitors for skin diseases other than atopic dermatitis“, In: Am J Clin Dermatol. 2007,8(3): 157-173
  • Skudlik, C., John S.: Berufsbedingte allergische Kontaktekzeme - was Betriebsärzte wissen sollten, in: ASU Arbeitsmed. Sozialmed. Umweltmed. 2014, 49: 247-252
  • EU-Kommission: International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, https://ec.europa.eu/growth/sectors/cosmetics/cosing_de (letzter Abruf 22.02.2017)
Letzte Aktualisierung:
11.3.2017
Kostenfrei: Monatliche Nachrichten aus der Forschung
Veranstaltungskalender

Hier finden Sie aktuelle Termine zu Vorträgen, Seminaren und anderen Patientenveranstaltungen rund um das Thema Allergien

Fachbegriffe A - Z

Von A wie Anamnese bis Z wie Zytokine - Das Allergielexikon zum Nachlesen

Facebook-Icon
Twitter-Icon

Folgen Sie uns

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Christoph Skudlik

Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie in der
Dt. Dermatolog. Gesellschaft

c/o Klinikum der Universität Osnabrück, Institut für Interdisziplinäre
Dermatologische Prävention und Rehabilitation

E-Mail: Christoph.Skudlik noSp@m@uos.de

Service-Tipp

Haut & Job eine kostenlose App des Instituts für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück