Skip to main content

Alte Apfelsorten teils besser verträglich

Die Apfelernte beginnt wieder. Menschen mit Birkenpollen-Apfel-Kreuzallergie sollten dabei eines beachten: Einige alte Apfelsorten sind eher verträglich als moderne. Dies bestätigt eine aktuelle Studie im Fachmagazin ‚Allergy, Asthma & Immunology Research‘.

Die Graue Französische Reinette war in einer aktuellen Allergiestudie dem Golden Delicious eindeutig überlegen. Im Supermarkt allerdings werden alte Sorten wie diese immer weiter von modernen Standardsorten verdrängt. Eine schlechte Entwicklung für Menschen mit Birkenpollenallergie.

Verschiedene Pflanzen enthalten Eiweißstoffe, die einander ähneln. In Äpfeln etwa ähnelt das „Mal d 1“ dem Hauptallergen in Birkenpollen. Deshalb reagiert das Immunsystem einiger Birkenpollen-Allergiker auch nach dem Verzehr von Äpfeln. Diese Reaktion wird als Kreuzallergie bezeichnet. Zu den Folgen gehören unter anderem ein Jucken oder Brennen im Mund, gelegentlich auch Magen-Darm-Beschwerden. Je mehr Mal d 1 ein Apfel enthält, desto wahrscheinlicher verursacht sein Verzehr kreuzallergische Beschwerden.


Der Mal d 1 Gehalt schwankt je nach Apfelsorte. Eine aktuelle, allerdings kleine Studie mit 45 Birkenpollenallergikern untersuchte, wie viele Menschen bei einem Hauttest (Pricktest) auf eine alte Sorte (Graue Französische Reinette) und eine moderne Sorte (Golden Delicious) reagieren. Besonders hoch war die Reaktionsrate gegen Golden Delicious, hier war der Hauttest bei 39 Personen positiv; bei der Reinette nur bei 25 Personen.

Verträglichkeits-Meldungen von Allergikern

Die Ortsgruppe Lemgo des  Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) begann bereits 2007 damit, Apfel-Erfahrungsberichte von Personen mit Kreuzallergie zu sammeln. Daraus entstand eine Liste, die zeigt, auf welche Sorten besonders viele Personen erfahrungsgemäß allergisch reagieren – darunter beinahe alle Sorten, die die meisten Supermärkte üblicherweise führen. Alte, eventuell besser verträgliche Sorten findet man auf regionalen Märkten, in Bio- oder Hofläden, sie werden oft  auf Streuobstwiesen angebaut. Das Selbstverkosten empfiehlt sich aber nur für Menschen mit sehr milden Beschwerden.


Hochgradig sensibilisierte Allergiker sollten nur mit Zustimmung und Betreuung ihres Facharztes oder ihrer Fachärztin  Apfelsorten probieren, da bei Selbsttests starke allergische Symptome bis hin zur Anaphylaxie auftreten können. Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass man eine bestimmte Sorte generell verträgt. Eine Studie der Universität Bonn 2009 zeigte, dass die Menge an Mal d 1 auch innerhalb einer Sorte schwankt, je nach Anbaugebiet und Lagerung.


Wer rohe Äpfel egal welcher Sorte nicht verträgt, kann sie meist immerhin in gekochter oder gebackener Form essen, da das kritische Eiweiß dabei seine Form verliert. Ein Apfelkuchen ist also normalerweise kein Problem.

 

Quellen:
Matthes, A. & Schmitz-Eiberger M.: Apple (Malus domestica L. Borkh.) Allergen Mal d 1: Effect of Cultivar, Cultivation System, and Storage Conditions. In J. Agric. Food Chem. 2009; 57, 22, 10548-10553
Wagner A. et al.: The Incidence of Delayed-Type Hypersensitivity Reactions to Apples Among Patients Allergic to Birch Pollen. Allergy, Asthma & Immunology Research. 2018;10(4):420-424. 

Weiterführende Informationen:
Allergieinformationsdienst: Factsheet „Kreuzallergie“
Stiftung Warentest: www.test.de/Kreuzallergie-Wenn-Erdbeeren-Aepfel-und-Tomaten-zu-Juckreiz-fuehren-5370167-0/
Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland: http://bund-lemgo.de/download/2017_10_Apfelallergie_Sortenliste_allgemein_int.pdf
www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html
Pomologen-Verein: www.pomologen-verein.de/alte-obstsorten.html