15. Februar 2019
Forschung

Nebenwirkung von Cortison entschlüsselt

Bei Menschen, die langfristig entzündungshemmende Steroide einnehmen, können Nebenwirkungen im Stoffwechsel auftreten. Münchner Forschende konnten nun einen Mechanismus aufklären, der zum sogenannten Steroid-Diabetes führt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin ‚Nature Communications‘ veröffentlicht.

Mehrere Tabletten, von denen eine orange markiert ist

© nikesidoroff - Fotolia.com

Glukokortikoide gehören zu den Steroiden und werden umgangssprachlich oft Cortison genannt. Sie werden seit vielen Jahrzehnten für die Behandlung von Entzündungskrankheiten wie Asthma oder Rheuma sowie bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Schätzungen zufolge werden in Europa und Nordamerika zwischen ein und drei Prozent der Menschen damit behandelt.

Allerdings können die Wirkstoffe zahlreiche Nebenwirkungen verursachen, vor allem, wenn sie als Tablette eingenommen werden (systemisch). Dazu gehören unter anderem unerwünschte Einflüsse auf den Zuckerstoffwechsel. Diese treten normalerweise nur auf, wenn Cortison als Tablette eingenommen wird, sodass es auf den gesamten Körper wirkt. Als Creme bei Neurodermitis, als Nasenspray bei Heuschnupfen oder als Spray bei Asthma ruft es meist nur lokale, wesentlich mildere Nebenwirkungen hervor.

 

Mechanismus verändert Gen-Aktivität

In der aktuellen Studie suchte das Forschungsteam aus München nach den genauen Mechanismen, die nach der Bindung der Steroide an die Rezeptoren im Körper ablaufen. Dabei fiel ein Stoff namens E47 auf. Dies ist ein Transkriptionsfaktor, das heißt, dass er mitbestimmt, ob ein bestimmtes Gen aktiv ist. Gemeinsam mit dem Glukokortikoid-Rezeptor beeinflusst er scheinbar die Genaktivität  in Leberzellen. Um ihre Erkenntnisse zu erhärten, untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Zusammenhänge auch in einem präklinischen Modell. Tatsächlich führte hier das Fehlen von E47 zu einem Schutz vor den negativen Effekten der Glukokortikoide.

Da die Komponenten des neu gefundenen Mechanismus auch beim Menschen existieren, möchten die Forschenden gemeinsam mit Kooperationspartnern künftig herausfinden, ob sich dieser Zusammenhang auch bei Testpersonen zeigt. Die Wissenschaftler hoffen, dass man die Nebenwirkungen eines Tages unterbinden kann, wenn man sie genauer versteht.

 

Quellen:

Hemmer, M.C. et al.: E47 modulates hepatic glucocorticoid action. In: Nature Communications (2019, online). DOI: 10.1038/s41467-018-08196-5

Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München: Helmholtz-Wissenschaftler klären Ursache für Nebenwirkungen bei Kortison-Präparaten.

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.