28. Mai 2019
Arzneimittelallergie

Nicht nur Wirkstoffe können Allergien verursachen

Keine Arzneimittelallergie und doch allergisch auf Medikamente: Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Tabletten und Kapseln neben den eigentlichen Wirkstoffen oftmals Bestandteile enthalten, die allergische Reaktionen hervorrufen können.

© I-Viewfinder/fotolia.de

Inaktive Arzneimittelkomponenten tragen nicht direkt zur Behandlung der Erkrankung bei, gegen die das Medikament verschrieben wurde. Stattdessen dienen diese Hilfsstoffe dazu, dem Mittel bestimmte Eigenschaften zu verleihen – zum Beispiel die Wirkstoffaufnahme in den Körper zu beschleunigen oder zu verzögern, die Haltbarkeit zu verbessern oder Aussehen und Geschmack zu verändern.

Durchschnittliche Tablette enthält viel inaktiven Ballast

Ein Forschungsteam hat analysiert, welche kritischen Inhaltsstoffe gängige Arzneimittel enthalten. Dazu werteten sie eine Datenbank mit über 42.000 Rezepturen für Tabletten und Kapseln aus. Insgesamt fanden sie mehr als 350.000 verwendete Hilfsstoffe.

Sie ermittelten, dass eine durchschnittliche Tablette oder Kapsel zu mehr als 70 Prozent aus Hilfsstoffen besteht. Viele Menschen müssen nicht nur eines, sondern mehrere Medikamente einnehmen. So kann eine relativ große Menge an möglicherweise unverträglichen Inhaltsstoffen zusammenkommen.

In der aktuellen Untersuchung wurden 38 Arzneimittelbestandteile gefunden, die durch ihr eigenes Allergiepotenzial oder Verunreinigungen allergische Symptome hervorriefen. Fast alle Arzneimittel enthielten mindestens eines dieser Allergene – nur zwölf Prozent kommen ohne Inhaltsstoffe mit Allergie-Potenzial aus. Gerade einmal für etwa jeden vierten analysierten Wirkstoff gab es Präparate, die frei von Hilfsstoffen waren, die  möglicherweise eine Allergie auslösen.

Nicht nur bei Allergien ungünstig

Immer häufiger werden unerwünschte Nebenwirkungen wie IgE-vermittelte Allergien, aber auch andere Unverträglichkeitsreaktionen durch diese inaktiven Substanzen gemeldet. Allergie-Symptome wie Urtikaria (Nesselsucht), Schwellungen der Haut und Schleimhäute, Atembeschwerden bis hin zur Anaphylaxie sind eher selten.

Andere Unverträglichkeiten betreffen dagegen einen größeren Teil der Bevölkerung. Dazu zählen zum Beispiel die mangelhafte Aufnahme (Malabsorption) der Hilfsstoffe, was zu Beschwerden des Magen-Darm-Trakts führen kann – etwa bei einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit).

Auch Menschen mit einem Reizdarmsyndrom können empfindlich auf Arzneimittel reagieren, die fermentierbare Einfach-, Zweifach- oder Mehrfachzucker sowie Polyole (FODMAPs) enthalten. Dazu zählt zum Beispiel Laktose, die in fast jedem zweiten analysierten Medikament enthalten war. Insgesamt steckte in 55 Prozent der untersuchten Präparate mindestens ein FODMAP.

Arzneimittel als Ganzes betrachten

Letzteres kann als generelles Fazit aus den Ergebnissen der Untersuchung gesehen werden: Sowohl Betroffene als auch medizinisches Personal sollten stets das Medikament als Gesamtheit betrachten und neben den aktiven Wirkstoffen auch die inaktiven Hilfsstoffe prüfen. Um dies zu erleichtern, ist eine klare Deklaration seitens der Hersteller notwendig.

 

Quellen:

Reker, D. et al.: “Inactive” ingredients in oral medications. In: Sci. Transl. Med., 2019, 11 (483), DOI: 10.1126/scitranslmed.aau6753

Voelker, R.: Nearly All Medications Contain Potentially Allergenic Inactive Ingredients, Analysis Shows. In: JAMA, 2019, DOI: 10.1001/jama.2019.4667

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