02. März 2018
Bakterien und Hautbarriere

Wie Neurodermitis und Hautbarriere das Mikrobiom verändern

Wissenschaftler der Universitäts-Hautklinik Kiel haben untersucht, wie sich das bakterielle Besiedlungsmuster der Haut verändert, wenn sich diese bei Neurodermitis entzündet, und welche Rolle eine gestörte Hautbarriere spielt. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Journal of Allergy and Clinical Immunology.

Staphylococcus aureus - © nobeastsofierce/fotolia

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Die Hautoberfläche besteht aus Regionen ganz unterschiedlicher Milieus, die abhängig sind von Säurewert, Feuchtigkeit, Temperatur, antimikrobiellen Peptiden (AMP) und dem Gehalt an Fettsäuren, den Lipiden. Patienten mit Neurodermitis (atopische Dermatitis) haben an den typischerweise betroffenen Körperstellen wie Kniekehlen oder Armbeugen im Vergleich zu Menschen mit gesunder Haut ein deutlich verändertes und weniger vielfältiges bakterielles Besiedlungsmuster. Zum Beispiel tritt Staphylokokkus aureus bei ihnen in größerer Zahl auf.

 

Bei Neurodermitikern ist nicht nur die entzündete Haut verändert

Doch was ist mit den auf den ersten Blick gesund scheinenden Hautanteilen? Es zeigte sich, dass nicht nur entzündete Hautstellen, sondern auch scheinbar nicht von Neurodermitis betroffene Stellen eine von gesunder Haut abweichende Bakterienbesiedelung aufweisen. Die Entzündung verändert das gesamte Hautmikrobiom stark. Von gesunder zu trockener bis hin zu entzündeter Haut verändert sich bei Neurodermitis-Patienten das Hautmikrobiom zunehmend. Insgesamt nehmen die Vielfalt der Bakterienarten und der Anteil „positiver“ Staphylokokken auf Kosten von „negativen“  Staphylokokkenarten ab.

Mit der Veränderung des Hautmikrobioms verwandeln sich auch die Hautoberflächenlipide und umgekehrt.

Werden Lipide zu langkettigen freien Fettsäuren verdaut, können sie Entzündungsreaktionen begünstigen. Die Gesamtheit der Lipide auf der Haut spielt eine wichtige Rolle für das Mikrobiom.

 

Gestörte Hautbarriere beeinflusst das Hautmikrobiom ebenfalls

Die Kieler Forscher interessierte darüber hinaus, wie es sich auswirkt, wenn die Hautbarriere gestört ist, weil das für seine Funktion wichtige Strukturprotein Filaggrin in viel zu geringen Mengen oder gar nicht vorhanden ist. Eine geschwächte Hautbarriere gilt als wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Neurodermitis. Tatsächlich stellten die Forscher fest, dass Menschen, die zwar keine Neurodermitis, aber eine gestörte und somit durchlässige Hautbarriere haben, ein verändertes Hautmikrobiom aufweisen: Es ist jenem von Neurodermitikern ähnlicher als dem Mikrobiom von Menschen ohne Neurodermitis und mit intakter Hautbarriere. So ist beispielsweise die Zahl antientzündlich wirksamer Bakterien verringert. Bedingt durch die gestörte Hautbarriere nimmt auch hier die Vielfalt des Hautmikrobioms ab.

Die Studienautoren räumen ein, dass die Zahl an Probanden zu klein ist, um allgemeingültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Weitere Untersuchungen mit großen Kohorten seien nötig. Wichtig sei es auch, präklinische Stadien der Neurodermitis zu studieren, um die gegenseitige Beeinflussung von Entzündung und Hautmikrobiom noch besser zu verstehen.


Quelle:
 

Baurecht, H. et al.: Epidermal lipid composition, barrier integrity and eczematous inflammation are associated with skin microbiome configuration.  J. Allergy Clin. Immunol., 2018. S0091-6749(18)30198-2.DOI: 10.1016/j.jaci.2018.01.019

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