Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und COVID-19 – Informationen für Menschen mit Allergien und Asthma

Wissenschaftliche Beratung: Dr. Nicole Maison

Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) und die davon verursachte Lungenerkrankung COVID-19 beeinflussen momentan das Leben aller. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Allergien oder Asthma fühlen sich oft zusätzlich verunsichert. Sie wissen nicht, ob durch ihre Grunderkrankung oder die notwendigen Medikamente ihr Risiko einer Ansteckung oder eines schweren Krankheitsverlaufs erhöht ist.

Gut zu wissen:

SARS-CoV-2 ist die Bezeichnung für das neuartige Coronavirus.

COVID-19 heißt die durch SARS-CoV-2 hervorgerufene Lungenerkrankung.

Ist das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 bei Menschen mit Allergien und Asthma erhöht?

Derzeit herrscht viel Unsicherheit darüber, ob Medikamente wie Cortison in Zeiten des neuartigen Coronavirus angewendet werden können. Dies liegt auch an der gelegentlich geäußerten Vermutung, Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, könnten die Ansteckungsgefahr erhöhen. Dieser Zusammenhang ist jedoch bisher nicht belegt.

Ist das Risiko für einen schwerwiegenden COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Allergien und Asthma erhöht?

Grundsätzlich teilen das Robert Koch-Institut und andere Fachstellen derzeit mit, dass ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Verlauf haben. Dies trifft auch für Patienten mit Asthma und anderen Lungenerkrankungen zu. COVID-19 kann die Atemwege befallen, einen Asthmaanfall auslösen oder zu einer Lungenentzündung führen. Inwieweit Patienten mit Allergien betroffen sind, ist derzeit nicht bekannt.

COVID-19 und Asthma

Drei Fachgesellschaften haben eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, wonach Menschen mit Asthma ihre Medikamente wie gewohnt einnehmen sollen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie und die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin empfehlen in ihrer Mitteilung, dass eine angemessene und auf die individuellen Bedürfnisse angepasste Inhalationstherapie bei Asthma unbedingt fortgeführt werden soll – insbesondere auch Therapien mit Cortison-Spray.

Die Experten weisen darauf hin, dass eine Unterbrechung oder Veränderung der Asthma-Behandlung die Symptome verschlechtern und dadurch unnötige Arztbesuche oder sogar Krankenhausaufenthalte verursachen kann. Beim Arzt oder im Krankenhaus sei das Risiko, mit einer an COVID-19 erkrankten Person in Kontakt zu kommen, größer und damit eine Ansteckung wahrscheinlicher.

Die Fachgesellschaften raten daher dringend dazu, dass die inhalative Asthma-Behandlung auch und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie aufrechterhalten wird.

COVID-19 und Allergien

Ob und wenn ja in welchem Umfang lokal (zum Beispiel als Nasenspray, Augentropfen) oder systemisch (Tabletten, Infusionen) angewendete Allergiemedikamente einen Einfluss auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 und eine Erkrankung an COVID-19 haben, lässt sich momentan nicht abschätzen. Die Behandlung sollte daher nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin abgesetzt werden.

Allergenspezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie hat Empfehlungen zur Fortführung einer laufenden allergenspezifischen Immuntherapie (auch Hyposensibilisierung genannt) herausgegeben. Die Fachgesellschaft rät dazu, die Behandlung möglichst fortzusetzen. Bei beschwerdefreien und gesunden Personen soll die Hyposensibilisierung nach dem gewählten Therapieschema fortgesetzt werden. Dies gilt sowohl für die sublinguale allergenspezifische Immuntherapie (Tropfen, Tabletten) als auch für die subkutane Behandlungsform mit Spritzen.

Treten Symptome wie Fieber, unklarer Husten oder ein verschlechterter Allgemeinzustand auf, sollte eine allergenspezifische Immuntherapie grundsätzlich unterbrochen werden – auch unabhängig davon, ob ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 beziehungsweise einer COVID-19-Erkrankung besteht. Sind die Symptome abgeklungen, könne die Behandlung den Empfehlungen der Fachgesellschaft zufolge fortgesetzt werden. Die Dosierung müsse dann gemäß den Empfehlungen des jeweiligen Allergen-Herstellers angepasst werden. Auch die Wiederaufnahme einer sublingualen Hyposensibilisierung solle vom behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin überwacht werden.

Biologika-Behandlung und COVID-19

Allergisch (mit-) bedingte Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis oder Urtikaria (Nesselsucht) können auch mit Biologika (monoklonale Antikörper) behandelt werden. In Deutschland sind aktuell fünf monoklonale Antikörper für mindestens ein Anwendungsgebiet zugelassen:

  • Omalizumab

  • Mepolizumab

  • Reslizumab

  • Benralizumab

  • Dupilumab

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie weist darauf hin, dass nach dem aktuellen Kenntnisstand und klinischen Erfahrungen mehr Gründe für eine Fortführung der Behandlung mit Biologika sprechen als dagegen. Auch gegen den Beginn einer Biologika-Therapie spricht aus Sicht der Experten aktuell unter Abwägung der individuellen Vorteile und Risiken nichts.

Zwar gibt es für keines der Medikamente entsprechende Sicherheitsdaten aus klinischen Studien oder Meldungen zur Arzneimittelsicherheit, ob sich Biologika auf das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 oder den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung auswirken. Für die Biologika-Behandlung sprechen jedoch aus Sicht der Fachgesellschaft folgende Gründe:

  • Durch die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern könnten viele Patienten auf systemische Glukokortikoide („Cortison“) verzichten, die sich möglicherweise ungünstig auf die Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 auswirken können.

  • Wird eine Biologika-Therapie abgesetzt, kann sich die Grunderkrankung verschlechtern. Dies kann sich wiederum negativ auf den Verlauf einer möglicherweise auftretenden COVID-19-Erkrankung auswirken – insbesondere bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma.

  • Virus-bedingte Verschlechterungen eines Asthma bronchiale kommen unter einer Behandlung mit Biologika seltener vor oder verlaufen milder.

  • Die immunologischen Prozesse, an denen die für die Behandlung allergisch (mit-) bedingter Erkrankungen zugelassenen Biologika ansetzen, spielen für die Virus-Abwehr wahrscheinlich keine zentrale Rolle.

Gibt es besondere Empfehlungen zu Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen für Menschen mit Allergien und Asthma?

Grundsätzlich sollen sich Menschen mit Allergien und Asthma – wie alle anderen auch – an die vom Robert Koch-Institut empfohlenen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen einschließlich der Meidung von Sozialkontakten halten. Das Robert Koch-Institut empfiehlt für Menschen mit einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf darüber hinaus folgendes:

  • größtmögliche Minderung des Risikos einer Ansteckung, zum Beispiel durch allgemeine Verhaltensregeln (Hände waschen, Abstand zu Erkrankten halten) und weitere Maßnahmen zur Kontaktreduktion

  • aktive Information über das Krankheitsbild, um auf Symptome frühzeitig reagieren zu können

  • bei Erkrankung möglichst rasche Kontaktaufnahme zum Hausarzt oder anderen beratenden Stellen

  • Mitteilung bekannter COVID-19-Fälle in der näheren Umgebung, um diagnostische Maßnahmen zu beschleunigen

Wo finde ich weitere qualitätsgesicherte Informationen?

Eine aktuelle Übersicht mit vielen Informationen und Links rund um das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und die Lungenerkrankung COVID-19 finden Sie bei unseren Kolleginnen vom Lungeninformationsdienst.

Robert Koch-Institut:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

World Health Organization (WHO):

Wissenschaftliche Beratung

Dr. Nicole Maison

Dr. von Haunersches Kinderspital München

E-Mail: nicole.maisonnoSp@m@med.uni-muenchen.de

Quellen:

  • Online-Informationen der Centers for Disease Control and Prevention: People with Asthma and COVID-19 (Letzter Abruf: 24.3.2020)
  • Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: AIT und COVID-19 (Letzter Abruf: 24.3.2020)
  • Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf (Letzter Abruf: 24.3.2020)
  • Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin vom 16. März 2020: Asthma und COVID-19: Therapie unverändert fortführen.
  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie vom 20. März 2020: Biologikatherapie und COVID-19.

Letzte Aktualisierung:

24. März 2020