Immunmechanismen und Entzündung

© M-Nink/Helmholtz Zentrum München
Pipettierroboter in der Allergieforschung

Oberflächlich betrachtet erscheinen die Mechanismen zur Entstehung von Allergien relativ verständlich:

Ein Stoff aus der Umwelt, das Allergen, gelangt über die Haut oder die Schleimhäute in den menschlichen Körper. Dort wird er von den Fresszellen, die unseren Körper auf der Suche nach möglicherweise gefährlichen Eindringlingen permanent durchwandern, als körperfremd erkannt und aufgenommen. Diese Antigen-präsentierenden Zellen (APC) aktivieren T-Helferzellen, die daraufhin bestimmte Botenstoffe, die Zytokine, ausschütten.

Unter dem Einfluss dieser Botenstoffe wandeln sich die ebenfalls zu den Immunzellen gehörenden B-Lymphozyten in sogenannte Plasmazellen um. Die Plasmazellen bilden Antikörper der Klasse IgE (Immunglobulin E), die gegen das Allergen gerichtet sind. Nun ist der Körper gegen das Allergen sensibilisiert.

Hat die allergische Sensibilisierung einmal stattgefunden, kann schon der nächste Kontakt mit dem Allergieauslöser Entzündungsmediatoren und andere Botenstoffen freisetzen, die schlussendlich krankheitstypische Symptome hervorrufen. Das Besondere bei der Soforttyp-Allergie ist, dass die ersten Symptome schon innerhalb von zehn Minuten auftreten. Nach etwa sechs Stunden folgt dann eine zweite Reaktion auch ohne zusätzlichen Allergenkontakt, die durch das Einwandern der Immunzellen und deren Entzündungsaktivitäten charakterisiert ist.

In Kürze:

Allergien sind Erkrankungen des Immunsystems, zu deren Entstehung und Aufrechterhaltung verschiedene Zellen und Botenstoffe beitragen. Die Immunmechanismen und Entzündungsprozesse zu entschlüsseln, gehört zu den großen Schwerpunkten der Allergieforschung.

Entstehungsmechanismen von Allergien noch nicht vollständig geklärt

Die beschriebenen Vorgänge liegen zwar allen Typ-1-Allergien zugrunde, der mit Abstand häufigsten Allergieform. Sie sind so aber nur stark vereinfacht dargestellt. Tatsächlich sind an der spezifischen Überempfindlichkeit der Abwehr gegenüber Allergenen noch weitere Zelltypen und eine Vielzahl von Botenstoffen beteiligt – darunter die für die Kommunikation zwischen den Immunzellen zuständigen Interleukine.

Welche „Player“ bei allergischem Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen welche Bedeutung besitzen und wie sie zusammenspielen, ist teils noch unklar und wird deshalb intensiv erforscht. Denn je besser die Immunmechanismen und das Entzündungsgeschehen bei Allergien verstanden werden, desto größer sind die Chancen, neue Therapieansätze und Wirkstoffe zu entwickeln.

Bei ihrer Arbeit fokussieren sich die Wissenschaftler auf verschiedene relevante Bereiche – von den T-Helferzellen, die als eine Art Lenker der Immunantwort fungieren, bis hin zu den Prozessen, die gesunde Menschen vor allergischen Reaktionen bewahren.

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Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber

Helmholtz Zentrum München,
Institut für Allergieforschung/
TU München / Zentrum Allergie und Umwelt

E-Mail: carsten.schmidt-weber noSp@m@helmholtz-muenchen.de