Ernährung

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Ernährung als Risikofaktor für Allergien

Der Darm stellt die größte Schleimhautbarriere des Körpers dar. Er hat jeden Tag mit zahlreichen möglichen Allergenen Kontakt – vor allem mit Nahrungsmittelallergenen. Da ein Großteil der Immun- und Entzündungszellen, die eine allergische Reaktion vermitteln, im Darm sitzen, ist unser Verdauungsorgan geradezu dafür geschaffen, Sensibilisierungen oder Allergien zu entwickeln.

Aus der Forschung gibt es einige Hinweise darauf, dass die Ernährung bei der Entwicklung allergischer Erkrankungen eine Rolle spielen kann – vor allem bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Pollen-assoziierten Kreuzallergien.

Eine Übersichtsarbeit einer chinesischen Forschungsgruppe kommt zu dem Ergebnis, dass der regelmäßige Verzehr von Fast Food die Allergie-Entstehung fördern kann. Sie werteten 16 Studien mit insgesamt über 600.000 Teilnehmenden aus und fanden heraus, dass Menschen, die mindestens dreimal wöchentlich Fast Food verzehren, häufiger an Atemnot, Asthma, allergischem Schnupfen und Hautausschlägen wie Neurodermitis leiden.

Darüber hinaus zeigen Studien, dass Kinder mit Übergewicht häufiger Asthma entwickeln.

Ernährung als Allergie-Verstärker

Außerdem kommt die Ernährung auch als sogenannter Augmentationsfaktor infrage.

Welche Ernährungsbestandteile als Augmentationsfaktor wirken, ist individuell unterschiedlich. Es ist aber bekannt, dass Alkohol allergische Symptome allgemein fördern oder verschlechtern kann.

Der Verzehr von Weizen kann das Beschwerdebild einer weizenabhängigen, anstregungsinduzierten Anaphylaxie (wheat dependend exercise induced anaphylaxis, kurz: WDEIA) hervorrufen. Das Besondere dabei ist, dass Weizen und weizenhaltige Produkte an sich verträglich sein können – erst in Kombiniation mit körperlicher Anstrengung treten Anaphylaxie-Symptome auf. Ob und wie viel Weizen verträglich ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Kurz erklärt:

Augmentationsfaktoren sind Einflüsse, die allergische Reaktionen begünstigen oder verstärken können.

Einfluss der Ernährung oftmals überschätzt

Gerade bei Neurodermitis kursieren vielfältige Aussagen, welche Lebensmittel angeblich die Symptome befeuern und das Hautbild verschlechtern können. Tatsächlich wird der Einfluss oftmals überschätzt. Ein Zusammenhang besteht in der Regel nur bei nachweislichen Lebensmittelallergien.

Wer eine ungesunde Ernährung für die Symptomverschlechterung verantwortlich macht, sollte bedenken, dass diese häufig mit erhöhtem Stress in Verbindung steht: Wer gestresst ist, greift eher zu ungesunden Snacks, Süßigkeiten oder Fastfood. Stress ist als möglicher Provokationsfaktor der Neurodermitis bekannt.

Vorbeugende Ernährungseinschränkungen unnötig

Aus den Erkenntnissen über die Ernährung als Allergie-Risikofaktor können auch Empfehlungen abgeleitet werden, um das Auftreten einer allergischen Erkrankung schon von vornherein zu vermeiden (Primärprävention). Insbesondere die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft sowie des Kindes in den ersten Lebensjahren können das Auftreten von Allergien beeinflussen. Wichtig ist, dass grundsätzlich keine Nahrungsmittel zur Allergievorbeugung gemieden werden sollen – abgesehen von nachweislich unverträglichen Lebensmitteln.

Auch bei bereits erkrankten Personen kann die Ernährung eine Rolle spielen, wenn man ein Wiederauftreten oder eine Verschlechterung vermeiden möchte (Sekundärprävention): Bei einer Lebensmittelallergie oder einer Pollen-assoziierten Kreuzallergie geht es einerseits darum, bekannte Allergene zu vermeiden, und andererseits die Toleranz gegenüber verträglichen Lebensmitteln zu erhalten. Letzteres kann gelingen, indem die Nahrungsmittel regelmäßig auf dem Teller landen.

Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel Vorbeugung und Schutz.

Unsere wissenschaftlichen Experten für diesen Text

Dr. Stefan Dehmel
Helmholtz Zentrum München
E-Mail: stefan.dehmel noSp@m@helmholtz-muenchen.de

Prof. Dr. Heidrun Behrendt
Dir. Emer. Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM)
E-Mail: heidrunbehrendt@web.de

Letzte Aktualisierung: 29.05.2019 / Quellen
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Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

Quellen:
  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. 2. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg,  ISBN: 9783642372025
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Darsow, U., Raap, U. (Hrsg., 2016): Allergologie kompakt. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen, ISBN: 9783871854835
  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Spezialbericht Allergien, Teil 6 Präventionsstrategien, 2000. (Letzter Abruf: 29.05.2019)
  • Reese, I. et al. (Hrsg., 2017): Diätetik in der Allergologie. Diätvorschläge, Positionspapiere und Leitlinien zur Nahrungsmittelallergie und anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten. 5. Aufl. Dustri-Verlag, München – Orlando
  • Schäfer, T. et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014. In: Allergo J Int, 2014, 23 (186): 186-199 (in Überarbeitung, gültig bis 31.07.2019)
  • Wang, CS. et al.: Is the consumption of fast foods associated with asthma or other allergic dieseases? In: Respirology. 2018, 23 (10): 901-913
Letzte Aktualisierung:
29.05.2019

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