Genetische Veranlagung und Atopie

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Die genetische Veranlagung eines Menschen bestimmt, wie gut Fremdstoffe Barrieren wie die Haut durchdringen können, wie das Immunsystem auf Reize aus der Umwelt reagiert, und welche Folgen sich daraus ergeben. Anders als im Falle mancher Erbkrankheiten liegt allergischen Erkrankungen nicht ein einzelnes verändertes Gen zugrunde. Vielmehr kommt dabei ein komplexes Zusammenspiel verschiedener genetischer Faktoren in unterschiedlichen Bereichen der Erbsubstanz und in verschiedenen Genen zum Tragen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der „Atopie“ (von altgriechisch atopía für Ortlosigkeit). Diese ist definiert als eine erbliche Neigung, in Form von bestimmten allergischen Reaktionen (insbesondere vom Sofort-Typ/Typ I) auf den Kontakt mit Stoffen aus der Umwelt mit der Bildung von IgE-Antikörpern zu reagieren. Hierbei handelt es sich um Stoffe, die ansonsten in der Regel harmlos sind. Damit eine atopische Erkrankung ausgelöst wird, müssen zu dieser Veranlagung allerdings weitere Faktoren hinzukommen.

Atopie ist also keine Krankheit an sich, sondern sie begünstigt das Auftreten von allergischen Erkrankungen an unterschiedlichen Organen:

Auch Kombinationen dieser Krankheiten des „atopischen Formenkreises” kommen bei den Betroffenen nicht selten vor.

Bei Atopie findet die Sensibilisierung meist bereits in der frühen Kindheit statt. Oft zeigt sich ein charakteristischer Verlauf, der auch als „allergischer Marsch“ bezeichnet wird. Es beginnt häufig mit einer Nahrungsmittelallergie und im weiteren Verlauf entwickelt sich dann eine Allergie der Atemwege.

Das Erkrankungsrisiko ist erhöht, wenn die Eltern an einem atopischen Ekzem, Heuschnupfen oder allergischen Asthma erkrankt sind. In einer Studie aus den 1990er Jahren wurde das Risiko eines Kindes, innerhalb der ersten zwei Lebensjahre eine atopische Erkrankung zu entwickeln, auf etwa 20 Prozent geschätzt, wenn ein Elternteil eine Atopie aufwies. Es lag über 30 Prozent, wenn beide Eltern Atopiker waren. Je mehr Familienangehörige betroffen waren, umso höher das Risiko.

Daten einer weiteren Studie weisen auf geschlechtsabhängige Einflüsse bei der Vererbung hin: So war das Risiko für die Entwicklung einer Allergie bei Mädchen, deren Mutter eine Allergie hatte, erhöht, jedoch nicht bei Jungen. Umgekehrt zeigten die Söhne, aber nicht die Töchter von betroffenen Vätern ebenfalls ein erhöhtes Allergierisiko.

Letzte Aktualisierung: 15. November 2018 / Quellen
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Quellen:
  • Arshad, H.S. et al.: The effect of parental allergy on childhood allergic diseases depends on the sex of the child. Journal of Allergy & Clinical Immunology, 2012, 130(2): 427-434
  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. Springer, Berlin/Heidelberg, 2. Aufl., ISBN9783642372025
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Darsow, U., Raap, U. (Hrsg.): Allergologie kompakt. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen, 2016
  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Spezialbericht Allergien, Teil 6 Präventionsstrategien, 2000. (Letzter Abruf: 09.03.2017)
  • Höflich, C.: Klimawandel und Pollen-assoziierte Allergien der Atemwege. In: UMID – Umwelt und Mensch – Informationsdienst Ausgabe 1 (März) 2014. (Letzter Abruf: 09.03.2017)
  • Riiser, A.: The human microbiome, asthma, and allergy. Allergy, Asthma & Clinical Immunology, 2015, 11: 35
Letzte Aktualisierung:
15. November 2018

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

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