Wie wird allergisches Asthma behandelt?

Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bis heute keine Möglichkeit, Asthma zu heilen. Dennoch ist die Erkrankung in der Regel durch Medikamente gut behandelbar.

Weitestgehende Beschwerdefreiheit, eine möglichst uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe sowie eine hohe Lebensqualität – so lauten die Ziele jeder Asthmatherapie, die sich durch eine individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmte Behandlung auch in den meisten Fällen erreichen lassen.

Mehr dazu finden Sie auch unter Leben mit einer Allergie.

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Verschiedene Inhaler zur Asthma-Therapie

Die Asthma-Behandlung besteht unter anderem aus einer medikamentösen Therapie, die zum Ziel hat, die chronische Entzündung und die Verengung der Atemwege zu beheben. Aber auch unterstützende, nicht-medikamentöse Maßnahmen haben sich Untersuchungen zufolge in der Praxis bewährt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Patientenschulungen, bei denen der Patient lernt, die Symptome besser einzuschätzen und darauf selbständig zu reagieren.

Auch körperliches Training, Gewichtsreduktion, Tabakentwöhnung und Atemphysiotherapie gehören mit zur Behandlung. Zusätzlich können verschiedene Atemtechniken helfen, besser mit der Krankheit vor allem in der Akutphase umzugehen.

Weiterhin sollten häufige Begleiterkrankungen, wie ein chronischer Schnupfen (Rhinitis) oder eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) adäquat behandelt werden. Bei gemischtförmigem oder allergischem Asthma ist auch die spezifische Immuntherapie mit Allergenen ein grundlegender Behandlungsbaustein. Bei Kindern kann sich bei einem frühen Behandlungsbeginn hiermit die weitere Asthma-Entwicklung aufhalten lassen.

Je nachdem wie gut die aktuelle Kontrolle des Asthmas ist, gibt es fünf verschiedene Therapiestufen, die zur Anwendung kommen. Die nationale Versorgungsleitlinie Asthma, die sich aktuell in Überarbeitung befindet, unterscheidet bei der Stufentherapie zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen. Alle Therapieschritte sollten von einer Asthmaschulung begleitet werden. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass bekannte Reize bzw. Auslöser gemieden werden.

Gut zu wissen:

Lassen Sie sich bei einer Asthmaschulung oder von Ihrem behandelnden Arzt die Anwendung Ihres Inhalators stets genau erklären und zeigen.

Asthma-Medikamente

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Gruppen von Asthma-Medikamenten: Während die Controller über längere Zeit eingenommen werden müssen und einen langfristigen Effekt erzielen sollen, dienen die Reliever vor allem als schnelles Bedarfsmedikament bei akuten Beschwerden.

 

Controller gegen die Entzündung

„Controller“ sind Langzeitmedikamente, die die Entzündung in den Atemwegen abschwächen und die ständige Entzündungsbereitschaft der Bronchien dämpfen. Asthma-Symptome und -anfälle sollen so seltener und weniger heftig auftreten. Um diesen vorbeugenden Effekt zu erreichen, müssen die Medikamente allerdings regelmäßig und dauerhaft angewendet werden.

Die nach dem derzeitigen medizinischen Kenntnisstand wirkungsvollsten Controller sind Glukokortikoide. Diese auch als Kortison bekannten Medikamente sind synthetische Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol. Cortisol reguliert das Abwehrsystem im Körper und verhindert oder dämpft Entzündungsprozesse.

Durch Inhalieren gelangt der Wirkstoff direkt an den Bestimmungsort in den Atemwegen und das Risiko von Nebenwirkungen wird damit deutlich reduziert. Bei schwerem Asthma wird Kortison auch kurzzeitig in Form von Tabletten verabreicht.

 

Reliever zur Erweiterung der Atemwege

Die zweite Medikamentengruppe sind die sogenannten „Reliever“, abgeleitet vom englischen to relieve = erleichtern. Sie befreien kurzfristig von Asthma-Symptomen und dienen als Bedarfsmedikamente bei akuten Beschwerden.

Meist handelt es sich um kurzwirksame Medikamente zum Inhalieren, die die Bronchien erweitern. Diese auch als „Bronchodilatatoren“ bezeichneten Mittel entspannen binnen weniger Minuten die verkrampften Muskeln um die Bronchien.

Die Reliever lindern akute Asthma-Symptome zwar sehr effektiv, haben aber keinerlei Einfluss auf die dem Asthma zugrunde liegende Entzündung. Dies gilt auch für die langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika, die in fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung eingesetzt werden – allerdings ausschließlich in Kombination mit einem antientzündlichen Kortisonpräparat.

 

Weitere Medikamente

Zusätzlich gibt es in der Asthmatherapie noch eine Reihe weiterer Medikamente wie:

Diese sind zur Behandlung bestimmter Patientengruppen vorgesehen. Mit den verfügbaren Medikamenten lassen sich Asthmaanfälle bei der Mehrzahl der Betroffenen gut in den Griff bekommen.

Daneben gibt es aber auch eine Reihe von Patienten mit sogenanntem schwerem Asthma, bei denen sich die Symptome trotz optimaler Therapie nicht völlig beheben lassen. Der Antikörper Omalizumab wird unter die Haut gespritzt und wirkt für mehrere Wochen, indem er an das Immunglobulin E bindet. Immunglobulin E ist an allergischen Reaktionen beteiligt und das Medikament ist entsprechend auch nur für Patienten mit ganzjährigem allergischem Asthma zugelassen. Entzündungsstoffe wie Histamine und Zytokine werden insgesamt weniger ausgeschüttet und die allergische Reaktion abgemildert.

Weitere gezielt Asthma-spezifische Botenstoffe blockierende Antikörper (Biologika) sind derzeit in Erforschung, aber momentan noch nicht zugelassen.

So wendet man das Spray korrekt an - © Lungeninformationsdienst/ Helmholtz Zentrum München
Korrekte Anwendung von Asthma-Spray

Was kann man selbst tun?

Asthmaschulung

Ein häufiger Grund für eine nicht gut kontrollierte Asthma-Symptomatik ist die fehlerhafte Anwendung der inhalativen Therapien. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Inhalatoren kann es insbesondere bei einem Wechsel des Präparats zu Problemen in der Anwendung kommen.

Bei einer Asthmaschulung lernt man den Umgang mit den Inhalationssystemen („Device“). Außerdem werden die Wirkung und die Einnahme der Medikamente erklärt. So lernt man, die Medikamente den aktuellen Beschwerden anzupassen.

Zusätzlich wird in einer Asthmaschulung die Symptom-Wahrnehmung verbessert und es werden Techniken und Hilfsmittel gezeigt, die das Leben mit Asthma leichter machen.

 

Asthma-Tagebuch

Das Führen eines Asthma-Tagebuches erleichtert den Überblick über den Verlauf der Erkrankung. Eventuell lassen sich so zum Beispiel Auslöser identifizieren und die Wirkung der Medikamente besser einschätzen.

Teil des Asthma-Tagebuches kann ein Peak-Flow-Protokoll sein. Mit dem Peak-Flow-Meter wird gemessen, wie stark der Luftstrom ist, der aus der Lunge kommt. Das regelmäßige Protokollieren der Werte kann helfen, den Erfolg der Behandlung zusammen mit dem behandelnden Arzt einzuschätzen. Hier finden Sie eine Asthma-Tagebuch-PDF-Vorlage.

 

Atemtechniken und andere Hilfen

Die sogenannte Lippenbremse sowie spezielle Körperhaltungen erleichtern das Atmen bei Luftnot. Weitere Hilfestellungen erhalten Menschen mit Asthma in speziellen Atemschulungsangeboten.

Letzte Aktualisierung: 16. März 2017 / Quellen
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Quellen:
  • Abholz, H. et al.: Nationale Versorgungsleitlinie Asthma. 2. Auflage Langfassung, Version August 2013 (Gültigkeit abgelaufen)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Berdel, D. et al.: S2-Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. „Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter“ (Letzter Abruf: 16.03.2017)
  • Owen, C.: Immunoglobulin E: role in asthma and allergic disease: lessons from the clinic. In: Pharmacological Therapy, 2007, 113(1): 121 – 133
  • Ege, M. et al.: Exposure to Enviromental Microorganisms and Childhood Asthma. In: The New England Journal of Medicine, 2011, 364(8): 701-709
  • Genuneit, J. et al.: Smoking and the incidence of asthma during adolescence: results of a large cohort study in Germany. In: Thorax 2006; 61: 572–578
  • Krauss-Etschmann, S. et al.: Umweltinduzierte frühe Prägung von Asthma und Epigenetik. In: Monatsschrift Kinderheilkunde, 2010, 158(2): 142-148
  • March, M. et al.: The genetics of Asthma and allergic disorders. In: Discovery Medicine, 2011, 11(56): 35 – 45
  • Ober, C. und Tao, T.: The genetics of asthma and allergic disease: a 21st century perspective. In: Immonological Reviews, 2011, 242(1): 10-30
  • Rees, J.: Clinical Review; ABC of Asthma In: BMJ 2005; 331 : 443 – 445
  • Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma, 2. Auflage, Version 1.3, Mai 2011 (Letzter Abruf: 16.03.2017)
  • The International Union Against Tuberculosis and Lung Disease: The Global Asthma Report 2014
  • Von Mutius, E. und Vercelli, D.: Farm living: Effects on childhood asthma and allergy. In: Nature Reviews Immunology, 2010, 10(12): 861–868
Letzte Aktualisierung:
16. März 2017
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Wissenschaftliche Beratung

Dr. Katja Nemat

Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA)

c/o Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt

E-Mail: katja noSp@m@nemat.de

Asthmaschulung

Asthmatiker finden bei der AG Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter e.V. (AGAS) Informationen und Kontakt zu Schulungszentren in ihrer Nähe.

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Beobachten Sie Ihren Krankheitsverlauf: Wer die Auslöser seiner Beschwerden erkennt, kann sie leichter vermeiden. Ein Asthma-Tagebuch kann Ihnen helfen, den Überblick zu behalten, hier stehen inzwischen neben den herkömmlichen schriftlichen Dokumentation auch elektronische Hilfen/Apps zur Verfügung.