Wie wird allergisches Asthma behandelt?

Gut zu wissen:

Lassen Sie sich bei einer Asthmaschulung oder von Ihrem behandelnden Arzt die Anwendung Ihres Inhalators stets genau erklären und zeigen.

Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bis heute keine Möglichkeit, Asthma zu heilen. Die Erkrankung ist aber in der Regel durch Medikamente gut behandelbar.

Weitestgehende Beschwerdefreiheit, eine möglichst uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe sowie eine hohe Lebensqualität – so lauten die Ziele jeder Asthmatherapie, die sich durch eine individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmte Behandlung auch in den meisten Fällen erreichen lassen.

Mehr dazu finden Sie auch unter Leben mit einer Allergie.

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Verschiedene Inhaler zur Asthma-Therapie

Die Asthma-Behandlung besteht unter anderem aus einer medikamentösen Therapie, die zum Ziel hat, die chronische Entzündung und die Verengung der Atemwege zu beheben. Die Therapie ist in verschiedenen Stufen aufgebaut. Das heißt, der Arzt oder die Ärztin wählt die Stufe aus, die für eine gute Asthmakontrolle ausreicht, den Patienten aber so wenig wie möglich mit Nebenwirkungen belastet. Die Nationale Versorgungsleitlinie folgt dem Prinzip: Wenn mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, soll immer die nebenwirkungsärmere gewählt werden, auch wenn sie die teurere ist.

Auch unterstützende, nicht-medikamentöse Maßnahmen haben sich Untersuchungen zufolge in der Praxis bewährt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Patientenschulungen, bei denen der Patient lernt, die Asthma-Symptome besser einzuschätzen und darauf selbständig zu reagieren.

Auch körperliches Training, Gewichtsreduktion, Tabakentwöhnung und Atemphysiotherapie gehören mit zur Behandlung. Zusätzlich können verschiedene Atemtechniken helfen, besser mit der Krankheit vor allem in der Akutphase umzugehen.

Bei gemischtförmigem oder allergischem Asthma ist auch die spezifische Immuntherapie mit Allergenen ein grundlegender Behandlungsbaustein. Sie kann, das haben neue Studien gezeigt, bei allergischem Asthma die Zahl der Exazerbationen verringern und die Kontrolle der Symptome verbessern. Speziell bei Kindern und Jugendlichen lässt sich dadurch die Dosis an inhalativem Cortison verringern.

Je nachdem wie gut die aktuelle Kontrolle des Asthmas ist, gibt es verschiedene Therapie-Optionen, die zur Anwendung kommen. Die nationale Versorgungsleitlinie Asthma unterscheidet bei der Therapie zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen. Die Behandlung ist in verschiedene Stufen unterteilt. Bringt die erste Behandlungsstufe das Asthma nicht ausreichend unter Kontrolle, kann der Arzt oder die Ärztin die nächsthöhere auswählen. Alle Therapieschritte sollten von einer Asthmaschulung begleitet werden. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass bekannte Reize bzw. Auslöser gemieden werden.

Weiterhin sollten häufige Begleiterkrankungen wie ein chronischer Schnupfen (Rhinitis) oder eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) adäquat behandelt werden.

Eine Studie im Fachmagazin „Pediatrics“ kam zu dem Ergebnis, dass eine Grippeimpfung das Risiko für Kinder mit Asthma senkt, ins Krankenhaus zu müssen. Die jährliche Grippeschutzimpfung wird schon lange für Kinder mit Asthma empfohlen.

In diesem Schema sind die Arzneimittel-Optionen auf den verschiedenen Stufen der Asthma-Behandlung dargestellt

Asthmaspray und weitere Asthma-Medikamente

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Gruppen von Asthma-Medikamenten: Während die Controller über längere Zeit eingenommen werden müssen und einen langfristigen Effekt erzielen sollen, dienen die Reliever vor allem als schnelles Bedarfsmedikament bei akuten Beschwerden.

 

Controller gegen die Entzündung

„Controller“ sind Langzeitmedikamente, die die Entzündung in den Atemwegen abschwächen und die ständige Entzündungsbereitschaft der Bronchien dämpfen. Asthma-Symptome und -anfälle treten dadurch seltener und weniger heftig auf. Um diesen vorbeugenden Effekt zu erreichen, muss das Asthmaspray allerdings regelmäßig und dauerhaft angewendet werden. Eine Ausnahme bildet das saisonale allergische Asthma. Sind die Atemwege tatsächlich nur zu einer bestimmten Pollensaison entzündet, kann der behandelnde Arzt die Controller-Einnahmedauer daran orientieren.

Die nach dem derzeitigen medizinischen Kenntnisstand wirkungsvollsten Controller sind Glukokortikoide. Diese auch als Cortison bekannten Medikamente sind synthetische Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol. Cortisol reguliert das Abwehrsystem im Körper und verhindert oder dämpft Entzündungsprozesse.

Durch Inhalieren des Asthmasprays gelangt der Wirkstoff direkt an den Bestimmungsort in den Atemwegen, wo eine gute lokale Wirkung erreicht und das Risiko von Nebenwirkungen damit massiv reduziert wird. Moderne Cortison-Asthmasprays ermöglichen eine gute Asthmakontrolle durch bereits sehr niedrige Dosen. Die Medikamente werden außerdem bei regelmäßigen Kontrollen beim betreuenden Arzt ständig auf die niedrigste effektive Dosis angepasst.

Viele Patienten neigen dazu, das Cortison-Asthmaspray abzusetzen, wenn die Symptome abklingen. Studien haben aber gezeigt, dass das alleinige Einnehmen eines Bronchien-erweiternden Medikaments langfristig zu mehr Exazerbationen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen führt – weil eben die Entzündung der Atemwege nicht mehr bekämpft wird. Die Leitliniengruppe empfiehlt daher, gegebenenfalls eine fixe Kombination beider Wirkstoffgruppen in einem Inhalator einzunehmen. So könne man das Cortison nicht vergessen, schreibt die Leitliniengruppe in einer Patientenbroschüre zu Cortisonspray.

Nur bei schwerem Asthma wird Cortison auch kurzzeitig in Form von Tabletten verschrieben. Da Tabletten auf den ganzen Körper wirken, haben sie schwerere Nebenwirkungen als ein Cortison-Asthmaspray. Sie sollen nur noch dann verschrieben werden, wenn auch eine Behandlung mit Antikörpern erfolglos geblieben ist, empfehlen die Autor/ innen der Nationalen Versorgungsleitlinie.

 

Reliever zur Erweiterung der Atemwege

Die zweite Medikamentengruppe sind die sogenannten „Reliever“, abgeleitet vom englischen to relieve = erleichtern. Sie befreien kurzfristig von Asthma-Symptomen und dienen als Bedarfsmedikamente bei akuten Beschwerden.

Meist handelt es sich um kurzwirksame Medikamente zum Inhalieren, die die Bronchien erweitern. Diese auch als „Bronchodilatatoren“ bezeichneten Asthmasprays entspannen binnen weniger Minuten die verkrampften Muskeln um die Bronchien.

Die Reliever lindern akute Asthma-Symptome zwar sehr effektiv, haben aber keinerlei Einfluss auf die dem Asthma zugrunde liegende Entzündung. Dies gilt auch für die langwirkenden Beta-2-Sympathomimetika, die in fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung eingesetzt werden – allerdings ausschließlich in Kombination mit einem antientzündlichen Cortisonpräparat.

 

Weitere Medikamente

Zusätzlich gibt es in der Asthmatherapie noch eine Reihe weiterer Medikamente wie:

Diese sind zur Behandlung bestimmter Patientengruppen vorgesehen. Mit den verfügbaren Medikamenten lassen sich Asthmaanfälle bei der Mehrzahl der Betroffenen gut in den Griff bekommen.

Daneben gibt es aber auch eine Reihe von Patienten mit sogenanntem schwerem Asthma, bei denen sich die Symptome trotz angepasster Therapie nicht völlig beheben lassen. Einigen von ihnen können Antikörper helfen. Für die Behandlung von Asthma sind Omalizumab und Mepolizumab zugelassen. Der Antikörper Omalizumab wird unter die Haut gespritzt und wirkt für mehrere Wochen, indem er an das Immunglobulin E bindet. Immunglobulin E ist an allergischen Reaktionen beteiligt und das Medikament ist entsprechend auch nur für Patienten mit ganzjährigem allergischem Asthma zugelassen. Entzündungsstoffe wie Histamine und Zytokine werden insgesamt weniger ausgeschüttet und die allergische Reaktion abgemildert.

Mepolizumab ist zugelassen zur Zusatzbehandlung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab sechs Jahren mit schwerem eosinophilem Asthma, das auf eine Standardtherapie nicht ausreichend anspricht. Mepolizumab bindet an den Botenstoff IL-5 und hemmt dadurch dessen Funktion. IL-5 gilt als wichtiger Botenstoff für das Wachstum, Überleben und die Aktivierung von eosinophilen Granulozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen), die wiederum bei dieser Asthma-Form eine wichtige Rolle spielen. Mepolizumab reduziert die Aktivität und das Überleben der Eosinophilen.

Weitere Antikörper (Biologika), die gezielt Asthma-spezifische Botenstoffe blockieren, sind derzeit in Erforschung, aber momentan noch nicht zugelassen.

In diesem Schema werden die verschiedenen Behandlungsoptionen auf den sechs Therapiestufen bei Kindern und Jugendlichen dargestellt

Richtig inhalieren

Die Inhaliertechnik, die nötig ist, damit eine ausreichende Menge Wirkstoff die Lunge erreicht, unterscheidet sich je nach Inhalationssystem. Daher sollten sich Betroffene von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin genau zeigen lassen, wie man das Gerät benutzt. Es kann auch hilfreich sein, das Wichtigste mit dem Smartphone aufzunehmen oder mitzuschreiben. Die Leitliniengruppe der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma hat ein Informationsblatt zu Inhalationstechniken erstellt. Die Atemwegsliga stellt zudem Video-Anleitungen für viele verschiedene Inhalatoren zur Verfügung.

Die Leitliniengruppe empfiehlt, das ausgewählte Inhaliergerät nicht zu wechseln, da eine Änderung der eingeübten Technik zu schlechteren Therapie-Ergebnissen führen kann. Falls das dennoch nötig wird, sollte nach dem Wechsel auf ein neues Gerät eine gründliche Schulung erfolgen.

Bildliche Anleitung, wie man ein Dosieraerosol richtig anwendet: Schutzkappe abnehmen. Das Spray schütteln. Vollständig ausatmen. Mundstück mit den Lippen fest umschließen. Gleichmäßig und tief einatmen, gleichzeitig den Sprühstoß auslösen.

Was kann man selbst tun?

Asthmaschulung

Ein häufiger Grund für eine nicht gut kontrollierte Asthma-Symptomatik ist die fehlerhafte Anwendung der inhalativen Therapien. Bei einer Asthmaschulung lernt man den Umgang mit den Inhalationssystemen („Device“). Außerdem werden die Wirkung und die Einnahme der Medikamente erklärt.

Zusätzlich wird in einer Asthmaschulung die Symptom-Wahrnehmung verbessert und es werden Techniken und Hilfsmittel gezeigt, die das Leben mit Asthma leichter machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, den Umgang mit akuten Asthmaanfällen zu trainieren und Selbstsicherheit im Befolgen des individuell erstellten Notfallplans zu erlernen.

 

Asthma-Tagebuch

Das Führen eines Asthma-Tagebuches erleichtert den Überblick über den Verlauf der Erkrankung. Eventuell lassen sich so zum Beispiel Auslöser identifizieren und die Wirkung der Medikamente besser einschätzen.

Teil des Asthma-Tagebuches kann ein Peak-Flow-Protokoll sein. Mit dem Peak-Flow-Meter wird gemessen, wie stark der Ausatmungs-Spitzenfluss aus der Lunge ist, der eine grobe Orientierung über den aktuellen Stand des Asthmas geben kann. Das regelmäßige Protokollieren der Werte hilft, den Erfolg der Behandlung zusammen mit dem behandelnden Arzt einzuschätzen. Hier finden Sie eine Asthma-Tagebuch-Vorlage, als PDF zum Drucken.

 

Bewegung und Sport

Bewegung und Sport sind für Menschen mit Asthma bronchiale besonders wichtig. Regelmäßige Bewegung erhöht bei ihnen die Belastbarkeit und Lebensqualität und verringert die Sterblichkeit. Entsprechende Untersuchungen gibt es für Yoga, das ja auch die Atmung schult, sowie für Schwimmen. Die Autorinnen und Autoren der Nationalen Versorgungsleitlinie empfehlen für leichter Erkrankte alle Angebote des Schul-, Breiten- und Ausdauersports, für Ältere oder schwerer Erkrankte die Lungensportgruppen überall in Deutschland. Beim Sport sollte die Bedarfsmedikation stets griffbereit sein. Gegebenenfalls kann auch eine Salbutamol-Inhalation vor dem Sport ratsam sein, nach Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin.

 

Atemtechniken und andere Hilfen

Die sogenannte Lippenbremse sowie spezielle Körperhaltungen erleichtern das Atmen bei Luftnot. Bei der Lippenbremse werden die Lippen erst entspannt aufeinander gelegt, dann aufeinander gepresst. Durch die zusammengepressten Lipppen atmet man dann langsam aus. 

Weitere Hilfestellungen erhalten Menschen mit Asthma in speziellen Atemschulungsangeboten.

 

Allergene und Auslöser meiden

Wenn möglich, sollten Menschen mit allergischem Asthma die entsprechenden Allergene meiden. Wie das am besten geht, hängt ganz von der jeweiligen Allergie ab. Ein Beispiel: Milben-undurchlässige Bettbezüge können Kinder mit Asthma, die gleichzeitig unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden, vor schweren Anfällen schützen. Ihr Einsatz senkt die Zahl der Kinder, die sich in einer Klinik behandeln lassen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie von 2017. Mehr zur Allergenvermeidung erfahren Sie in unseren Kapiteln zum Heuschnupfen, zur Tierhaarallergie und Hausstaubmilbenallergie.

Reagiert man besonders auf kalte Luft, sollte man im Winter möglichst nur durch die Nase atmen. So wird die Luft schon etwas erwärmt, bevor sie in die unteren Atemwege gelangt. Das Bedarfs-Asthmaspray sollte man am besten immer dabei haben.

Letzte Aktualisierung: 23. April 2019 / Quellen
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Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

Quellen:
Letzte Aktualisierung:
23. April 2019

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