Anaphylaxie vorbeugen

Wie bei allen allergischen Erkrankungen ist auch bei der Anaphylaxie die wichtigste Präventionsmaßnahme, das Allergen künftig zu meiden. Doch das ist nicht immer zuverlässig möglich. Bei manchen Betroffenen kann schon das zufällige Einatmen kleinster Mengen des allergieauslösenden Stoffes eine Anaphylaxie auslösen. Daher werden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte den Betroffenen in vielen Fällen empfehlen, ein Notfallset stets bei sich zu tragen. Mit Hilfe dieses Notfallsets können auch Laien sofort wirksame Erste Hilfe leisten – ein manchmal lebensrettender Zeitgewinn.

In Kürze:

Ein Notfallset kann Leben retten. Nehmen Sie alle darin enthaltenen Tabletten und/oder Tropfen auch dann ein, wenn Sie nach Kontakt zu „Ihrem“ Allergen noch keine Symptome spüren.

Das Notfallset

Das Notfallset kann Leben retten, falls kein Arzt oder keine Ärztin in der Nähe ist oder es zu lange dauert, bis eine/r kommt. Gerade bei einer schweren Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergie kann es innerhalb von Minuten zu einem anaphylaktischen Schock mit Kreislaufkollaps und Atemstillstand kommen. Damit jedoch auch andere helfen können, müssen Freunde, Verwandte, Kollegen/innen oder Aufsichtspersonen allergischer Kinder über das Vorhandensein und den Gebrauch des Sets informiert werden. Sonst weiß im Extremfall keiner, was zu tun ist – und der/die Betroffene kann es vielleicht schon nicht mehr selbst tun.

Inhalt des Notfallsets

Rote Tasche mit weißem Kreuz zur Darstellung eines Notfallsets bei Anaphylaxie
© petrosven/ Fotolia

Ein Notfallset enthält:

  • einen Adrenalin-Autoinjektor (Fertigspritze), mit dem die Betroffenen selbst sofort Adrenalin in einen Muskel spritzen können,
  • ein Antihistaminikum gegen die Entzündungsreaktion,
  • gegen ein erneutes Auftreten der Entzündungsreaktion nach der Erstbehandlung ein Glukokortikoid als Flüssigkeit, Zäpfchen (bei Kindern) oder Tablette,
  • bei bekanntem Asthma: ein bronchienerweiterndes Medikament (Beta-2-Sympathomimetika),
  • und/oder Adrenalin zur Inhalation,
  • einen Anaphylaxie-Pass, in dem der behandelnde Arzt oder die Ärztin vermerken kann, in welcher Dosis zusätzliche Medikamente gegeben werden sollten,
  • einen Anaphylaxie-Notfallplan, der Passbild und Personalien des Betroffenen enthält sowie charakteristische Frühsymptome und Hilfsmaßnahmen in laienverständlicher Sprache erklärt (insbesondere bei Kindern und hilflosen Personen erforderlich).

Wer benötigt ein Notfallset?

Sobald ein Kontakt zur allergieauslösenden Substanz (etwa: Insektengift) sicher stattgefunden hat, sollten Betroffene alle Tabletten aus dem Notfallset auch dann einnehmen, wenn (noch) keine Symptome auftreten.

Das Notfallset inklusive des Autoinjektors wird in der Regel immer dann verschrieben, wenn

  • die Betroffenen unter Asthma leiden und in der Vergangenheit systemische allergische Reaktionen hatten,
  • die systemischen Reaktionen im Lauf der Zeit immer schwerer verliefen,
  • die Betroffenen auf Erdnüsse, Baumnüsse oder Sesam systemische Reaktionen gezeigt haben,
  • es schon früher anaphylaktische Reaktionen gegen allergieauslösende Substanzen gab, die sich im Alltag nicht sicher vermeiden lassen,
  • die Betroffenen einen hohen Sensibilisierungsgrad aufweisen, also bereits auf kleinste Mengen des Allergens mit Symptomen reagieren,
  • sie als Erwachsene an einer Mastozytose leiden.

Es ist wichtig, die Betroffenen, ihre Angehörigen und Freunde sowie bei Kindern die Lehrer und Erzieher ausreichend zu schulen. Sie sollten die Frühsymptome einer Anaphylaxie erkennen, mit dem Adrenalin-Autoinjektor umgehen können und einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen beherrschen. In vielen Städten und Gemeinden bietet die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie Training und Edukation e.V. (AGATE) derartige Schulungen an. Kostenlose Online-Schulungen (Webinare) und Tipps für Eltern von Kindern mit Anaphylaxie bietet auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). 

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Regina Treudler
Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipziger Centrum für Allergologie (LICA)

E-Mail: Allergie-HautkliniknoSp@m@medizin.uni-leipzig.de

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

Letzte Aktualisierung:

04. Dezember 2018