Grundlagen

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Hausstaub bei Hausstaubmilbenallergie

Es gibt eine Vielzahl von Allergenen in der eigenen Wohnung. Dort leben unsichtbare „Haustiere“, die Hausstaubmilben. Sie selbst und vor allen Dingen ihr Kot enthalten zahlreiche Allergene. Wer unter Kopfschmerzen, Husten- und Niesanfällen oder tränenden Augen leidet, ohne dass eine Erkältung zum Vorschein kommt, sollte überprüfen lassen, ob eine Milbenallergie die Ursache sein könnte.

Milben gehören zu den Spinnentieren und treten in fast 200 verschiedenen Arten auf. Die für allergische Erkrankungen am häufigsten verantwortlichen Milben gehören zu den Hausstaub- (Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae und Euroglyphus maynei) und Vorratsmilben. Während Hausstaubmilben überwiegend in direktem Kontakt zum Menschen (unter anderem in Matratzen) vorkommen, werden Vorratsmilben hauptsächlich auf Lebensmittelvorräten und organischem Material in Kellern, dem Küchenbodenstaub sowie in Küchen- und Speiseschränken gefunden.

Hausstaub ist ein in jedem Wohnraum anders zusammengesetztes Gemisch. Es kann Rückstände von Chemikalien enthalten. In Innenräumen werden häufig schwer flüchtige organische Verbindungen (Semivolatile Organic Compounds, SVOC) wie Bromidverbindungen, Organophospate, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFASs), Phtalate und Pestizide gefunden. Bromidverbindungen kommen zum Beispiel in Flammschutzmitteln und Desinfektionsmitteln vor, Organophosphate außerdem in Kunststoffen, Lacken und Insektenvernichtungsmitteln. Phtalate finden sich als Weichmacher ebenfalls in Kunststoffen, aber auch in Kosmetika und Medikamenten. PFASs werden unter anderem in Outdoor- und Arbeitsbekleidung sowie in Lebensmittelverpackungen verwendet.

Zu den übrigen Komponenten, die im Hausstaub anzutreffen sind, gehören neben dem Milbenkot zum Beispiel

  • Textilfasern
  • Pilzsporen
  • Bakterien
  • Nahrungsmittelreste
  • menschliche und gegebenenfalls tierische Hautschuppen

Entstehung der Hausstaubmilbenallergie

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Milben und vor allem ihr kot enthalten zahlreiche Allergene.

Zunächst: Hausstaubmilbenallergien sind kein Zeichen für eine unhygienische Haushaltsführung. Schätzungsweise zwei bis zehn Millionen Milben leben durchschnittlich in einer Matratze. Ein Gramm Hautschuppen, das der Mensch täglich verliert, reicht dieser Milbenpopulation sechs Wochen lang als Nahrung aus.

Polstermöbel und Teppiche sind ebenfalls beliebte Aufenthaltsorte der Hausstaubmilben, genauso Kuscheltiere. Ideale Lebensbedingungen für die Milben herrschen bei einer Raumtemperatur von 25 Grad sowie einer Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 80 Prozent. Es gibt verschiedene Arten von Milben. Die beiden bekanntesten sind Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae. Der Begriff „Dermatophagoides“ bedeutet „Hautfresser.“ Der Kot der Hausstaubmilbe vermischt sich mit anderen Bestandteilen wie Textilfasern, Nahrungsmittelresten, Pilzsporen, Bakterien sowie Haaren, Federn und Hautschuppen von Menschen oder Haustieren und vielen anderen Substanzen aus Innenräumen zu dem Gemisch, das wir als Hausstaub bezeichnen.

Die weiß-gräulichen, spinnenartigen Lebewesen sind etwa 0,1 bis 0,5 Millimeter groß. Sie saugen, beißen oder stechen nicht und übertragen auch keine Krankheiten. Aber vor allem in ihrem Kot sind zahlreiche Allergene enthalten. Eine Hausstaubmilbe produziert durchschnittlich 20 Kotkügelchen pro Tag. In einem Gramm Hausstaub finden sich mehr als 250.000 Kotkügelchen.

Bei Menschen, die bereits bei einem früheren Kontakt gegen Eiweißmoleküle im Milbenkot sensibilisiert wurden, kann eine Sofortreaktion einsetzen.

Im Zuge der Sensibilisierung haben sich spezifische IgE-Antikörper gebildet, welche die Mastzellen des Immunsystems dazu anregen, entzündungsfördernde Botenstoffe freizusetzen.

Bisweilen kommen Kreuzallergien vor: Proteine (Eiweißbestandteile) von Krebstieren wie Garnelen, Krebsen oder Hummer ähneln denen der Hausstaubmilben.

Video zur Entstehung von Allergien

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Letzte Aktualisierung: 21.06.2018 / Quellen
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Quellen:
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Letzte Aktualisierung:
21.06.2018

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

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