Heuschnupfen - Was ist das?

© Kzenon/fotolia
Heuschnupfen / © Kzenon-Fotolia

Die Wissenschaft unterscheidet Allergien nach den Mechanismen, die der allergischen Reaktion zugrunde liegen, in vier Typen. Heuschnupfen gehört zum Typ I, dem Soforttyp. Das bedeutet, die Reaktion tritt unmittelbar nach Kontakt mit dem Allergen auf. Vier bis sechs Stunden später kann es noch einmal zu Symptomen kommen. Zu Allergien des Soforttyps zählen neben dem Heuschnupfen unter anderem das allergische Asthma und die Insektengiftallergie.

In Kürze

Nicht selten reagieren Menschen gegenüber den Pollen mehrerer Baum- und Gräserarten allergisch.

Auslöser von Heuschnupfen

Mit den Pollen (Blütenstaub) verbreiten viele Pflanzenarten ihr männliches Erbgut. Die Größe von Pollen misst man in Hunderttausendstel Metern (Mikrometer). Schwere Pollenkörner werden von Insekten transportiert, leichte Pollen verbreiten sich mit dem Wind. Dabei können sie bis in große Höhen aufsteigen und über mehrere Hundert Kilometer fliegen. Die Pollenallergie wird fast ausschließlich von windbestäubten Pollen ausgelöst. Sie sind kleiner und dringen darum leichter in die tiefen Atemwege ein.

Jede Pflanzenart hat eine andere Blütezeit. Deren Intensität und Dauer richtet sich nach geographischer Lage und Witterung. Regenwetter reduziert die Zahl der Pollen in der Luft drastisch. Daher ist für Pollenallergiker nach einem Regen der Aufenthalt im Freien angenehmer.

In Mitteleuropa beginnen manche Pollen bereits im Januar zu fliegen. Saisonale Höhepunkte gibt es im April und Juli. Aber auch danach bleiben viele Pollenallergiker nicht verschont. Die aus den USA eingeschleppte Pflanze Ambrosia beispielsweise beginnt erst im August mit der Blüte, die bis zum ersten Schnee dauern kann. Danach beginnen schon wieder die Haselpollen zu fliegen, die sich den Winter für ihre Blüte ausgesucht haben. Der Klimawandel sorgt zusätzlich für eine Ausdehnung der Pollensaison.

Haselpollen zählen zu den wichtigsten Allergieerregern. Sehr viele Menschen sind auch gegen Birken- und Erlen- sowie Gräserpollen allergisch. Unter den Getreidepollen spielt der Roggen eine große Rolle. Bei Kräutern sind es Beifuß- und Nesselpollen. Häufig haben Betroffene Allergien gegen mehrere Pollenarten gleichzeitig, da deren allergieauslösenden Bestandteile sich in ihren Strukturen sehr ähneln. Das trifft in erster Linie auf Bäume  und Gräserpollen zu.

Gut zu wissen

Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst bietet täglich aktuelle Pollenvorhersagen.

Symptome von Heuschnupfen

Heuschnupfen macht sich mit einem oder mehreren der folgenden Hauptsymptome bemerkbar:

  • Fließschnupfen („laufende Nase“)
  • juckende Nase
  • häufiger Niesreiz
  • verstopfte Nase
  • tränende, juckende, entzündete Augen

Betroffene fühlen sich zudem häufig erschöpft, klagen über Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder entwickeln sogar Fieber. Auch Hautreaktionen wie Schwellungen, Ekzeme oder Ödeme können die klassischen Heuschnupfensymptome begleiten.

Selbst wenn Betroffene die Beschwerden als mild empfinden, kann Heuschnupfen die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Viele fühlen sich müde und können sich schlechter konzentrieren. Außerdem zwingt ein Reflex bei jedem Niesen dazu, die Augen kurz zu schließen. Auch das ist am Steuer gefährlich. In einer aktuellen französischen Studie beschrieben mehr als 60 Prozent der Betroffenen, dass der Heuschnupfen ihre Fahrfähigkeit beeinträchtige. Aus diesem Grund kann es wichtig sein, auch als mild empfundene Symptome nicht zu ertragen, sondern behandeln zu lassen.

Unbehandelt kann Heuschnupfen zu ernsthaften, oft chronischen Folgeerkrankungen führen. Dazu gehört zum Beispiel die Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung). Bei vielen Menschen wird außerdem die Schleimhaut sehr empfindlich. Nicht-allergische Reize wie Zigarettenrauch oder trockene Heizungsluft führen bei ihnen dann ebenfalls zu Symptomen. Oft werden die Bronchien in Mitleidenschaft gezogen, so dass sich Husten und Atemnot entwickeln. Langfristig entsteht daraus in vielen Fällen allergisches Asthma, eine ständige Entzündung der unteren Atemwege mit Anfällen von Atemnot. Man spricht von einem „Etagenwechsel“ der Allergie, weil sie sich eine Etage tiefer, in der Lunge, bemerkbar macht.

Frühe Anzeichen für einen Übergang vom allergischen Schnupfen zum Asthma bronchiale (Etagenwechsel):

  • Trockener, sekretarmer Reizhusten (bei Hausstaubmilbenallergie vorwiegend nachts, bei Pollenallergie im Freien und oft in Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung)
  • Brennen hinter dem Brustbein (beim Einatmen)
  • Bei Kindern Nachlassen der sportlichen Leistung
  • Häufige Infekte der tieferen Atemwege (Bronchitis)

Eine weitere Komplikation sind so genannte Kreuzallergien. Diese können entstehen, wenn Bestandteile der Pollenallergene Ähnlichkeiten mit Allergenen in Nahrungsmitteln aufweisen. Das Immunsystem erkennt dann auch in diesem Nahrungsmittel einen Feind und reagiert mit Allergie-Symptomen.

In Kürze:

Bei Heuschnupfenpatienten ruft das Immunsystem eine Entzündung hervor, um die Pollen zu bekämpfen. Diese Entzündung äußert sich in Krankheitssymptomen wie Niesen oder roten Augen.

Entstehung von Heuschnupfen

Allergien entstehen, wenn das Immunsystem lernt, gegen eigentlich harmlose Substanzen, wie zum Beispiel eingeatmete Blütenpollen, Abwehrreflexe zu entwickeln. Der Lernprozess verläuft in zwei Schritten. Beim ersten Zusammentreffen zwischen Immunsystem und dem künftigen Allergen gibt es noch keine spürbaren Krankheitssymptome. Im Immunsystem passiert dafür umso mehr: Bei Allergien des Soforttyps wie dem Heuschnupfen sorgen spezielle weiße Blutzellen, die Lymphozyten dafür, dass Antikörper (Immunglobuline) gebildet werden, die genau auf die Struktur des Allergens zugeschnitten sind (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Das ist die so genannte Sensibilisierung. Es handelt sich um Immunglobuline der Klasse E (IgE). Der Nachweis einer erhöhten IgE-Konzentration signalisiert das mögliche Vorhandensein einer Allergie.

 

Von der Sensibilisierung zur allergischen Reaktion

Bei weiteren Zusammentreffen mit dem Allergen ist das Immunsystem vorbereitet. Jederzeit kann es jetzt zu allergischen Reaktionen kommen: Wenn das Allergen in die Atemwege eindringt, wird es von spezialisierten Lymphozyten wiedererkannt, die dafür sorgen, dass andere Immunzellen aktiviert und IgE-Antikörper gebildet werden. Bei den nun ablaufenden Prozessen werden aus bestimmten Zellen entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt, die wiederum weitere Immunzellen anlocken und stimulieren. Diese Reaktionskette im Immunsystem läuft in ähnlicher Weise ab wie die Abwehr von Krankheitserregern ab, wobei dort überwiegend andere Klassen von Immunglobulinen gebildet werden. Die Botenstoffe, darunter die Substanz Histamin, bewirken die typischen Symptome wie Niesen, Husten oder Hautausschläge.

 

Komplexer Zusammenhang von Lebensstil, Hygiene und Allergieneigung

Die Antikörper Immunglobulin E (IgE), in den meisten Fällen das Markenzeichen einer Allergie vom Soforttyp wie Heuschnupfen, hatten im Immunsystem ursprünglich die Aufgabe, Darmwürmer und andere Parasiten zu bekämpfen. In den Industriestaaten kommen Parasiten heute kaum noch vor. Daher wird in der Wissenschaft die Ansicht vertreten, dass die „unterbeschäftigten“ IgE-Antikörper auf eigentlich harmlose Substanzen wie Blütenpollen umgelenkt worden seien. Dies ist nur einer von mehreren Erklärungsansätzen, die alle auf einen komplexen Zusammenhang zwischen wachsendem Lebensstandard, verbesserter Hygiene und steigender Allergieneigung hindeuten.

Letzte Aktualisierung: 14. März 2017 / Quellen
Schließen
Quellen:
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Kindergesundheit-info.de: Was tun bei Heuschnupfen?
  • Pfaar, O. et al.: S2k-Leitlinie Leitlinie zur (allergen-) spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. In: Allergo J Int 2014; 23: S. 282 – 319.
  • Worm M. et al.: S1-Leitlinie zur Nahrungsmittelallergie infolge immunologischer Kreuzreaktivitäten mit Inhalationsallergenen.  In: Allergo J Int February 2014; 23: 1, S. 16–31.
  • Beck, I. et al.:  High Environmental Ozone Levels Lead to Enhanced Allergenicity of Birch Pollen. PLOS one, Nov 20, 2013.
  • Chaker, A.: Allergische Rhinitis im Kindesalter. In: Pädiatrische Allergologie 3/2013, S. 6-9
  • Demoly, P. et al.: Allergic Rhinitis Increases the Risk of Driving Accidents. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology (2017), doi: 10.1016
  • Graham-Rowe, D.: When Allergies go West. In: Nature, Vol 479, Nov. 2011. Online Publication
  • Gürlich, K. et Al.: Respiratory and allergic diseases of children: Temporal trends, urban-rural differences, and in association with environmental tobacco smoke exposure. In: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2016 Dec; 59(12):1566-1576.
  • Höflich, C.: Klimawandel und pollen-assoziierte Allergien der Atemwege. – Homepage des Umweltbundesamtes (Letzter Abruf: 14.02.2017)
  • IQWIG – gesundheitsinformation.de: Allergischer Schnupfen: Nichtmedikamentöse Maßnahmen, 2014 (letzter Abruf 06.03.17)
  • Julius-Kühn-Institut: Die Beifuß-Ambrosie, Flyer 2013
  • Kanter, U. et al.: Molecular and Immunological Characterization of Ragweed (Ambrosia artemisiifolia L.) Pollen after Exposure of the Plants to Elevated Ozone over a Whole Growing Season. In: PLOS One, 13.04.13, online publication
  • Kinderumwelt – allum.de: Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) (letzter Abruf 06.03.17)
  • Manabu S. et al.:  The role of long-lived reactive oxygen intermediates in the reaction of ozone with aerosol particles. In: Nature Chemistry 3/2011, 291
  • Robert-Koch-Institut (RKI, Hrsg.): Gesundheit in Deutschland 2015, S. 77-82
  • Ring, J. et al: Weißbuch Allergie in Deutschland 3. Auflage, München 2009
  • Ring J. Angewandte Allergologie, 3. Aufl., Urban & Vogel, München, 2004
  • Schmitz, R. et. al.: Verbreitung häufiger Allergien bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). In: Bundesgesundheitsbl 2014 · 57, S. 771–778
  • Slovik, A. et al.: Intradermal Grass Pollen Allergen Immunotherapy for Seasonal Allergy: A Randomized Controlled Trial. In: J Allergy Clin Immunol. 2016, Oct 20. Online Publication (Abstract)
Letzte Aktualisierung:
14. März 2017
Veranstaltungskalender

Hier finden Sie aktuelle Termine zu Vorträgen, Seminaren und anderen Patientenveranstaltungen rund um das Thema Allergien

Fachbegriffe A - Z

Von A wie Anamnese bis Z wie Zytokine - Das Allergielexikon zum Nachlesen

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann

Allergie-Centrum-Charité

Charité - Universitätsmedizin Berlin

E-Mail:
karlchristianbergmann noSp@m@gmail.com

Pollenflugkalender

Für Pollenallergiker sind die aktuellen Pollenflugvorhersagen der Stiftung Polleninformationsdienst eine wichtige Information um Allergenkontakte vermeiden zu können