Risikofaktoren für Heuschnupfen

Allergien wie Heuschnupfen entstehen im Zusammenspiel zwischen genetischer Veranlagung und schädlichen Umwelteinflüssen.

Kurz erklärt:

Die Neigung zu einer Allergie wird vererbt, wobei Kinder nicht die gleiche Art von Allergie bekommen müssen wie ihre Eltern. Fest steht, dass für den tatsächlichen Ausbruch einer Allergie Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen.

Heuschnupfen: Die Rolle der Gene

Kinder, deren Eltern bereits an Heuschnupfen oder einer anderen Allergie leiden, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst eine Allergie zu entwickeln. Wenn beide Eltern eine Allergie haben, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 bis 70 Prozent, dass ihr Kind ebenfalls erkrankt.

Diese familiäre Neigung, auf den Kontakt mit Stoffen aus der Umwelt mit der Bildung von IgE-Antikörpern zu reagieren, wird als Atopie bezeichnet. Sie steht in Zusammenhang mit der Entwicklung bestimmter Krankheiten in unterschiedlichen Organen. Zu diesen gehören neben dem allergischen (Heu-)Schnupfen auch das allergische Asthma und die Neurodermitis.  

Heuschnupfen und Rauchen

Zusammenhänge zwischen Aktiv- und Passivrauchen sowie Allergien sind vor allem für Asthma wissenschaftlich belegt. Bei Kindern mit Neurodermitis wächst die Gefahr, zusätzlich ein allergisches Asthma zu entwickeln, wenn sie Passivrauch ausgesetzt sind. Da etwa ein Drittel aller Kinder mit Heuschnupfen später ein allergisches Asthma entwickeln (Etagenwechsel), liegt der Schluss nahe, dass passives oder gar aktives Rauchen auch hier der Erkrankung Vorschub leistet.

Heuschnupfen und Abgase

© Ralf Gosch/fotolia
Heuschnupfen durch Abgasbelastung / © Ralf Gosch - Fotolia

Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Stickoxide und Dieselruß aus dem Straßenverkehr direkt und indirekt das Allergiegeschehen beeinflussen. Sie führen dazu, dass die Schleimhäute durchlässiger werden und erleichtern so den Allergenen ihren Weg in den Körper. Seit langem wird auch vermutet, dass der sogenannte oxidative Stress, der beim Einatmen winziger Schadstoffpartikel entsteht, zum Anstieg und zur Verschlimmerung allergischer Atemwegserkrankungen führt. Aktuelle Studien liefern immer mehr Hinweise, wie dieser Prozess abläuft. Mainzer Wissenschaftler entdeckten langlebige Sauerstoffverbindungen auf der Oberfläche dieser Partikel, die Eiweißmoleküle von Pollen verändern. So können diese womöglich den Krankheitsverlauf bei Heuschnupfen und anderen allergischen Atemwegserkrankungen verschlimmern.

Weitere Studien sind im Gange. Münchner Forscher fanden bereits 2013 weitere Belege für derartige Zusammenhänge. Sie verglichen Birkenpollen aus stärker und schwächer Ozon-belasteten Gegenden rund um München. Die Untersuchungen zeigten, dass Pollen aus Gebieten mit höherer Ozonbelastung auch heftigere Allergieattacken verursachten.

Heuschnupfen: die Bedeutung des Klimawandels

Zunehmend wird heute auch der Klimawandel als Einflussgröße für Allergien diskutiert, da sich durch ihn die Leidenszeit für Pollenallergiker verlängern könnte. Einige Pflanzen haben ihre Blütezeit aufgrund der gestiegenen Temperaturen erheblich ausgedehnt, sodass Pollenflug bereits im Januar oder gar im Dezember möglich ist. Und in einer wärmeren Umgebung fühlen sich auch Pflanzen wohl, die früher in Deutschland überhaupt nicht wuchsen.

Bekanntestes Beispiel ist die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia, Aufrechtes Traubenkraut). Sie blüht zwischen August und dem ersten Frost. Jede Pflanze kann bis zu einer Milliarde Blütenpollen abgeben, und diese Pollen sind zudem deutlich aggressiver als der Blütenstaub heimischer Pflanzen. Schon eine Konzentration von mehr als zehn Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft kann heftige allergische Reaktionen auslösen. In den USA gilt die Ambrosia als häufigster Auslöser von Heuschnupfen und allergischem Asthma. In Deutschland gibt es noch keine gesicherten Daten über die Zahl der von Ambrosia verursachten Allergien. Doch die Behörden schätzen die Lage kritisch ein. Im Jahr 2015 gab es in Deutschland erstmals koordinierte Aktionen zur Vernichtung von Ambrosia-Pflanzen.

Wer eine Ambrosia-Pflanze entdeckt, tut vielen Menschen einen Gefallen, wenn er sie ausreißt und entsorgt. Dabei sollten allerdings Handschuhe getragen werden, und, falls die Pflanze bereits blüht, eventuell ein Mundschutz. Größere Ambrosia-Bestände, ab zirka 100 Pflanzen, sollten der zuständigen Kommunalbehörde (beispielsweise dem Landratsamt oder Kreisverwaltungsreferat) gemeldet werden. So können Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, dass Allergiker weniger Beschwerden haben.

Letzte Aktualisierung: 1. Februar 2019 / Quellen
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Quellen:
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Letzte Aktualisierung:
1. Februar 2019

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

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