Kontaktallergie - Was ist das?

© mimariam/fotolia
Kontaktallergie - Mann kratzt sich am Arm

Eine Kontaktallergie zeigt sich meist durch Veränderungen der Haut. Oft ist diese gerötet, wirft Bläschen und juckt oder brennt. Wird ein Ekzem chronisch, ist es gekennzeichnet durch eine stark schuppende, eingerissene, verdickte Haut. Für den Laien ist es oft schwer, eine Kontaktallergie zu erkennen. Denn zum einen können viele verschiedene Gründe zu Hautveränderungen führen. Zum anderen treten die Beschwerden verzögert auf, 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt zum auslösenden Stoff. Klarheit bringen Untersuchungen bei einem Facharzt oder einer Fachärztin.

Kontaktallergien entstehen, grob gesagt, in zwei Schritten. Erst findet eine Sensibilisierung gegen einen Stoff statt. Gerät dieser Stoff danach in direkten Kontakt mit der Haut, kommt es das erste Mal zu Beschwerden. Das Immunsystem erkennt mit einiger Verspätung den Stoff als „Feind“ und versucht, ihn durch Entzündungsvorgänge in der Haut abzuwehren, obwohl der Hautkontakt unter Umständen schon nicht mehr besteht. Eine einmal erworbene Kontaktallergie bleibt lebenslang bestehen. Allergische Reaktionen kann man dann nur umgehen, indem man jeden Kontakt zum auslösenden Stoff vermeidet.

Nicht immer ist es eine Allergie

Doch zum Glück deutet nicht jedes Röten, Jucken, Brennen oder Spannen der Haut sofort auf eine Allergie hin. Es kann sich auch um eine Irritation handeln. Irritationen sind keine allergischen Reaktionen, das heißt, es liegt keine Sensibilisierung gegenüber einem bestimmten Stoff vor. Die Haut ist hier durch chemische und/oder physikalische Reize geschädigt. Wasser, Seifen, Reinigungsmittel, Säuren, Laugen und Lösungsmittel können Hautirritationen auslösen.

Ein bekanntes Beispiel für eine Irritation der Haut ist die Windeldermatitis. Sie wird durch den Kontakt der Haut mit Urin und Stuhl ausgelöst. Auch Speichel kann – vor allem bei Kleinkindern – solche Effekte haben (Leckekzem). Aber Achtung: Die Übergänge zur Allergie sind fließend. Auf der Grundlage irritativer Schädigungen kann sich später eine echte Kontaktallergie entwickeln. Da außerdem die Unterscheidung zwischen Allergie und Irritation oft schwierig ist, wird ein Epikutantest benötigt, um eine Allergie auszuschließen.

Gerötete, schuppende Haut kann auch auf eine Schuppenflechte (Psoriasis) hindeuten. Dies ist ebenfalls eine chronische Erkrankung, die dauerhaft behandelt werden muss. Die Psoriasis ist eine Autoimmunerkrankung. Das heißt, das Immunsystem wendet sich hier nicht gegen einen Fremdstoff, sondern gegen körpereigene Zellen. Rötungen, Juckreiz und Hautveränderungen können also auf verschiedene krankhafte Prozesse hindeuten. Hier ist die Fachärztin oder der Facharzt gefragt.

Gut zu wissen:

Auch Substanzen, die durch die Luft transportiert werden, können sich auf Gesicht, Händen oder Armen ablagern und dort Kontaktekzeme hervorrufen. Diese Möglichkeit sollte man bei der Suche nach dem Kontaktallergen in Betracht ziehen.

Formen von Kontaktallergien

Kontaktallergien kann der Mensch gegen eine Vielzahl von Stoffen entwickeln. Zu den häufigsten Kontaktallergenen zählen:

Nickel

Dabei reagiert der Körper auf nickelhaltige Gegenstände, also etwa Modeschmuck, den Knopf an der Jeans oder Handwerkzeug. Aber auch nickelhaltige Teile in Handys, Tablet-Computern oder Metallspielzeugen können bei Nickelallergien eine Rolle spielen. Frauen sind deutlich häufiger gegen Nickel allergisch als Männer.

Duftstoffe

Duftstoffe sind die häufigste Ursache für eine durch Kosmetika oder Parfüms bedingte Kontaktallergie. Man unterscheidet zwischen Duftstoffen natürlichen (insbesondere pflanzlichen) Ursprungs und künstlich hergestellten Duftstoffen. Kontaktallergien sind bei beiden Varianten möglich. Die 26 Duftstoffe mit dem größten allergenen Potential müssen in den Produkten deklariert werden.

Nicht nur die Haut ist Duftstoffen ausgesetzt, sondern zum Beispiel auch der Mundraum. Bei kontaktallergischen Reaktionen in Mund und Rachen kann es sich lohnen, die Zahnpasta unter die Lupe zu nehmen. So fand eine Gruppe schwedischer Autorinnen das Kontaktallergen L-Carvone in 64 von 66 Marken-Zahncremes. Es sorgt dort für den charakteristischen leichten Minzgeruch. Noch mehrere andere Zusatzstoffe in Zahnpasten können Kontaktallergien verursachen.

Neben Parfüms und Kosmetika werden Duftstoffe häufig in Reinigungsmitteln eingesetzt. Daher kommen viele Menschen auch am Arbeitsplatz oder beim Putzen der Wohnung damit in Kontakt. 

Inhaltsstoffe von Kosmetika und Haarfärbemitteln

© Robert Kneschke/fotolia.com
Kontaktallergie - Frau fotografiert mit dem Handy Inhaltsangaben ab

Konservierungsstoffe, Kunststoffe oder Farbstoffe in Kosmetika können Kontaktallergien auslösen. Bekannt ist die Kontaktallergie gegen die Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln. Sie betrifft Angehörige der Friseurberufe genauso wie Konsumentinnen und Konsumenten. Viele von ihnen färben sich einer niederländischen Studie zufolge auch dann noch die Haare, wenn sie Symptome der Allergie bereits spüren, unter anderem, weil sie es in ihrem Beruf für erforderlich halten. P-Phenylendiamin (PPD) ist das wichtigste Allergen in Haarfärbemitteln, aber keineswegs das einzige. Die deutsche Kontaktallergie-Gruppe hat 18 verschiedene Kontaktallergene in eine spezielle Testserie bei Angehörigen der Friseurberufe aufgenommen. Kontaktallergien gegen diese Stoffe können aber auch von Wimperntusche oder Augenbrauenstiften herrühren. Selbst in natürlichen Haarfärbemitteln fand ein schwedisches Forschungsteam zwar kein PPD, aber andere bekannte Kontaktallergene wie die organische Verbindung M-Aminophenol oder den synthetischen Farbstoff Acid Violet 43.

Konservierungsmittel

Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Konservierungsstoffen, die in der EU zugelassen sind. Sie müssen in Annex V der EU-Kosmetikrichtlinie gelistet sein. Das bedeutet auch, dass sich oft die gleichen Konservierungsstoffe in einer Vielzahl verschiedener Artikel finden. Das macht es schwierig, diese Stoffe zu vermeiden, wenn man allergisch gegen sie ist.

Das Konservierungsmittel Formaldehyd ist ein Kontaktallergen, das bei bestimmten Berufen noch eine Rolle spielt, in Kosmetika aber größtenteils durch andere Stoffe ersetzt wurde. Einige dieser Stoffe werden Formaldehyd-Releasers genannt, weil sie Formaldehyd an die Umgebung abgeben. Ein schwedisches Forscherteam hat bei Produkttests in 58 von 245 Kosmetika eine von beiden Stoffgruppen festgestellt. Bei 17 dieser Produkte war weder Formaldehyd noch ein Formaldehyd-Releaser deklariert. Die Forschergruppe empfiehlt Menschen, die gegen Formaldehyd sensibilisiert sind, sich nicht auf die Produkt-Deklaration zu verlassen. Möglich wäre, die Kosmetika selbst analysieren zu lassen. Doch das ist teuer und im Alltag kaum praktikabel. In einer weiteren Arbeit stellte die Gruppe fest, dass bei Menschen, die bereits eine Formaldehyd-Allergie haben, bereits kleinste Konzentrationen des Stoffes ausreichen, um erneut Symptome hervorzurufen.

Fachleute in ganz Europa haben in den letzten Jahren einen starken Anstieg der Kontaktallergien gegen Isothiazolinone beobachtet. Die bekanntesten Varianten dieser Stoffgruppe, abgekürzt MCI/MI, wurden bislang verbreitet als Konservierungsmittel in Kosmetika genutzt, kommen aber auch in Reinigungsmitteln, Wandfarben, Lacken, Klebstoffen und Kühlflüssigkeiten vor. Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 hat die EU-Kommission Methylisothiazolinon (MI) in Make-up, Lippenstift, Wimperntusche und anderen Kosmetika verboten, die länger auf der Haut verbleiben. In abwaschbaren Kosmetikprodukten wie Shampoos, Duschgelen und feuchten Wischtüchern kann MI ebenfalls enthalten sein. Diese werden aber von dem Verbot nicht erfasst. Ebenso wenig gilt das Verbot für Reinigungsmittel. Ein Schweizer Forschungsteam fand 2017 Isothiazolinone in 42,9 Prozent aller Reinigungsmittel, aber nur in 7,9 Prozent aller Kosmetika. Mittlerweile sind auch Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Vertretern der Stoffgruppe bekannt.

Kunststoffe

Die Zahl der Fälle von Kontaktallergien gegen Acrylate, die oft als Bestandteile von Nagellack oder als Mittel zum Befestigen und Aushärten künstlicher Fingernägel verwendet werden, steigt in vielen europäischen Ländern an. Das betrifft als beruflich verursachte Allergie auch Angestellte in Nagelstudios.

Kontaktallergien gegen Epoxidharze spielen ebenfalls vor allem im beruflichen Zusammenhang eine Rolle. Diese werden beispielsweise als Einbrennlacke, Klebstoffe, für Laminate und als Formmassen für Komponenten in der Elektrotechnik verwendet.

Tätowierfarben

©4 frame group/fotolia
Frau bei der Entfernung eines Blumen-Tattoos am Rücken

Hautreaktionen im Zusammenhang mit Tätowierungen sind selten. Wenn sie jedoch auftreten, sind die Folgen in der Regel schwerwiegend – zumal Tätowierungen nicht ohne weiteres wieder entfernt werden können. Außerdem können sich die Farbpigmente vom Tattoo aus im ganzen Körper ausbreiten. Dadurch kommt es zu Entzündungen und allergischen Reaktionen an Körperstellen, die gar nicht tätowiert wurden. Auch Henna-Tattoos können Kontaktallergien auslösen. Dabei ist nicht der Naturstoff Henna das Problem, sondern der von Haarfärbemitteln bekannte Zusatzstoff para-Phenylendiamin (PPD), der für einen dunkleren bis schwarzen Farbton sorgen soll. Er ist inzwischen in der Europäischen Union für die Anwendung in Tattoos verboten. Sicher kann man aber nicht sein, dass dieses Verbot immer beachtet wird. Und in Urlaubsländern außerhalb Europas gilt es nicht.

Pflanzen und Naturheilmittel

Naturheilmittel werden häufig bei verschiedenartigen Beschwerden angewendet. Was bei vielen Menschen heilend wirkt, löst jedoch bei anderen Allergien aus. Häufig sind Kontaktallergien gegen folgende pflanzliche Inhaltsstoffe: Arnika, Teebaumöl, Perubalsam, Propolis und Schafgarbe.

Berufsbezogene Kontaktallergien

In vielen Berufen vom Friseur über Pflegekräfte und Bäcker bis zur Zahntechnikerin besteht ein erhöhtes Risiko, eine Kontaktallergie zu entwickeln. Mehr über besonders Allergie-gefährdete Berufsgruppen und die jeweiligen Allergien finden Sie hier. Oft können Stoffe im Berufsalltag durch andere ersetzt werden; manchmal hilft auch eine persönliche Schutzausrüstung. Hier finden Sie die Maßnahmen zur Allergenvermeidung, die bei einer berufsbezogenen Allergie in Frage kommen. Kommt es trotz allen Umstellungen weiterhin zu Beschwerden, sind Betroffene gezwungen, die Position oder den Beruf zu wechseln. Dies kann manchmal auch der Fall sein, wenn das Allergen partout nicht identifiziert werden kann. Rechtliche Aspekte bei einer Allergie im Beruf sind hier zusammengefasst.

Entstehung von Kontaktallergien

Die Kontaktallergie ist meistens eine allergische Reaktion vom Spättyp. Sie unterscheidet sich in wichtigen Punkten vom Soforttyp:

  • Die Reaktion tritt erst 12 bis 72 Stunden nach Kontakt mit dem Allergen auf.
  • Anders als beim Soforttyp bilden sich keine auf das Allergen spezialisierten Antikörper. Stattdessen spezialisieren sich bestimmte Zellen des Immunsystems (T-Zellen) auf das Allergen. Wie bei jeder Allergie ist eine Sensibilisierung notwendig, also ein Symptom-freier Erstkontakt, in dessen Verlauf das Immunsystem beginnt, den auslösenden Stoff als Gefahr einzustufen. Erst beim Zweitkontakt läuft dann die Abwehrreaktion ab, und es treten Symptome auf.
  • Dieser Zweitkontakt erfolgt in der Regel durch direkten Hautkontakt. Bestimmte Allergene gelangen über die Luft an die Haut, lagern sich auf frei getragenen Hautarealen auf und können dort ein Kontaktekzem verursachen. Sehr selten ist die allergologisch relevante Aufnahme von Typ-IV-Kontaktallergenen mit der Nahrung; das Einatmen dieser Allergene führt in der Regel nicht zum Auftreten einer Kontaktallergie.

Wie die Entstehung genau vor sich geht, haben deutsche Forscherinnen und Forscher im Detail anhand der Nickelallergie untersucht. Winzige Metall-Ionen lösen sich vom Nickel ab. Das Immunsystem verwechselt sie mit sogenannten Lipopolysacchariden (LPS); das sind Bestandteile bestimmter Bakterien, die verschiedene Krankheiten verursachen können. An der Oberfläche der T-Zellen gibt es eine Andockstelle für dieses LPS, TLR-4-Rezeptor genannt. Dieser kann eine Entzündungsreaktion in Gang setzen, wenn er LPS "einfängt". Unglücklicherweise können auch die Nickel-Ionen hier andocken, was die gleiche Reaktion zur Folge hat.

Letzte Aktualisierung: 18.12.2018 / Quellen
Schließen

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

Quellen:
Letzte Aktualisierung:
18.12.2018

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.