Wie verbreitet sind Kontaktallergien?

Insgesamt sind etwa 3000 Kontaktallergene bekannt. Einige hundert davon verursachen häufig Allergien. In Europa sind schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung von einer Kontaktallergie gegen mindestens eine Substanz betroffen. Laut Umweltbundesamt (UBA) sind in Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen sensibilisiert; bei sechs Millionen bricht jedes Jahr ein Kontaktekzem aus. 

Allergien gegen Duftstoffe treten bei einem bis drei Prozent der Bevölkerung auf – mit steigender Tendenz. In Deutschland wird die Zahl der Duftstoff-Allergiker auf 500.000 Personen geschätzt. Laut US-amerikanischen Studien soll in den USA bereits ein Drittel der Bevölkerung von einer Sensibilisierung auf Duftstoffe betroffen sein. Eine Umfrage des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) bei 420 öffentlichen  Einrichtungen wie Kinos, Bahnhöfen oder Kaufhäusern förderte zutage, dass 23 Prozent der befragten Einrichtungen ihre Räume beduften. Hauptsächlich waren dies Kinobetreiber, Hotels und Kaufhäuser. Mehr als die Hälfte von ihnen informierte die Kunden nicht, dass Raumbeduftung eingesetzt wird.

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Kontaktallergie bei Friseur durch Haarfärbemittel

Allergien gegen den Stoff p-Phenylendiamin (PPD), der in vielen Haarfärbemitteln enthalten ist, kommt bei 0,2 bis 2,5 Prozent der europäischen Bevölkerung vor, allerdings bei 15 bis 20 Prozent der getesteten Friseurinnen und Friseure. PPD wird Tätowierfarben oft illegal beigemischt, damit die Farben auf der Haut schwärzer wirken. Hier liegt vor allem für jüngere Menschen eine Gefahr, sich eine Sensibilisierung gegen den Stoff zu holen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) fand heraus, dass zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen schon einmal in ihrem Leben ein Kontaktekzem hatten. Ab dem Schulalter steigen die Zahlen deutlich an, vor allem bei Mädchen. Im Alter zwischen 11 und 13 Jahren hatten 20,5 Prozent der Mädchen schon einmal ein Kontaktekzem, zwischen 14 und 17 Jahren stieg die Zahl auf 21,2 Prozent. In diesen Altersgruppen fangen Mädchen an, sich zu schminken und Nickel-haltigen Modeschmuck zu tragen.

Letzte Aktualisierung: 11.3.2017 / Quellen
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Quellen:
  • Brasch, J. et al.: S1-Leitlinie Kontaktekzem. In: Allergo J Int 2014; 23: 126
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Durchführung des Epikutantests mit Kontakt-Allergenen. Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) (Dokument wird zurzeit überprüft)
  • Schnuch, A. et al.: „Untersuchungen zur Verbreitung umweltbedingter Kontaktallergien mit Schwerpunkt im privaten Bereich.“ Studie im Auftrag des Umweltbundesamts, 2004
  • Kinderumwelt gGmbH: Informationsdienst allum (letzter Abruf 22.02.2017)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Informationsdienst gesundheitsinformationen.de https://www.gesundheitsinformation.de/was-passiert-bei-einer-hautuntersuchung.2427.de.html  (letzter Abruf 22.02.2017)
  • Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPAU): Elternratgeber Kontaktallergien http://www.gpau.de/fileadmin/user_upload/GPA/dateien_indiziert/Elternratgeber/er3_07.pdf
  • Höger, P.: „Allergisches Kontaktekzem im Kindesalter“. In: Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis, Heft 3/01, S. 6-13
  • Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB) http://www.daab.de/haut/kontakt-allergie/
  • Jacob, S., Admani, S.: „iPad Increasing Nickel Exposure in Children“, In: Pediatrics 2014; Ausgabe 134, S. e580 – e582
  • Schmidt, M. et al.: Crucial role for human Toll-like receptor 4 in the development of contact allergy to nickel. In: Nature Immunology 2010, Nr. 11: 814–819
  • Peiser, M. et al.: „Allergic contact dermatitis: epidemiology, molecular mechanisms, in vitro methods and regulatory aspects“. In: Cell. Mol. Life Sci. (2012) Band 69: 763–781
  • Schnuch, A. et al.: Untersuchungen zur Verbreitung umweltbedingter Kontaktallergien mit Schwerpunkt im privaten Bereich. Studie im Auftrag des Umweltbundesamts,  2004, S. 2
  • Schlaud, M. et al.: „Allergische Erkrankungen. Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)“, In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Mai/Juni 2007
  • Uter, W. et al.: The Spectrum of Contact Allergy in Elderly Patients with and without Lower Leg Dermatitis. In: Dermatology 2002; Heft 204: 266-272
  • Corrazza, M. et al.: „Irritant and sensitizing potential of eight surfactants commonly used in skin cleansers: an evaluation of 105 patients“. In: Dermatitis, Sept./Okt. 2010: 262-268
  • Wollina, U.: „The role of topical calcineurin inhibitors for skin diseases other than atopic dermatitis“, In: Am J Clin Dermatol. 2007,8(3): 157-173
  • Skudlik, C., John S.: Berufsbedingte allergische Kontaktekzeme - was Betriebsärzte wissen sollten, in: ASU Arbeitsmed. Sozialmed. Umweltmed. 2014, 49: 247-252
  • EU-Kommission: International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, https://ec.europa.eu/growth/sectors/cosmetics/cosing_de (letzter Abruf 22.02.2017)
Letzte Aktualisierung:
11.3.2017
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