Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Ludger Klimek

Grundlagen

Die Laktoseintoleranz ist eine Kohlenhydratverwertungsstörung. Der in Milch enthaltene Zucker Laktose (oder Lactose) kann dabei nicht richtig verdaut werden. Verursacht wird die Laktoseintoleranz durch einen Mangel des Enzyms Laktase, das den Milchzucker normalerweise im Dünndarm aufspaltet. Dadurch kann die Laktose im Dünndarm nicht aufgenommen (resorbiert) werden. Infolgedessen gelangen die Milchzuckermoleküle in den Dickdarm, wo sie von Bakterien zersetzt werden. Die dabei gebildeten Abbauprodukte, unter anderem Gase wie Methan und Kohlendioxid sowie Wasserstoff (H2), führen zu Blähungen, Durchfällen und Bauchschmerzen.

Die Laktoseintoleranz gehört dementsprechend zu den nicht allergisch bedingten Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Verbreitung

Die meisten Menschen mit Laktoseintoleranz leiden unter einem natürlichen Laktasemangel: Beim Säugling wird das Verdauungsenzym normalerweise noch in ausreichender Menge gebildet, um die Muttermilch verdauen zu können. Ab dem dritten bis fünften Lebensjahr produzieren viele Menschen jedoch immer weniger Laktase, sodass sie immer weniger Milch und Milchprodukte vertragen.

Allerdings ist die Verbreitung der Laktoseintoleranz weltweit sehr unterschiedlich: Während in Afrika und Asien ein Großteil der erwachsenen Bevölkerung betroffen ist, sind es in Deutschland schätzungsweise etwa 15 von 100 Erwachsenen, die an dieser Verdauungsstörung leiden.

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Ernährungstagebuch (PDF, 90 KB)

Diagnose

Bei der Diagnose der Laktoseintoleranz ist es hilfreich, ein Ernährungs-Symptom-Tagebuch (PDF, 90 KB) zu führen. Hinweise kann ein Test liefern, den Betroffene auch selbst versuchen können. Man beginnt mit einer konsequenten Laktose-freien Diät über mehrere Tage. Dabei ist darauf zu achten, dass Laktose nicht nur in Milch und Milchprodukten, sondern auch „versteckt“ in vielen Fertigprodukten enthalten sein kann. Treten bei dieser Diät keine Symptome (mehr) auf, ist eine Laktoseintoleranz möglich. Wenn man sich anschließend wieder „normal“ ernährt, ohne auf Laktose-haltige Lebensmittel zu verzichten, und die Symptome wiederkommen, ist die Diagnose einer Laktoseintoleranz wahrscheinlich.

Deutlich schneller lässt sich das Wiederauftreten der Symptome provozieren durch Trinken von in einem Glas Wasser gelöstem Milchzucker: Dann dauert es im Falle einer Laktoseintoleranz nur etwa eine halbe Stunde, bis sich die typischen Symptome erneut bemerkbar machen.

Zuverlässiger aber auch aufwändiger ist der so genannte H2-Atemtest beim Arzt: Hierbei misst man den durch die Darmbakterien produzierten Wasserstoff (H2) in der Atemluft. Alternativ lässt sich auch der Blutzuckerspiegel nach Gabe einer bestimmten Menge Laktose bestimmen (so genannter Laktose-Toleranz-Test).

Behandlung und Vorbeugung

Da das Krankheitsbild der Laktoseintoleranz sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann, lassen sich keine allgemeingültigen Empfehlungen geben. Es ist nicht ratsam, ganz auf Milchprodukte zu verzichten, da diese wichtige Lieferanten für Kalzium und Vitamin D sind. Zumeist ist dies auch nicht notwendig, da Betroffene je nach Ausmaß des Laktase-Mangels individuell unterschiedliche Mengen an Laktose vertragen. Ausnahme sind die seltenen Fälle eines totalen Laktase-Mangels, bei denen der Körper überhaupt keine Laktase mehr bildet.

Eine Laktose-arme Ernährungsweise ist jedoch häufig sinnvoll. Bei den meisten Betroffenen ist die Toleranzschwelle für Laktose so hoch, dass sie bei gezielter Zusammenstellung des Speiseplans gewisse Mengen davon ohne Beschwerden vertragen können. Gegebenenfalls kann auch die Einnahme von Laktase-Präparaten die Verträglichkeit erhöhen. In jedem Fall ist eine Beratung durch eine spezialisierte Ernährungsfachkraft empfehlenswert.

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Ludger Klimek

Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA)

c/o Zentrum für Rhinologie und Allergologie

E-Mail: Ludger.KlimeknoSp@m@allergiezentrum.org

Weiterführende Informationen zur Laktoseintoleranz:

Informationen zu Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB): https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-unvertraeglichkeit/was-ist-das/

Zertifizierte Ernährungsberatung:
Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB):
- Informationen zur Ernährungsberatung: https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-allergien/behandlung/ernaehrungsberatung/
- Allergie-Wegweiser: https://www.allergie-wegweiser.de/

Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie: www.ak-dida.de

Quellen:

  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. Springer, Berlin/Heidelberg, 2. Aufl., ISBN9783642372025
  • Kleine-Tebbe, J., et al.: Nahrungsmittelallergien und andere -unverträglichkeiten. Bedeutung, Begriffe und Begrenzung. In: Bundesgesundheitsbl 2016; 59: 705–722
  • Kleine-Tebbe, J. et al.: Rationale Diagnostik von Nahrungsmittelallergien. In: Allergologie 2016; 9: 409-424
  • Müller, F. u. Bachmann, O.: Nahrungsmittelallergie. Assoziierte Erkrankungen und Differentialdiagnosen. In: Darsow, U. u. Raap U. (Hrsg.): Allergologie kompakt. Dustri Verlag, Müchen-Deisenhofen, 2016, ISBN: 9783871854835
  • Raithel, M. et al.: Kohlenhydratmalassimilation häufig vorkommender Mono- und Disaccharide. In: Dtsch Arztebl Int 2013; 110(46): 775–82
  • Zopf, Y. et al.: Differenzialdiagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In: Dtsch Ärztebl Int 2009; 106 (21): 359-370

Letzte Aktualisierung: 13. März 2020