Wie wird eine Nahrungsmittelallergie behandelt?

Die Therapie der Nahrungsmittelallergie beruht auf zwei Säulen: der kurzfristigen Behandlung akuter Reaktionen und langfristigen Strategien, um das Risiko weiterer Reaktionen zu vermindern.

Notfalltherapie

Für Betroffene mit Nahrungsmittelallergie ist es wichtig, das Risiko für schwere Reaktionen abzuschätzen. Zum Beispiel tragen Menschen mit  früheren anaphylaktischen Reaktionen, schwerem und/oder nicht kontrolliertem Asthma oder solche mit bestimmten Grunderkrankungen wie Mastozytose ein erhöhtes Risiko.

Für sie ist es wichtig, mit den notwendigen Maßnahmen im Falle einer anaphylaktischen Reaktion vertraut zu sein. Hier steht an erster Stelle die Behandlung mit Adrenalin, gefolgt von Antihistaminika und Glukokortikoiden.

Behandlung mit Medikamenten

Bei akuten, nicht lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Antihistaminika.

In der dauerhaften Behandlung von Nahrungsmittelallergien zeigten Mastzellstabilisatoren wie Cromoglycinsäure und Ketotifen in den bisherigen Studien keine einheitliche Wirkung, so dass ihre Gabe laut medizinischer Leitlinie nicht  generell für alle Patientengruppen empfohlen wird.

Allergenvermeidung

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Nahrungsmittelallergie: Allergene vermeiden

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung einer Nahrungsmittelallergie besteht darin, das verantwortliche Allergen – sofern es bekannt ist -  strikt zu meiden. Zu diesem Zweck können Betroffene sich von Ernährungsberaterinnen/ -beratern individuell eine so genannte therapeutische Eliminationsdiät zusammenstellen lassen.

Ziel ist, trotz Verzicht auf eines oder mehrere Nahrungsmittel die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen zu gewährleisten. Dies kann je nach Lebensalter und Art der verantwortlichen Allergene sehr unterschiedlich sein.

In regelmäßigen Abständen wird sodann überprüft, ob die Eliminationsdiät noch notwendig ist. Das gilt vor allem für Kinder, die relativ häufig mit zunehmendem Lebensalter eine Toleranz entwickeln. Experten raten, bei kleinen Kindern alle sechs bis zwölf Monate eine solche Überprüfung vorzunehmen, bei größeren Kindern alle zwölf bis achtzehn Monate. 

Patientenschulung ist wichtig

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie sind Patientenschulungen. Sie dienen dazu, Risikosituationen zu trainieren und Strategien zu erlernen, wie das oder die Allergene konsequent vermieden werden können. Nach der europäischen Lebensmittelinformationsverordnung vom Dezember 2014 müssen 14 weit verbreitete Nahrungsmittelallergene deklariert werden. Dies sind im Einzelnen:

  1. Glutenhaltiges Getreide, namentlich zu nennen Weizen (wie Dinkel und Khorasan-Weizen), Roggen, Gerste, Hafer oder Hybridstämme davon
  2. Krebstiere
  3. Eier
  4. Fische
  5. Erdnüsse
  6. Sojabohnen
  7. Milch (einschließlich Laktose)
  8. Schalenfrüchte, namentlich zu nennen Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashewnüsse, Pecannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia- oder Queenslandnüsse
  9. Sellerie
  10. Senf
  11. Sesamsamen
  12. Schwefeldioxid und Sulphite (ab 10 Milligramm pro Kilogramm oder Liter)
  13. Lupinen
  14. Weichtiere

Für unbeabsichtigt hinterlassene Spuren von Allergenen gilt die Deklarationspflicht nicht. Viele Lebensmittelproduzenten kennzeichnen die in Frage kommenden Waren freiwillig („… kann Spuren enthalten von...“). Auch bei offen angebotenen Speisen sowie im Restaurant gilt seit Ende 2014 die Kennzeichnungsvorschrift. Trotzdem sind versteckt auftretende Allergene in Nahrungsmitteln auch heute noch eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Immuntherapie: Nur im Rahmen klinischer Studien

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Immuntherapie bei Nahrungsmittelallergie

Trotz einiger vielversprechender Ergebnisse zur spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) hat sich dieses Verfahren in der Behandlung der primären Nahrungsmittelallergie noch nicht durchgesetzt.

Der Grund ist eine etwas uneinheitliche Studienlage. Manche Studien finden deutliche Effekte, andere bestätigen die Wirksamkeit nicht.

Viel versprechende Ergebnisse gibt es vor allem für die orale Immuntherapie (OIT). Dabei wird das Immunsystem, allmählich an den allergieauslösenden Stoff gewöhnt. Es zeigte sich in verschiedenen Studien, vor allem mit Kuhmilch, Hühnerei und Erdnuss, eine Verbesserung der Toleranz. Leider fehlen auch hier noch Daten zur Langzeitwirkung.

Den Leitlinien zufolge sollten spezifische Immuntherapien mit Nahrungsmittelallergenen als Tabletten (oral) oder Spritzen (subkutan) nur im Rahmen klinischer Studien durchgeführt werden.

Darüber hinaus wurden auch Studien durchgeführt, die die Wirksamkeit einer spezifischen Immuntherapie mit Pollenallergenen bei pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien (Kreuzallergie) untersuchten. Tatsächlich sprechen Studiendaten dafür, dass bei einer erfolgreichen Immuntherapie zumindest bei einem Teil der Patienten auch die Symptome der Nahrungsmittelallergie gebessert werden.

Diese Studien wurden jedoch nur mit wenigen Patienten durchgeführt und es fehlen noch verlässliche Daten zur Langzeitwirkung. Laut Leitlinien sollten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien nur dann mittels subkutaner oder oraler (sublingualer) Immuntherapie mit Pollenallergenen behandelt werden, wenn gleichzeitig Symptome einer Pollenallergie an den Atemwegen (allergischer Schnupfen, Asthma) vorliegen.

Letzte Aktualisierung: 11. März 2017 / Quellen
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Quellen:
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Letzte Aktualisierung:
11. März 2017
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Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Margitta Worm

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V.

c/o Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Allergie-Centrum-Charité

E-Mail: margitta.worm noSp@m@charite.de

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