Wie wird Neurodermitis (atopisches Ekzem) behandelt?

Eine Neurodermitis lässt sich mit heutigen Mitteln nicht heilen, aber gut in den Griff bekommen. Sie ist eine chronische Erkrankung, die chronisch, das heißt auch in symptomfreien Zeiten, behandelt werden muss. Weshalb die Symptome bei den meisten Betroffenen mit zunehmendem Lebensalter von selbst verschwinden, ist wissenschaftlich nicht geklärt.

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Hautpflege bei Neurodermitis

Die Neurodermitis-Therapie beruht auf folgenden Prinzipien:

  • Basistherapie: kontinuierliche Hautpflege zur Verbesserung des Allgemeinzustands der Haut und zur Behandlung des Barrieredefektes, auch in symptomfreien Phasen
  • Ekzemtherapie: bei akuten Krankheitsschüben Anwendung von antientzündlichen Wirkstoffen, zumeist äußerlich, bei schwereren Verläufen auch innerlich (systemisch)
  • Möglichst Vermeiden oder Reduzieren von Provokationsfaktoren, die akute Schübe auslösen oder verschlimmern können
  • Verminderung von Hautkeimen wie Staphylococcus aureus
  • Wenn der Neurodermitis eine Nahrungsmittelallergie zugrunde liegt, sollten Betroffene zudem versuchen, die auslösenden Nahrungsmittel zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Ein Provokationstest sollte das Vorliegen der Allergie bestätigen. 

Die Leitlinie „Neurodermitis“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) empfiehlt eine Behandlung in vier Stufen, je nach Schwere der Erkrankung. In den Stufen 2 und 3 gehören Glukokortikoid-Cremes (topisch wirkende Glukokortikoide) zum Behandlungsspektrum. Hier gibt es Unterschiede im Verhältnis zwischen Wirkung und Nebenwirkung.

Darstellung der Stufentherapie bei Neurodermitis mit 4 Stufen, abhängig vom Hautzustand

Gut zu wissen:

Da die Pflegemittel in der Behandlungsstufe 1 keine medizinisch wirksamen Bestandteile enthalten, werden sie von den Krankenkassen nicht bezahlt. Das bedeutet für die Betroffenen oft spürbare finanzielle Belastungen. Hartz-IV-Bezieherinnen und -bezieher erhalten zusätzlich zum Regelsatz eine Aufwandspauschale.

Weitere Behandlungsstrategien

Sowohl Glukokortikoide als auch die Calcineurin-Hemmer Tacrolimus und Pimecrolimus lassen sich in Salbenform (topisch) auch vorbeugend einsetzen (proaktive Therapieform). Dabei trägt man nach dem Abheilen eines Krankheitsschubs die Salbe zweimal in der Woche auf häufig befallene Hautstellen auf. So lässt sich – proaktiv - das Risiko für einen Rückfall verringern und die beschwerdefreie Zeit zwischen den Krankheitsschüben deutlich verlängern.

Es gibt noch eine Reihe anderer Wirkstoffe, die Salben, Lotionen und Cremes zugesetzt werden, weil sie entweder die Austrocknung verhindern, den Juckreiz lindern oder bei Ekzemen heilungsfördernd wirken. Dazu gehören Harnstoff (Urea), Glyzerin, Gerbstoffe, Zink, Polidocanol und Teer.

Antiseptische Therapie

Glukokortikoid-Cremes oder Calcineurin-Hemmer (Heilcremes) helfen auch gegen die Besiedelung der Haut mit Staphylococcus aureus. Bei Betroffenen, die auf beides nicht ansprechen, lässt sich laut Leitlinie auch eine Therapie mit Antibiotika-haltigen Cremes vertreten. Eine längerfristige Behandlung mit Antibiotika-haltigen Tabletten empfehlen die Autorinnen und Autoren der Leitlinie nicht. Der Grund ist, dass Resistenzen entstehen können. Das bedeutet, die Keime passen sich mit der Zeit an, so dass Antibiotika nicht mehr wirken.

Eine – relativ teure – Alternative bietet silberhaltige Unterwäsche. Münchner Forscherinnen und Forscher zeigten 2002 in einer Studie an 15 Betroffenen, dass die Besiedlung der Haut mit den Keimen im Laufe von zwei Wochen signifikant abnahm. Diese Ergebnisse wurden 2010 von einer – allerdings nicht wesentlich größeren – Studie bestätigt. Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass auch der Hautzustand der Betroffenen sich deutlich besserte. Die Kosten für diese Unterwäsche sind allerdings hoch. Krankenkassen können sie im Einzelfall übernehmen.

Spezifische Immuntherapie

Die spezifische Immuntherapie mittels Injektionen ist eine wirksame Behandlung gegen die Ursachen des allergischen Asthmas, der Insektengiftallergie und des allergischen Schnupfens bei Pollen- oder Hausstaubmilben-Allergie. Jede dieser allergischen Erkrankungen kann gemeinsam mit einer Neurodermitis auftreten. Das ist kein Hindernis für eine spezifische Immuntherapie, im Gegenteil. Mehrere Studien zeigten, dass die Behandlung auch die Neurodermitis verbessern kann.

Auslassungsdiäten

„Die“ Neurodermitis-Diät gibt es nicht, egal wie überzeugend Werbetexte dafür klingen. Sinnvoll kann hingegen der Verzicht auf Lebensmittel sein, die in der Diagnosephase als individuelle Allergie-Auslöser identifiziert worden sind.

Viele Betroffene beginnen „auf gut Glück“ eine Auslassungsdiät ohne vorherige Diagnose einer Allergie gegen bestimmte Lebensmittel. In der Hoffnung, dass sich ihre Symptome dann bessern, verzichten sie zum Beispiel auf Eier, Kuhmilch oder andere Grundnahrungsmittel. Die Gefahr ist, dass bei einer solchen Diät der Tagesbedarf an Mineralien, Nährstoffen und Vitaminen nicht mehr gedeckt werden kann. Speziell Kindern und Jugendlichen fällt es zudem schwer, zusätzlich zu den Einschränkungen, die eine Neurodermitis ohnehin mit sich bringt, auf Leckereien zu verzichten, die andere Kinder essen dürfen.

Außerdem ist es schwierig, ein Lebensmittel eindeutig als Verursacher der Neurodermitis auszumachen, da die Stärke der Symptome unabhängig vom auslösenden Faktor von Tag zu Tag schwanken kann beziehungsweise noch von anderen Faktoren beeinflusst wird. Bei vielen Kindern verschwinden die Ekzeme eines Tages sogar völlig, ohne dass es dafür eine schlüssige Erklärung gibt.

Aufenthalte am Meer und in den Bergen

Eine bewährte Therapie gegen Neurodermitis sind Aufenthalte in hautfreundlichen Klimaregionen. Schon lange ist bekannt, dass bestimmte klimatische Bedingungen sich positiv auf den Hautzustand bei Neurodermitis-Betroffenen auswirken können. Die Frage, warum das so ist, lässt sich mit wissenschaftlicher Genauigkeit nicht beantworten.

Medizinische Rehabilitationsbehandlungen außerhalb Deutschlands werden von den meisten Krankenkassen genehmigt, wenn

  • ein Attest des Hautarztes über die Notwendigkeit einer Behandlung, gegebenenfalls im Ausland, vorliegt,
  • eine positive Prognose besteht,
  • zwei Kuren innerhalb Deutschlands, in den Alpen oder an der Nordsee, nicht zum Erfolg geführt haben.

Die Region des Toten Meeres

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Neurodermitis-Therapie am Toten Meer

Das Tote Meer liegt etwa 390 Meter unter dem Meeresspiegel. Über dem See liegt ständig ein Dunstschleier, der das Sonnenlicht in besonderer Weise filtert. Vor allem filtert er den größten Teil der schädlichen UV-B-Strahlen heraus, so dass man sich länger als sonst in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren.

Hier setzt die für Neurodermitis heilsame Wirkung ein. Denn die Sonnenstrahlen haben antientzündliches Potential.

Der hohe Salzgehalt des Toten Meeres soll das Eindringen der Sonnenstrahlen in tiefere Hautschichten erleichtern. Darüber hinaus ist das Salz sehr magnesiumhaltig. Das Magnesium alleine soll ebenfalls antientzündlich wirken.

Die wenigen vorhandenen Studien über die Wirkung des Salzes sind möglicherweise nicht ganz neutral, weil sie von Hersteller- und Vertreiberfirmen dieses Salzes ausgehen. Für die Kombination aus Licht- und Badetherapie fanden zwei relativ aktuelle Studien, darunter eine vergleichende Studie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), allerdings tatsächlich einige Hinweise auf eine Verbesserung der Hautsymptome bei Neurodermitis.

Die Nordsee

Hier scheinen es vor allem die vorherrschenden Seewinde zu sein, die der Haut gut tun. Außerdem übt das Baden im Meer eine heilsame Wirkung aus.

Mittelmeer und Kanarische Inseln

Hier wirken Meeresklima und Sonne zusammen, um einen Besserungseffekt zu erzielen. Allerdings sollte man nicht die heißeste Jahreszeit wählen.

Die Alpen, vor allem in einer Höhe von mehr als 1500 Metern

Die Heilwirkung der Höhenlagen ist vor allem auf die Luftzusammensetzung, Reizeffekte durch wechselnde Wetterlagen sowie die geringere Konzentrationen von Allergenen in der Luft zurückzuführen. Schwüle Wetterlagen kommen ab 1200 Höhenmetern nicht mehr vor. Die UV-A- und UV-B-Strahlung ist im Hochgebirge intensiver. Die Sonnenscheindauer im Herbst und Winter ist in Höhenlagen deutlich verlängert. Darüber hinaus sind in 2000 Metern Höhe auch der Sauerstoffgehalt und der Dampfdruck der Luft verringert.

Phototherapie

Moderne Bestrahlungsverfahren nutzen auch die heilende Wirkung der UV-A-Strahlung aus. UV-A-Strahlung beeinflusst die Aktivität von Immunzellen (Lymphozyten) in der Haut und die Freisetzung von Zellprodukten und Überträgerstoffen, die am Entzündungsprozess beteiligt sind.

Nachweisbare Erfolge bei mittleren bis schweren Verläufen der Neurodermitis haben folgende Verfahren, die für Kinder unter zwölf Jahren allerdings nicht geeignet sind:

UV-Phototherapie

Die UV-Phototherapie wird seit Anfang der 1990er Jahre angeboten. Die insgesamt 30 bis 50 Behandlungen werden drei- bis fünfmal pro Woche durchgeführt. Die schnelle und deutlich sichtbare Besserung der Symptome kann auch lange nach der Behandlung noch anhalten. Nebenwirkungen sind nicht häufig, müssen aber dennoch bedacht werden: Zu ihnen zählen eine sehr trockene und rote Haut sowie Bindehautentzündung durch die Strahlung. Die Haut kann fleckig werden, die Haarwurzeln sich entzünden, und auch Sonnenbrand ist möglich.

Photopherese-Therapie

Dabei wird den Betroffenen Blut abgenommen und der Wirkstoff Psoralen hinzugesetzt. Das so vorbereitete Blut wird dann etwa drei bis vier Stunden lang mit UV-A-Licht bestrahlt und anschließend dem Körper wieder per Infusion zugeführt. Diese Therapie wird mehrmals in zweiwöchigem Abstand wiederholt. Sie hat schon in mehreren Hautkliniken bei sehr hartnäckigen Fällen zum Erfolg geführt.

Entspannungsverfahren und Schulungsprogramme

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Entspannungsverfahren bei Neurodermitis

Seelische Prozesse haben einen großen Einfluss auf den Verlauf einer Neurodermitis. Als unterstützende Therapien haben sich daher Entspannungsverfahren bewährt.

Kurse bieten Sportvereine und Volkshochschulen an. Sie werden in der Regel von den Krankenkassen bezuschusst. In Frage kommen Atemübungen, Meditation, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Qi Gong oder Yoga.

Außerdem gibt es spezialisierte Neurodermitis-Schulungen. So hat sich im Jahr 1996 die  Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung (AGNES) gebildet. Vorbild waren die erfolgreichen Schulungsprogramme bei Diabetes und Asthma.

Bei der Neurodermitis-Schulung geht es um fachgerechtes Eincremen, Vermeidung von Krankheitsauslösern oder geeignete Entspannungsverfahren. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten, die je nach Kursart zwischen 500 und 800 Euro liegen, in voller Höhe.

Hautpflege bei Neurodermitis: So cremen Sie richtig ein

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund gibt Neurodermitis-Betroffenen Hinweise zur richtigen Hautpflege:

  • Passen Sie die Creme dem Hautzustand und der Jahreszeit an. Im Winter braucht die Haut eher fettige Salben, in der warmen Jahreszeit eher Cremes und Lotionen.
  • Tragen Sie feuchtigkeitsspendende Cremes auf nässenden Ekzemen auf, Fettcreme auf trockener Haut.
  • Waschen Sie sich vor dem Eincremen die Hände.
  • Cremen Sie sich mindestens ein- bis zweimal täglich ein, und zwar zunächst am Bauch, dann - in dieser Reihenfolge - an den Armen, den Beinen, dem Kopf und dem Gesäß.
  • Benutzen Sie einen Spatel oder Löffel, um die Creme aus dem Topf zu nehmen und entfernen Sie nachher die Cremereste von Deckel und Gewinde.
  • Bei schwerer Neurodermitis tragen Sie zuerst die Heilsalbe mit den Wirkstoffen auf und dann die Pflegecreme.
  • Waschen Sie sich möglichst nur mit Wasser oder nutzen Sie spezielle Seifen, Waschlotionen und Shampoos. Normale Produkte enthalten Tenside, die die Haut austrocknen können.

Weitere Informationen zur Hautpflege beim Deutschen Allergie- und Asthmabund.

Letzte Aktualisierung: 10.03.2017 / Quellen
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