Tierhaarallergie - Was ist das?

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Tierhaarallergie © DoraZett / Fotolia

Das Thema „Tierhaarallergie“ ist mit vielfältigen Emotionen verknüpft. Haustiere gelten seit Generationen als die besten Freunde des Menschen. Für manche sind sie die einzigen Freunde. Die Diagnose „Tierhaarallergie“ bedeutet nur allzu oft, den besten Freund weggeben zu müssen, ein beliebtes Hobby zu verlieren oder gar den Beruf aufgeben zu müssen. Letzteres ist bei Tierärztinnen und Tierärzten, Landwirten oder in den Lebenswissenschaften durchaus denkbar.

Die Tierhaarallergie zählt zu den so genannten Inhalationsallergien. Die Allergene binden sich an Staubpartikel und können stundenlang in der Luft schweben, ehe sie zu Boden sinken, in Kleidern und Haaren landen und schließlich eingeatmet werden. Die Menschen tragen sie mit sich herum und so finden sich diese Allergene auch in Zügen, Straßenbahnen und anderen öffentlichen Orten wie Klassenräumen, Hotelzimmern oder Kinos, in denen sich Tiere normalerweise nicht aufhalten. Daher kann es vorkommen, dass Betroffene allergische Symptome zeigen, obwohl gar kein Tier im Raum ist.

Jedes Tier mit Fell oder Federn kann im Prinzip eine Allergie auslösen. Allerdings sind Haustiere das größte Problem, weil sie seit Generationen eng mit Menschen zusammenleben, und also auch ihre Allergene in der unmittelbaren menschlichen Umgebung verbreiten. Die häufigsten Auslöser einer Tierhaarallergie sind Katzen und Hunde. Zu den weiteren Tierarten zählen Meerschweinchen, Goldhamster, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Pferde, Rinder und Vögel. Manchmal zeigt sich eine Tierhaarallergie sogar beim Kontakt mit Gegenständen wie Rosshaarmatratzen, Kamelhaardecken, Teppichen, Angorapullovern oder Fellhandschuhen.

Welche Tiere können Tierhaarallergien auslösen?

Katzen

Katzen haben die größte Bedeutung als Allergie-Verursacher unter den Haustieren. Insgesamt wurden bisher 19 Katzenallergene identifiziert. Für die meisten Sensibilisierungen ist aber ein einziges Eiweiß verantwortlich, das Protein Fel D 1. Dieses findet sich bei praktisch allen Katzenarten, also auch bei Löwen, Tigern oder Pumas, in der Haut, in Talgdrüsen und in der Tränenflüssigkeit. Im Speichel ist das Allergen überraschenderweise kaum zu finden. Weil es sehr leicht ist, kann es stundenlang in der Luft schweben und sich auf Möbel, Böden oder Wände legen. Noch Monate nachdem zum letzten Mal eine Katze in einem Raum gewesen ist, können Menschen mit Katzenallergie dort allergische Beschwerden bekommen. Dabei spielt die Rasse der Katze keine Rolle.

Betroffene reagieren in der Regel auf alle Katzen mit allergischen Symptomen. Allerdings produzieren laut mehreren Studien unkastrierte Kater mehr Allergene als kastrierte Kater oder Katzen, dunkle Tiere mehr als solche mit hellem Fell. Erklärungen hat die Forschung für diese Unterschiede noch nicht. Generell schwankt ähnlich wie bei Hunden die Zahl der produzierten Allergene stark von Tier zu Tier.

Vögel

Die Hauptallergene der Vögel befinden sich in den Federn und im Kot. Im Gefieder halten sich Hausstaubmilben auf, so dass auch eine Hausstauballergie für Niesattacken in der Nähe von Vögeln verantwortlich sein kann. Züchter von Tauben oder anderen Vogelarten sind noch durch eine andere Form der Allergie gefährdet, die so genannte Vogelhalterlunge (exogen-allergische Alveolitis, EAA). Das ist eine sogenannte „Allergie mit verzögerter Reaktion“, eine gefährliche Sonderform allergischer Entzündungen. Erste Symptome treten erst  sechs bis zwölf Stunden nach Kontakt mit dem Vogel auf. Bei Auftreten dieser Krankheit müssen Vogelhalter ihr Hobby oder ihren Beruf zwingend aufgeben. Denn die Allergie provoziert eine Entzündung der Lungenbläschen, die sich zu einer nicht mehr heilbaren Lungenfibrose entwickeln kann, im Zweifelsfall bleibt nur eine Lungentransplantation.

Nagetiere

Bei Nagetieren ist die Gefahr von allergischen Reaktionen relativ groß. Eiweißmoleküle im Urin von Meerschweinchen etwa kann heftige Reaktionen auslösen und sich über die Luft und Kleidung auch weiterverbreiten. Kaninchen und Goldhamster haben ebenfalls Allergene in Urin, Hautschuppen und Fell.

Gut zu wissen

Wer auf einen bestimmten Hund allergisch reagiert, ist nicht automatisch gegen alle Hunde allergisch. Die Allergenproduktion ist von Hunderasse zu Hunderasse und individuell von Hund zu Hund unterschiedlich.

Hunde

Hunde haben zur Freude vieler Tierfreunde ein geringeres Allergiepotential. Die derzeit sechs identifizierten Allergene sind weniger aggressiv und ihre Zahl schwankt deutlich zwischen verschiedenen Hunderassen, zwischen Männchen und Weibchen und sogar von Tier zu Tier. Allergenquellen sind auch hier Speichel, Talgdrüsen, Hautschuppen und Urin. Hundeallergene sind wesentlich schwerer als Katzenallergene und können sich daher nicht so leicht mit Staubpartikeln verbinden und durch die Luft schweben. Die Haarlänge spielt beim Allergiepotential einer Rasse keine Rolle. Kurzhaarige Pudel verbreiten zum Beispiel wesentlich mehr Allergene als Labradore. Es ist also völlig normal, dass ein- und dieselbe Person beim Kontakt mit Pudeln allergische Reaktionen entwickelt, beim Kontakt mit Dackeln hingegen beschwerdefrei bleibt. Komplett allergenfreie Hunderassen gibt es jedoch nicht.

Pferde

Es gibt drei identifizierte Pferdeallergene. Sie kommen in Hautpartikeln, Schleimhäuten und im Urin der Tiere vor. Auch Pferdeallergene können über die Luft und in der Kleidung weitergetragen werden. Schwedische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass etwa zehn Prozent der schwedischen Bevölkerung auf Pferdeallergene sensibilisiert sind.

Kreuzallergien

In neuesten Studien wurde eine enge strukturelle Verwandtschaft zwischen dem Pferdeallergen Equ c 1, dem Katzenallergen Fel d 4 und dem Hundeallergen Can f 6 festgestellt. Darin könnte eine Erklärung für die häufig vorkommende gleichzeitige Sensibilisierung gegen Hunde, Katzen und Pferde liegen.

Symptome

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Allergischer Schnupfen ©Samo Trebizan

Die Symptome kommen zumeist plötzlich. Tierhaarallergien sind – bis auf eine Ausnahme – Allergien vom Soforttyp. Binnen Minuten nach Kontakt mit den Allergenen beginnen Betroffene zu niesen oder sich die geröteten Augen zu reiben. Hustenanfälle und Hautrötungen sind ebenfalls möglich. Das sind klassische Zeichen des allergischen Schnupfens, wie er auch bei Pollenallergikern auftritt. Anders als bei der Pollenallergie können Tierhaarallergien jedoch während des ganzen Jahres vorkommen. Die Symptome sind leicht zu verwechseln mit einer „normalen“ Erkältung. Menschen, bei denen Erkältungen ungewöhnlich lange andauern oder häufig wiederkehren, sollten sich gegebenenfalls auf eine Tierhaarallergie testen lassen.

Der Kontakt zu Tieren kann zudem Atemnot und Asthmaanfälle auslösen. Dies haben Forscherinnen und Forscher beispielsweise für das Hauptallergen bei Pferden (Equ c 1) nachgewiesen. Selbst anaphylaktische Schockreaktionen sind bisweilen auf eine Tierhaarallergie zurückzuführen. Wenn die Haut an von Hunden oder Katzen verursachten Kratzwunden anschwillt, kann dies Zeichen für eine Allergie sein, es ist aber immer auch an eine Infektion zu denken. Ein weiteres mögliches Symptom einer Tierhaarallergie ist die Nesselsucht. Dabei entstehen juckende Quaddeln auf der Haut. Darüber hinaus kann eine Tierhaarallergie auch eine Neurodermitis (atopisches Ekzem) auslösen oder verschlimmern.

Bei Kontakt zu Vögeln können sensibilisierte Personen unmittelbar Atemnotanfälle erleiden, häufig nach dem Reinigen des Käfigs. Die gefährliche Vogelhalterlunge (exogen-allergische Alveolitis, EAA) kündigt sich mit Fieber, Husten, Schüttelfrost, Übelkeit und Luftnot an.

Entstehung

Meist handelt es sich bei Tierhaarallergien um Reaktionen vom Soforttyp. Dabei wird zunächst das Immunsystem gegen das entsprechende Allergen sensibilisiert. Kommt dann das Allergen erneut mit dem Immunsystem in Berührung, wird eine Immunreaktion in Gang gesetzt, die sich zunächst meist als allergischer Schnupfen äußert, auf Dauer aber zu Asthma und selten zu einer lebensgefährlichen Anaphylaxie führen kann. Die Vogelhalterlunge (exogen-allergische Alveolitis, EAA) entsteht auf anderen Wegen: Es handelt sich um eine allergische Reaktion vom Typ III.

Auch Menschen, die jahrelang ohne Probleme mit einem Tier im Haushalt leben, können plötzlich eine Allergie gegen das betreffende Tier entwickeln. Die häufig vorher unerkannte Sensibilisierung führt plötzlich zum Ausbruch der Allergie. Die Ursache für dieses Phänomen ist unklar. Manche Vertreter aus der Naturheilkunde spekulieren, das so genannte Leaky-Gut-Syndrom könnte verantwortlich sein. Dabei handele es sich um Veränderungen der Darmschleimhaut, die dazu führen, dass diese Barriere zwischen Darminnenwand und Blutkreislauf Löcher bekommt. Dadurch könnten Giftstoffe und Allergene in den Darm gelangen und das Immunsystem zu heftigen Reaktionen veranlassen.

Die Existenz dieser durchlässigen Darmschleimhaut wird in der wissenschaftlichen Medizin nicht per se bestritten. Wissenschaftlich unbewiesen ist aber der behauptete Zusammenhang zwischen „leaky gut“ und einer Reihe schwerer Erkrankungen, darunter Allergien, Asthma, Autoimmunerkrankungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Letzte Aktualisierung: 11.03.2017 / Quellen
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Quellen:
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    11.03.2017
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