Tierhaarallergie - Was ist das?

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Hund, Katze, Kaninchen und Hamster schauen aus dem Bild heraus

Das Thema „Tierhaarallergie“ ist mit vielfältigen Emotionen verknüpft. Haustiere gelten seit Generationen als die besten Freunde des Menschen. Für manche sind sie die einzigen Freunde. Die Diagnose „Tierhaarallergie“ bedeutet nur allzu oft, den besten Freund weggeben zu müssen, ein beliebtes Hobby zu verlieren oder gar den Beruf aufgeben zu müssen. Letzteres ist bei Tierärztinnen und Tierärzten, Landwirten oder in den Lebenswissenschaften durchaus denkbar.

Die Tierhaarallergie zählt zu den sogenannten Inhalationsallergien. Die Allergene binden sich an Staubpartikel und einige können stundenlang in der Luft schweben, ehe sie zu Boden sinken, in Kleidern und Haaren landen und schließlich eingeatmet werden. Die Menschen tragen sie mit sich herum und so finden sich diese Allergene auch in Zügen, Straßenbahnen und anderen öffentlichen Orten wie Klassenräumen, Hotelzimmern oder Kinos, in denen sich Tiere normalerweise nicht aufhalten. Daher kann es vorkommen, dass Betroffene allergische Symptome zeigen, obwohl gar kein Tier im Raum ist.

Jedes Tier mit Fell oder Federn kann im Prinzip eine Allergie auslösen. Allerdings sind Haustiere das größte Problem, weil sie eng mit Menschen zusammenleben, und also auch ihre Allergene in der unmittelbaren menschlichen Umgebung verbreiten. Die häufigsten Auslöser einer Tierhaarallergie sind Katzen und Hunde. Zu den weiteren Tierarten zählen Meerschweinchen, Goldhamster, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Pferde, Rinder und Vögel. Manchmal zeigt sich eine Tierhaarallergie sogar beim Kontakt mit Gegenständen wie Rosshaarmatratzen, Kamelhaardecken, Teppichen, Angorapullovern oder Fellhandschuhen.

Welche Tiere können Tierhaarallergien auslösen?

Katzen

Katzen haben die größte Bedeutung als Allergie-Verursacher unter den Haustieren. Insgesamt wurden bisher 19 Katzenallergene identifiziert. Für die meisten Sensibilisierungen ist aber ein einziges Eiweiß verantwortlich, das Protein Fel d 1. Dieses findet sich bei praktisch allen Katzenarten, also auch bei Löwen, Tigern oder Pumas, in der Haut, in Talgdrüsen und in der Tränenflüssigkeit. Weil es sehr leicht ist, kann es stundenlang in der Luft schweben und sich auf Möbel, Böden oder Wände legen. Noch Monate nachdem zum letzten Mal eine Katze in einem Raum gewesen ist, können Menschen mit Katzenallergie dort allergische Beschwerden bekommen. Dabei spielt die Rasse der Katze keine Rolle. Eine Rasse, die keine Allergene besitzt, gibt es nicht.

Betroffene reagieren in der Regel auf alle Katzen mit allergischen Symptomen. Allerdings produzieren laut mehreren Studien unkastrierte Kater mehr Allergene als kastrierte Kater oder Katzen, dunkle Tiere mehr als solche mit hellem Fell. Erklärungen hat die Forschung für diese Unterschiede noch nicht. Generell schwankt ähnlich wie bei Hunden die Zahl der produzierten Allergene stark von Tier zu Tier.

Hunde

Hunde haben zur Freude vieler Tierfreunde ein geringeres Allergiepotential. Die derzeit sechs identifizierten Allergene sind weniger aggressiv und ihre Zahl schwankt deutlich zwischen verschiedenen Hunderassen, zwischen Männchen und Weibchen und sogar von Tier zu Tier. Allergenquellen sind auch hier Speichel, Talgdrüsen, Hautschuppen und Urin. Hundeallergene sind schwerer als Katzenallergene und können sich daher nicht so leicht mit Staubpartikeln verbinden und durch die Luft schweben. Pudel verbreiten zum Beispiel wesentlich mehr Allergene als Labradore. Es ist also völlig normal, dass ein- und dieselbe Person beim Kontakt mit Pudeln allergische Reaktionen entwickelt, beim Kontakt mit Dackeln hingegen beschwerdefrei bleiben kann. Komplett allergenfreie Hunderassen gibt es jedoch nicht.

Pferde

Es gibt vier identifizierte Pferdeallergene. Sie kommen in Hautpartikeln, Schleimhäuten und im Urin der Tiere vor. Auch Pferdeallergene können über die Luft und in der Kleidung weitergetragen werden. Schwedische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass etwa zehn Prozent der schwedischen Bevölkerung auf Pferdeallergene sensibilisiert sind. Allergenfreie Pferde gibt es nicht.

Vögel

Selten können durch Vogelfedern Atemwegsallergien ausgelöst werden. Bekannt ist dies zum Beispiel bei Federn von Wellensittichen. Die Hauptallergene der Vögel befinden sich in den Federn und im Kot. Im Gefieder halten sich Hausstaubmilben auf, sodass auch eine Hausstaubmilbenallergie für Niesattacken in der Nähe von Vögeln verantwortlich sein kann. Züchter von Tauben oder anderen Vogelarten sind noch durch eine andere Form der Allergie gefährdet, die sogenannte Vogelhalterlunge (exogen-allergische Alveolitis, EAA). Das ist eine sogenannte „Allergie mit verzögerter Reaktion“, eine gefährliche Sonderform allergischer Entzündungen. Erste Symptome treten erst  sechs bis zwölf Stunden nach Kontakt mit dem Vogel auf. Bei Auftreten dieser Krankheit müssen Vogelhalter ihr Hobby oder ihren Beruf zwingend aufgeben. Denn die Allergie provoziert eine Entzündung der Lungenbläschen, die sich zu einer nicht mehr heilbaren Lungenfibrose entwickeln kann.

Nagetiere

Bei Nagetieren ist die Gefahr von allergischen Reaktionen relativ groß. Eiweißmoleküle im Urin von Meerschweinchen etwa können heftige Reaktionen auslösen und sich über die Luft und Kleidung auch weiterverbreiten. Kaninchen und Goldhamster haben ebenfalls Allergene in Urin, Hautschuppen und Fell. Reaktionen bis hin zu schwerem Asthma werden am häufigsten durch zahme Ratten und Mäuse ausgelöst, die als Haustiere gehalten werden.

Kreuzallergien

In neuesten Studien wurde eine enge strukturelle Verwandtschaft zwischen dem Pferdeallergen Equ c 1, dem Katzenallergen Fel d 4 und dem Hundeallergen Can f 6 festgestellt. Darin könnte eine Erklärung für die häufig vorkommende gleichzeitige Sensibilisierung gegen Hunde, Katzen und Pferde liegen.

Entstehung

Meist handelt es sich bei Tierhaarallergien um Reaktionen vom Soforttyp. Dabei wird zunächst das Immunsystem gegen das entsprechende Allergen sensibilisiert. Kommt dann das Allergen erneut mit dem Immunsystem in Berührung, wird eine Immunreaktion in Gang gesetzt, die sich zunächst meist als allergischer Schnupfen äußert, auf Dauer aber zu Asthma und selten zu einer lebensgefährlichen Anaphylaxie führen kann. Die Vogelhalterlunge (exogen-allergische Alveolitis, EAA) entsteht auf anderen Wegen: Es handelt sich um eine allergische Reaktion vom Typ III.

Auch Menschen, die seit Jahren ohne Probleme mit einem Tier im Haushalt leben, können eine Allergie gegen das betreffende Tier entwickeln. Die häufig vorher unerkannte Sensibilisierung führt plötzlich zum Ausbruch der Allergie. Die Ursache für dieses Phänomen ist unklar.

Video zur Entstehung von Allergien

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Unser wissenschaftlicher Experte für diesen Text

Dr. Adam Chaker

Klinikum rechts der Isar/TUM

ZAUM - Zentrum Allergie und Umwelt

E-Mail: adam.chakernoSp@m@tum.de

 

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

     

     

Letzte Aktualisierung:

25.03.2019

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