Exogen allergische Alveolitis – Symptome, Formen, Ursachen und Entstehung

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Kind mit Wellensittich als Haustier - Risiko für Exogene allergische Alveolitis

Der Begriff exogenallergische Alveolitis (EAA) steht nicht für ein einzelnes, exakt definiertes Krankheitsbild, sondern fasst eine Gruppe von Lungenerkrankungen zusammen, denen eine Allergie zugrunde liegt. Deren gemeinsames Charakteristikum ist eine allergisch bedingte Entzündung des Lungengewebes, die in erster Linie die Lungenbläschen (Alveolen) betrifft. Auslöser der Entzündungsreaktion sind Eiweißstoffe aus organische Partikeln oder chemische Substanzen, die in der Regel eingeatmet werden oder – wesentlich seltener – über die Blutbahn ins Alveolargewebe gelangen.

Eine EAA kann nur auftreten, wenn der oder die Betroffene gegen ein solches, von außen einwirkendes (= exogenes) Allergen sensibilisiert ist. Das hat der Erkrankung auch die vor allem im englischen Sprachraum verwendete Bezeichnung Hypersensitivitätspneumonitis (hypersensitivity pneumonitis) eingebracht. Wie alle anderen Allergien entsteht die exogen-allergische Alveolitis, weil sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen ein körperfremdes Allergen richtet. Je nachdem, was die Erkrankung auslöst, werden unterschiedliche Formen der EAA wie die Vogelhalter- oder die Farmerlunge unterschieden.

Gut zu wissen:

Mehr als 300 verschiedene Allergene, die eine exogen-allergische Alveolitis auslösen können, wurden bis dato gefunden. Das Spektrum erstreckt sich von bestimmten Chemikalien über Bestandteile von Bakterien und Pilzen bis hin zu tierischen Antigenen, die zum Beispiel in den Federn und dem Kot von Vögeln enthalten sind. 

Vogelhalterlunge und Bettfedernalveolitis

Die häufigste Form der exogen-allergischen Alveolitis (EAA) ist die Vogelhalterlunge, die durch Proteine im Kot und in den Federn von Vögeln ausgelöst wird. Betroffen sind Taubenzüchter, Besitzer von Ziervögeln wie Sittichen, Kanarienvögeln und Papageien sowie Halter und Halterinnen von Hühnern oder Enten. Unter Tierärzten und Tierärztinnen kommt die Vogelhalterlunge ebenfalls vor.

Bei manchen Menschen kann schon der indirekte Kontakt mit den Antigenen, etwa über die Kleidung, das Sofa oder den Teppich, ausreichen, um diese Erkrankung hervorzurufen. Auch Daunenjacken und -mäntel sowie Federbetten und -kissen sind mögliche Quellen von Vogelallergenen. Das dazugehörige Krankheitsbild trägt den Namen Bettfedernalveolitis.

Die Farmerlunge

Die Farmerlunge, eine weitere Form der exogen allergischen Alveolitis, trifft vor allem Landwirte und Beschäftigte in landwirtschaftlichen Betrieben. Als Auslöser gelten wärmeliebende Bakterien, die so genannten thermophilen Aktinomyzeten, und andere Mikroorganismen wie Aspergillus-Schimmelpilze, die in modrigem Heu, Stroh und anderem biologischen Material leben. 

Die Befeuchterlunge

Eine Form der exogen allergischen Alveolitis, die häufig auftritt, ist die Befeuchterlunge. Hervorgerufen wird sie durch das Einatmen kleinster Wassertröpfchen, die Bakterien, Schimmel- und/oder Hefepilze enthalten. Ursprung dieser verunreinigten Wasseraerosole sind vor allem schlecht gewartete Klimaanlagen, Luftbefeuchter und Vernebler. Aber auch Zimmerspringbrunnen, Whirlpools, Beregnungsanlagen und Dampfbügeleisen, deren Wasser lange nicht gewechselt wurde, können mit allergenen Keimen kontaminiert sein. 

Die Pilzzüchterlunge

Die Pilzzüchterlunge ist durch Sporen von Speisepilzen wie Shiitake oder dem Austern-Seitling bedingt. Sie werden in großen Mengen freigesetzt und können so allergen sein, dass laut einer Untersuchung bis zu 40 Prozent der in einer Pilzzucht beschäftigten Personen an einer exogen-allergischen Alveolitis erkranken.

Innenraumalveolitis, Maschinenarbeiterlunge und weitere Krankheitsformen

Ursache der Innenraumalveolitis sind Bakterien- und Schimmelpilz-Antigene im Haus. Bei der Saunabesucherlunge kommen die auslösenden Pilzsporen aus verschimmeltem Holz. Hinter der Fußpflegealveolitis stecken ebenfalls Pilz-Antigene, die in dem Fall den Fußnägeln und der Haut entstammen. Die Maschinenarbeiterlunge hingegen wird durch bakterielle Antigene in Kühl-Schmier-Flüssigkeiten verursacht. Neben diesen durch Allergene von Mikroorganismen bedingten Formen der EAA können auch chemische Stoffe wie Isocyanate die Erkrankung hervorrufen. 

Gut zu wissen:

Chronische EAA kann bleibende Beschwerden verursachen. 

Die Symptome einer exogen-allergischen Alveolitis

Abhängig vom Ausmaß des Allergenkontakts, dem Beschwerdebild und dem zeitlichen Verlauf der Erkrankung werden die akute und die chronische exogen-allergische Alveolitis unterschieden. In manchen Klassifikationssystemen gibt es auch noch die subakute Form, die sich allerdings nur schwer von den beiden anderen Formen abgrenzen lässt. Ist der Betroffene dem Allergen, gegen das er sensibilisiert ist, massiv ausgesetzt – etwa beim Säubern eines Taubenschlags oder beim Verteilen von Heu im Stall – läuft die exogen-allergische Alveolitis akut ab. Innerhalb von vier bis zwölf Stunden nach dem Kontakt entwickelt der Patient plötzlich Symptome wie Atembeschwerden bei körperlicher Belastung, trockenen Reizhusten und ein Engegefühl in der Brust.

Hinzukommen können Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Durch die zeitliche Verzögerung erkennen die Betroffenen oft nicht, dass zwischen dem Allergenkontakt und ihren Beschwerden ein Zusammenhang besteht. In dieser Phase kann die Erkrankung leicht mit einer schweren Erkältung, einer Lungenentzündung oder einer echten Grippe verwechselt werden. Wird der Kontakt mit dem Allergen beendet, klingen die Beschwerden auch ohne Therapie innerhalb von zwölf Stunden bis wenigen Tagen wieder vollständig und folgenlos ab. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Allergen kann die akute EAA aber jederzeit wiederkehren.

In Kürze

Bei der exogen-allergischen Alveolitis unterscheiden Ärzte zwischen der akuten und der chronischen Form. Erstere macht sich vier bis zwölf Stunden nach Allergenkontakt mit Symptomen wie Atemnot, Husten und Fieber bemerkbar. Die chronische EAA bedingt eher unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit oder Gewichtsabnahme und wird deshalb oft erst spät erkannt.

Akute und chronische Form der exogen-allergischen Alveolitis

Im Gegensatz dazu entwickelt sich die chronische Form der exogen-allergischen Alveolitis, wenn über Monate und Jahre anhaltender Kontakt mit kleinen Allergenmengen besteht. Also beispielsweise bei Personen, die Wellensittiche oder andere Ziervögel in ihrer Wohnung halten. Die permanente allergische Reaktion führt zu einem bindegewebigen Umbau des Lungengerüsts. Dabei verdicken sich die Wände der Lungenbläschen, so dass der dort stattfindende Gasaustausch behindert wird. Dies bedingt das Leitsymptom der chronischen EAA: zunehmende Atemnot, die sich zunächst bei körperlicher Anstrengung und später auch in Ruhe bemerkbar macht. Zudem leiden die Patienten oft unter Müdigkeit, Appetitverlust, einem Abfall der Leistungsfähigkeit, fühlen sich krank und verlieren an Gewicht.

Tückisch ist, dass diese unspezifischen Beschwerden, die auch im Zusammenhang mit anderweitigen Erkrankungen auftreten können, sich schleichend entwickeln. Hinzu kommt, dass den Betroffenen der Zusammenhang mit dem auslösenden Allergen meist nicht bewusst ist und der Kontakt deshalb weiter bestehen bleibt. Deshalb wird die Erkrankung oft lange übersehen und erst erkannt, wenn sie schon relativ weit vorangeschritten ist. Die Veränderungen des Lungengewebes – und damit auch die Symptome – bleiben aber zumindest teilweise bestehen, wenn die Patienten das Allergen meiden. Daher hat die chronische exogen-allergische Alveolitis eine schlechtere Prognose als die akute. Bei schweren Verläufen kann die Erkrankung sogar in eine fortschreitende Lungenfibrose übergehen. Um das zu verhindern, ist es wichtig, eine EAA möglichst frühzeitig festzustellen und zu behandeln.

Wie entsteht die exogen-allergische Alveolitis?

Bestandteile von Pilzen und Bakterien, bestimmte Chemikalien, Antigene tierischen Ursprungs, Holz- und Getreidestäube – die Liste der Antigene, die eine exogen-allergische Alveolitis hervorrufen können, ist lang und vielfältig. Im Allgemeinen entwickeln aber nur Menschen, die dem Allergen über einen gewissen Zeitraum wiederholt ausgesetzt sind, eine Überempfindlichkeit. Deshalb tritt die Erkrankung zumeist in Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit, einem Hobby oder regelmäßigen Aufenthalten in einer bestimmten Umgebung auf.

Gut zu wissen:

Jede berufsbedingte exogen-allergische Alveolitis und auch schon der Verdacht auf eine solche Erkrankung muss bei der zuständigen Berufsgenossenschaft oder der zuständigen Unfallkasse gemeldet werden. Das ist wichtig, um andere Personen im gleichen Arbeitsumfeld vor einer Allergenbelastung zu schützen.

Voraussetzung für die exogen allergische Alveolitits (EAA) ist, dass die Patienten gegen das ursächliche Antigen beziehungsweise die Antigene sensibilisiert sind. Bei erneutem Kontakt kann es dann zu der krankheitstypischen Entzündungsreaktion in den Lungenbläschen kommen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand handelt es sich dabei vorrangig um eine allergische Reaktion vom Typ III. Deren Merkmal ist die Bildung so genannter Immunkomplexe aus Antigen und Antikörpern (Immunglobulinen) der körpereigenen Abwehr. Diese Immunkomplexe lagern sich ab und führen über Zwischenschritte zur Freisetzung von zell- und gewebsschädigenden Substanzen, die dann nach etwa sechs bis zwölf Stunden die Allergiebeschwerden hervorrufen.

Allergische Spätreaktion bedingt verzögerte Beschwerden

Darüber hinaus spielt bei der exogen allergischen Alveolitis aber auch eine allergische Reaktion vom Typ IV eine Rolle, die eine gewisse Sonderstellung einnimmt. Denn im Gegensatz zu den anderen drei Allergietypen führen hier nicht Immunglobuline die Regie bei der Immunantwort sondern die T-Lymphozyten. Diese zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gehörenden Zellen sind Teil der spezifischen Immunabwehr.

Kommt eine sensibilisierte Person Kontakt mit dem Allergen in Berührung, erkennen das die T-Lymphozyten das und setzen daraufhin Botenstoffe (Zytokine) frei, die andere Immunzellen anlocken und aktivieren. Das führt dann zu den allergischen Symptomen, die jedoch nicht sofort sondern erst 12 bis 72 Stunden nach dem Allergenkontakt zu Tage treten. Wegen dieser langen Verzögerung wird die Allergie Typ IV auch als Spättyp bezeichnet.

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Letzte Aktualisierung: 21. August 2017 / Quellen
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