Die erste Windel - wertvolle Informationen für Allergiefrüherkennung

Das erste Mal Windeln wechseln — frischgebackene Eltern finden das meist spannend. Allergolog:innen interessierten sich nun für den Inhalt und untersuchten den ersten Stuhl von Neugeborenen, das sogenannte Mekonium. Sie fanden heraus, dass dessen Zusammensetzung und die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind innerhalb des ersten Lebensjahres Allergien entwickelt, zusammenhängen können.
Vater wickelt Neugeborenes - Mekonium gibt Informationen über Allergierisiko

©Robert Kneschke/stock.adobe.com

Das Mekonium ist eine dicke, dunkelgrüne Substanz, die Neugeborene in den ersten Tagen nach der Geburt ausscheiden. Es enthält eine Vielzahl von Materialien, die während der Entwicklung im Mutterleib aufgenommen wurden. Dazu gehören Hautzellen, Fruchtwasser und verschiedene sogenannte Metabolite, also Zwischenprodukte von Stoffwechselvorgängen. Für Wissenschaftler:innen ist das Mekonium
deshalb wie eine wertvolle Zeitkapsel, denn es verrät, welchen Stoffen und Bedingungen der Säugling vor seiner Geburt ausgesetzt war. Entscheidend für die aktuellen Analysen: Die Moleküle, die das Ungeborene im Mutterleib aufgenommen hat, beeinflussen auch die ersten Darmmikroben und diese wiederherum sind wichtig für ein gesundes Immunsystem.
 

Je diverser, desto gesünder

Das Forscherteam analysierte Mekonium-Proben von 100 Säuglingen, die an der CHILD-Kohortenstudie teilnahmen, einer weltweit führenden Geburtskohortenstudie zur Erforschung der Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern. Sie entdeckten einen direkten Zusammenhang zwischen der Vielfalt an Molekülarten im Mekonium und dem Risiko des Kindes innerhalb eines Jahres Allergien zu entwickeln. Kurz zusammengefasst: Je mehr verschiedene Molekülarten enthalten waren, desto geringer ist das Risiko für das Baby, eine Allergie zu entwickeln. 

Die Forschenden entdeckten ebenso, dass eine Verringerung bestimmter Moleküle auch mit Veränderungen bei wichtigen Bakteriengruppen verbunden war und dass auch dies gravierende Auswirkungen auf die spätere Gesundheit des Kindes hat. Denn diese Bakteriengruppen haben eine Schlüsselfunktion für die Entwicklung und Reifung des so genannten Darmmikrobioms, also des Ökosystems der Darmflora.
 

Die Darmflora prägt das Immunsystem schon vor der Geburt

Das Fazit der Wissenschaftler:innen: Ob ein Mensch ein gut funktionierendes, gesundes Immunsystem hat oder nicht, wird schon lange vor der Geburt mitgeprägt. Die winzigen Moleküle, denen ein Ungeborenes ausgesetzt ist, sind dabei entscheidend wichtig.
 

Risikokindern frühzeitig helfen

Ziel der Forschenden war es, zukünftig gefährdete Kinder frühzeitig zu erkennen, also bevor sie später Anzeichen von Asthma oder Allergien entwickeln. Dies gelang ihnen, indem sie auf Grundlage der neuen Erkenntnisse einen maschinellen Lernalgorithmus entwickelten, der mithilfe von Mekonium-, Mikroben- und klinischen Daten mit hoher Genauigkeit vorhersagen kann, ob ein Säugling innerhalb eines Jahres Allergien entwickelt oder nicht.
 

Quelle:

Petersen C. et al.: A rich meconium metabolome in human infants is associated with early-life gut microbiota composition and reduced allergic sensitization. Cell Reports Medicine, 29 April 2021

doi.org/10.1016/j.xcrm.2021.100260