Höhenklima: Natürliche Therapie bei schwerem Asthma

Bergluft oberhalb von 1200 Metern lindert die Beschwerden von Menschen mit Asthma. Expert:innen der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) haben jetzt in einem Positionspapier Erkenntnisse über die Wirkmechanismen und die Bedeutung der sogenannten Höhenklimatherapie für Menschen mit schwerem und unkontrolliertem Asthma veröffentlicht.
Mann atmet tief ein in den Bergen - ©detailblick-foto - stock.adobe.com

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Der Berg ruft! Das gilt besonders für Menschen mit Asthma. Gemeint ist in diesem Fall weniger der Weg hinauf als der Aufenthalt ab einer Höhe von 1200 Metern. Denn hier enthält die Luft weniger Schadstoffe und Allergene wie Hausstaubmilben, Pollen und Schimmelpilzsporen. Menschen mit Allergien oder Asthma wird daher oft die sogenannte Höhenklimatherapie (Alpine Altitude Climate Treatment, kurz AACT) empfohlen.

Reha im Gebirge

Die meisten Höhenklinken, die Rehabilitationskuren (Reha-Kuren) für Menschen mit Allergie oder Asthma anbieten, befinden sich auf Höhen von 1200 bis 2500 Metern. Ein Team aus Expert:innen der EAACI hat nun in einem Positionspapier alle Erkenntnisse über die Wirkmechanismen und den Nutzen der Höhenklimatherapie für Menschen mit schwerem und unkontrolliertem Asthma zusammengetragen. Zusätzlich zu der geringeren Belastung durch Luftschadstoffe und Allergenen bewerten sie reduzierten Luftdruck, relativ niedrige Temperaturen und Luftfeuchtigkeit neben der UV-Strahlung als Symptom-lindernd. Die Forschenden schließen aus Studien, dass sich Stoffwechsel, Immunsystem und andere physiologische Körpervorgänge aufgrund dieser Umweltbedingungen so verändern, dass typische Beschwerden von Asthma milder sind oder ganz verschwinden.

Mikrobiom der Haut verbessert sich

Ein weiterer positiver Effekt unter alpinen Bedingungen ist, dass sich das Mikrobiom der Haut, also die Zusammensetzung von Bakterien, Pilzen und Viren, die den Körper von außen besiedeln, verändert: Die Vielfalt des Mikrobioms nimmt bei Kindern mit Asthma und auch mit Neurodermitis während einer Höhenklimatherapie zu. Beobachtungsstudien weisen zudem darauf hin, dass das Immunsystem in Allergen-armer Luft weniger Stoffe freisetzt, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind. Hierzu gehören Histamin sowie sogenannte IgE-Antikörper und regulatorische T-Zellen. Auch nehmen Immunreaktionen ab, die für allergisches Asthma typisch sind (Typ 2-Entzündungen).

Höhenklimatherapie: eine wirksame natürliche Behandlung

Über die optimale Dauer einer Höhenklimatherapie kann derzeit noch keine Empfehlung gegeben werden. Beobachtungsstudien zu ihrer Nachhaltigkeit zeigen aber, dass bis zu zwölf Monate nach Ende einer AACT positive Auswirkungen auf die körperliche Belastbarkeit und die Asthmakontrolle nachweisbar waren und sich der Krankheitsverlauf nicht verschlechterte. Als Folge musste weniger orales Kortison eingenommen werden, und weniger ambulante Arzttermine sowie stationäre Krankenhausaufenthalte waren notwendig. Die Autoren schlussfolgern entsprechend im Positionspapier, dass die Höhenklimatherapie bei jeglicher Form von Asthma positive Effekte auf das Immunsystem hat, Symptome lindert und entsprechend als natürliche Behandlung bei Asthma empfohlen werden kann.

Quelle:

Fieten KB et al.: Alpine altitude climate treatment for severe and uncontrolled asthma: An EAACI position paper, Allergy 2022 (1-34)

 

Weiterführende Links:

Weitere Informationen zum Thema Asthma erhalten Sie auch beim Lungeninformationsdienst von Helmholtz Munich: