Antikörper-Therapien

Antikörper sind komplexe, von Immunzellen gebildete Proteine, die Fremdstoffe und infektiöse Erreger, aber auch alternde und im Körper entartete Zellen binden und Mechanismen in Gang setzen, diese zu eliminieren.

In der Entwicklung von neuen Therapien spielen sogenannte monoklonale Antikörper seit einigen Jahren eine immer größere Rolle. Dies gilt auch für die Behandlung allergischer Erkrankungen. Monoklonale Antikörper zählen zu den sogenannten Biologika, die mittels biotechnologischer Verfahren (rekombinant) hergestellt werden. Solche Medikamente sind große Hoffnungsträger in der modernen Wirkstoffforschung. Sie haben den größten Anteil an derzeit laufenden gentechnischen Entwicklungsprojekten. Da die Herstellung rekombinanter Produkte im Vergleich zu herkömmlich produzierten Wirkstoffen relativ aufwändig ist, ist die Biologika-Therapie allerdings mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden.

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Omalizumab

© Peter Atkins/fotolia
Spritze zur Anti-IgE-Therapie

Omalizumab ist ein mittels biotechnologischer Verfahren hergestellter (rekombinanter) monoklonaler Antikörper, der gegen menschliches Immunglobulin E (IgE) gerichtet ist. Er verbindet sich mit den bei allergischen Reaktionen vermehrt zirkulierenden IgE-Antikörpern und verhindert dadurch, dass diese an ihre Rezeptoren an der Oberfläche von Zellen binden. Dadurch werden die weiteren Reaktionsabläufe blockiert. Zudem scheint Omalizumab die Ausschüttung von Histamin zu reduzieren.


Anwendung

Omalizumab wird angewendet als Zusatztherapie bei schwerem, anhaltendem allergischem Asthma mit Sensibilisierung gegenüber ganzjährigen Inhalationsallergenen, bei dem es trotz Behandlung mit hochdosierten inhalativen Glukokortikoiden und langwirksamen inhalativen Beta-2-Sympathomimetika noch zu Verschlechterungen (Exazerbationen) kommt.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die zusätzliche Therapie der chronischen spontanen Nesselsucht (Urtikaria), die auf die Behandlung mit Antihistaminika nicht ausreichend anspricht. Omalizumab wird in zwei- bis vierwöchigen Abständen unter die Haut (subkutan) gespritzt. Dosierung und Häufigkeit der Anwendung werden in Abhängigkeit von der IgE-Konzentration und dem Körpergewicht der Betroffenen festgelegt.

Das Präparat ist zugelassen für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren. Nicht alle prinzipiell für eine Therapie mit Omalizumab in Betracht Kommenden sprechen auf die Behandlung an. Die individuelle Wirksamkeit wird daher nach vier Monaten überprüft und die Behandlung nur bei eindeutigem Therapieerfolg fortgesetzt.


Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Kopfschmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle (vor allem Schwellungen, Schmerzen, Rötung oder Juckreiz). Darüber hinaus können vielfältige weitere Nebenwirkungen auftreten. In seltenen Fällen kann es bei der Verabreichung zu Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie kommen.

Wie bei anderen rekombinant hergestellten Wirkstoffen ist auch diese Therapie mit relativ hohen Kosten verbunden.

Dupilumab

Dupilumab ist ein sogenannter humaner monoklonaler Antikörper. Er wird mittels biotechnologischer Verfahren hergestellt. Die Bezeichnung „human“ bedeutet, dass der Antikörper den vom menschlichen Abwehrsystem gebildeten Antikörpern vollständig entspricht. 

Dupilumab besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und unterdrückt zusätzlich bestimmte Anteile des Immunsystems, die bei der Entstehung von Ekzemen und Juckreiz bei Neurodermitis eine bedeutende Rolle spielen. Dazu zählen die entzündungsfördernden Botenstoffe (Interleukine, IL) IL-4 und IL-13. Dupilumab hemmt sehr gezielt deren biologische Aktivität, indem es einen Teil des Interleukin-4-Rezeptors (IL-4R) blockiert, an den IL-4 und IL-13 binden. Dieser befindet sich an der Oberfläche von Immunzellen und sorgt bei beiden Interleukinen für die Weiterleitung von Signalen in die Zelle. Wenn Dupilumab den Rezeptor blockiert, verhindert es die bei Neurodermitis überaktive Signalübertragung und stoppt damit weitere Entzündungsreaktionen.

 

Anwendung

Dupilumab ist zugelassen zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) bei erwachsenen Patienten, wenn äußerlich (topisch) anzuwendende Arzneimittel nicht ausreichend wirksam sind. Betroffene können den Wirkstoff mit einer vorgefüllten Fertigspritze selbst unter die Haut (subkutan) spritzen. Nach einer einmaligen Anfangsdosis von zwei Spritzen ist alle zwei Wochen eine Injektion erforderlich. Die Behandlung kann mit oder ohne eine begleitende äußerliche Anwendung von Glukokortikoiden (Kortison, Steroide) erfolgen.

 
Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Dupilumab zählen Reaktionen an der Injektionsstelle, gefolgt von Entzündungen der Bindehaut (Konjunktivitis) und/oder der Augenlidränder (Blepharitis) sowie Infektionen mit Herpesviren im Mundbereich. Da das Präparat erst seit 2017 zulassen ist, sind die Langzeiterfahrungen mit der Behandlung bislang noch begrenzt. Ähnliches gilt für die Anwendung während der Schwangerschaft, die vorzugsweise zu vermeiden ist. Während der Stillzeit darf Dupilumab nicht angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 12. Januar 2018 / Quellen
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12. Januar 2018
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Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Roland Buhl
Universitätsmedizin Mainz
Schwerpunkt Pneumologie
E-Mail:
roland.buhl noSp@m@unimedizin-mainz.de