Glukokortikoide

Andere Bezeichnungen für Glukokortikoide sind Glukokortikosteroide, Kortikoide oder auch Steroide. Es handelt sich um künstlich (synthetisch) hergestellte Abkömmlinge des Kortisols. Kortisol ist ein Hormon der Nebennierenrinde, das zahlreiche lebenswichtige Vorgänge im menschlichen Körper beeinflusst, darunter insbesondere die Regulation des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsels sowie den Mineralstoff- und Wasserhaushalt.

Bei Kindern haben Glukokortikoide zudem Auswirkungen auf das Wachstum. Therapeutisch werden die Glukokortikoide in der Regel in höheren Konzentrationen eingesetzt als sie physiologischerweise im Körper vorkommen. 

In Kürze:

Glukokortikoide in verschiedenen Darreichungsformen sind ein unverzichtbarer Bestandteil in der Behandlung einer Vielzahl entzündlicher und allergischer Erkrankungen. 

Wirkung von Glukokortikoiden

Entsprechend den Funktionen des Kortisols haben Glukokortikoide sehr vielfältige Wirkungen. In höheren Konzentrationen wirken sie vor allem entzündungshemmend und immunsuppressiv (d. h. sie unterdrücken Immunreaktionen).

Die antiallergische Wirksamkeit beruht im Wesentlichen darauf, dass sie die Aktivierung von „Entzündungszellen“ und die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe und Enzyme hemmen sowie (Schleim-)Drüsensekretion, Schwellungen und Überempfindlichkeit der Schleimhäute vermindern. Diese Wirkungen treten allerdings in der Regel erst einige Stunden nach der Verabreichung ein.

Es steht eine Vielzahl von Substanzen in unterschiedlichen Darreichungsformen und Wirkstärken zur Verfügung. Besonders wichtig im Hinblick auf mögliche unerwünschte Wirkungen ist die Unterscheidung zwischen einer systemischen, das heißt als Tablette oder Injektion verabreichten, und einer nur lokalen Behandlung mittels Inhalation, Tropfen oder Creme/Salbe. 

Glukokortikoide zur äußerlichen Anwendung auf der Haut

© enriscapes/fotolia
Creme zur Allergie-Behandlung

Anwendung

Glukokortikoide sind ein wichtiger Bestandteil in der äußerlichen (topischen) Therapie vieler Hauterkrankungen, insbesondere bei stark entzündlichen Ekzemen, wie Neurodermitis (atopisches Ekzem) oder Kontaktekzemen. Sie bewirken im Allgemeinen eine rasche Besserung der Beschwerden (Juckreiz, Brennen) und der Hautveränderungen.

Zur Anwendung auf der Haut sind zahlreiche Fertigpräparate mit unterschiedlicher Wirkstärke und Konzentration verfügbar. Sie sind in verschiedene Grundlagen eingearbeitet, die je nach Lokalisation und Zustand der Hautveränderungen (akut bis chronisch) einen zusätzlichen Effekt entfalten.

Grundsätzlich sollte man so viel wie nötig und so wenig wie möglich Glukokortikoide verwenden. Vor allem neuere Wirkstoffe sind – bei guter Wirksamkeit – relativ nebenwirkungsarm. Die Risiken lassen sich minimieren, wenn man die Therapie im Wechsel mit wirkstofffreier Pflege durchführt und Präparate unterschiedlicher Wirkstärke abgestuft einsetzt.

Wirkstoffe

Nach ihrer Wirkstärke werden topisch anwendbare Glukokortikoide in vier verschiedene Klassen unterteilt. Beispiele:

  • Klasse I (schwach wirksam): Hydrokortison
  • Klasse II (mittelstark wirksam): Triamcinolonacetonid, Hydrokortisonbutyrat, Methylprednisolonaceponat, Prednicarbat 
  • Klasse III (stark wirksam): Betametasonvalerat, Mometasonfuroat, Fluocinolonacetonid, Prednicarbat
  • Klasse IV (sehr stark wirksam): Clobetasolpropionat

Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile von Glukokortikoiden

Das Nebenwirkungsrisiko ist abhängig von Wirkstärke, Dosierung, betroffener Hautfläche, Art und Dauer der Anwendung. Da in der Regel nur wenig Wirkstoff über die Haut in den Körper aufgenommen wird, ist das Risiko für allgemeine (systemische) unerwünschte Wirkungen gering.

Zu den möglichen örtlichen (d. h. an den behandelten Stellen auftretenden) Nebenwirkungen zählen:

  • Hautverdünnung (Atrophie)
  • Hautblutungen
  • Erweiterungen kleiner Hautgefäße (Teleangiektasien)
  • Verstärkung des Haarwachstums (Hypertrichose)
  • akneartige Erscheinungen (Steroidakne)
  • Pigmentveränderungen
  • Hautstreifen (Striae distensae, ähnlich wie Schwangerschaftsstreifen)

Die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Glukokortikoiden ist an verschiedenen Körperstellen unterschiedlich: Besonders empfindlich ist die Haut im Gesicht, im Genitalbereich und unter den Achseln; hingegen sind behaarte Kopfhaut, Handflächen und Fußsohlen eher unempfindlich.

Vor allem bei stärker wirksamen Glukokortikoiden kann es nach plötzlichem Absetzen zu einem Rückfall oder nach längerer Behandlung auch zu einem Gewöhnungseffekt mit nachlassender Wirksamkeit kommen. Deshalb wird die Anwendung zumeist nicht abrupt beendet, sondern man reduziert die Dosis schrittweise bis zum vollständigen Absetzen.

Glukokortikoide zur Anwendung in der Nase

© Dan Race/fotolia
Nasenspray zur Allergie-Therapie

Anwendung

Glukokortikoid-Nasensprays dienen zur Behandlung des allergischen (Heu-)Schnupfens (Rhinitis). Sie vermindern die Schwellung und Reizung der Nasenschleimhaut. Dadurch lindern sie Niesen, Juckreiz und verstärkte Nasensekretion („laufende Nase“) und verbessern die Nasenatmung. Es ist wichtig, dass die Nasensprays regelmäßig angewendet werden.

Da der vollständige Behandlungserfolg bei manchen Menschen erst nach einigen Tagen eintritt, empfehlen Mediziner, die regelmäßige Anwendung über mehrere Tage fortzusetzen. Bei ausgeprägten Beschwerden empfehlen sie zudem, möglichst schon einige Tage vor der Pollensaison mit der Behandlung zu beginnen. 

Wirkstoffe

Zum Beispiel:

  • Fluticasonpropionat (auch in Kombination mit dem Antihistaminikum Azelastin)
  • Trimancinolonacetonid
  • Mometasonfuroat
  • Budesonid
  • Fluticasonfuroat


Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile

Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Nasenbluten, Trockenheit und Borkenbildung in der Nase. Bei Kindern sollten nasale Glukokortikoide nur mit Zurückhaltung angewendet werden. 

Glukokortikoide zur Anwendung an den Augen

Anwendung

Glukokortikoid-Augentropfen dienen zur Behandlung der allergischen Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Bezüglich des Wirkungseintritts gilt ähnliches wie bei Nasensprays.

 

Wirkstoffe

Zum Beispiel:

  • Dexamethason
  • Prednisolon
  • Hydrokortison

Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile

Mögliche Nebenwirkungen sind Erhöhung des Augeninnendrucks und – bei längerer Anwendung – ein erhöhtes Risiko für grünen (Glaukom) oder grauen (Katarakt) Star sowie für Infektionen.

Glukokortikoide zur Inhalation

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Glukokortikoide in der Allergie-Therapie

Anwendung

Inhalative Glukokortikoide als Dosieraerosole, Pulverinhalate oder Lösungen zur Anwendung mit Verneblern sind geeignet zur langfristigen lokalen Behandlung von entzündungsbedingten Symptomen des allergischen Asthmas.

Sie vermindern die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen und die Aktivierung von Immunzellen im Gewebe. Zudem vermindern sie die Reizbarkeit (Hyperreagibilität) und die Sekretbildung und verbessern den Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien.

Auch das Ansprechen der Atemwege auf Beta-2-Sympathomimetika wird verbessert. Dadurch lässt sich der Medikamentenbedarf häufig verringern.

Wie Nasensprays sollten auch inhalative Glukokortikoide regelmäßig angewendet werden – am besten vor dem Frühstück oder Abendessen beziehungsweise vor dem Zähneputzen. Es kann ein bis zwei Wochen dauern, bis ein vollständiger Therapieerfolg eintritt. 

 

Wirkstoffe

Zum Beispiel:

  • Beclomethason
  • Budesonid
  • Ciclesonid
  • Fluticason
  • Mometason


Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile

Bei richtiger Handhabung und Dosierung sind kaum allgemeine (systemische) Nebenwirkungen zu erwarten. Da Mund- und Rachenraum hohen Wirkstoffkonzentrationen ausgesetzt sind, können dort lokale Nebenwirkungen wie Heiserkeit, Mundtrockenheit, erhöhte Infektanfälligkeit und in seltenen Fällen Pilzinfektionen auftreten. Sie lassen sich durch Spülen der Mundhöhle nach der Inhalation verringern.

Glukokortikoide zur systemischen (inneren) Anwendung

Anwendung

Glukokortikoide werden in der Allergologie nur selten systemisch, das heißt in Form von Tabletten oder als Injektion verabreicht, wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind – etwa bei sehr schwerer Ausprägung, akuten Verschlechterungen oder im Notfall. Auch dann setzt man sie innerlich in der Regel nur kurzzeitig ein und geht anschließend auf andere Verabreichungsarten beziehungsweise Medikamente über.

Die Einnahme erfolgt in der Regel einmal täglich morgens. Nach längerer Gabe ist eine langsame Dosisreduktion („Ausschleichen“) erforderlich. 

 

Wirkstoffe

Zum Beispiel:

  • Prednison
  • Prednisolon

Wichtige Nebenwirkungen und Nachteile

Bei langfristiger und hoch dosierter Anwendung können ernstzunehmende systemische Nebenwirkungen auftreten. Diese entsprechen im Wesentlichen den Folgen einer erhöhten Cortisol-Konzentration im Körper. Dazu zählen unter anderem:

  • erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte
  • Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Stimmungsveränderungen
  • erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose)
  • Wundheilungsstörungen
  • Verdünnung der Haut (Atrophie)

Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Ist eine längere systemische Behandlung von mehr als drei Monaten notwendig, erhalten die Betroffenen in der Regel eine entsprechende Beratung, um ernsthaften Nebenwirkungen vorzubeugen. Beispielsweise kann man durch eine bewusste Ernährung und/oder die Zufuhr von Calcium und Vitamin D sowie regelmäßige körperliche Bewegung dem erhöhten Risiko für Knochenbrüche entgegenwirken. 

Letzte Aktualisierung: 12. April 2017 / Quellen
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Quellen:
  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. Springer, Berlin/Heidelberg, 2. Aufl., ISBN 9783642372025  
  • Brozek, J.L. et al.: Allergic rhinitis and its impact on Asthma (ARIA) guidelines: 2010 revision. In: Journal of Allergy & Clinical Immunology, 2010, 125 (3): 466-476
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Darsow U., Raap U. (Hrsg.): Allergologie kompakt. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen, 2016
  • Demoly, P. et al. Allergic rhinitis and the risk of driving accidents. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2017, 10.1016/j.jaci.2017.01.037
  • Ring J. et al.: S2k-Leitlinie zur Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. In: Allergo J Int 2014; 23: 96–112
  • Pfaar O. et al.: S2k-Leitlinie zur (allergen-) spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. In: Allergo J Int 2014; 23: 282
  • Globale Initiative für Asthma (GINA): Leitfaden zum Management und zur Prävention von Asthma – die GINA-Leitlinien. Ein Leitfaden für Gesundheitsfachleute, aktualisiert 2016 (Letzter Abruf: 10.03.2017)
  • Zuberbier, T. et al. The EAACI/GA2LEN/EDF/WAO Guideline for the definition, classification, diagnosis, and management of urticaria: the 2013 revision and update. In: Allergy, 2014, 69 (7): 868-887
Letzte Aktualisierung:
12. April 2017
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Prof. Dr. Roland Buhl
Universitätsmedizin Mainz
Schwerpunkt Pneumologie
E-Mail:
roland.buhl noSp@m@unimedizin-mainz.de