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Allergie-Prävention in der Schwangerschaft
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Wie kann man schon vor der Geburt Allergien vorbeugen?

Die nachfolgenden Empfehlungen gelten für alle Kinder, ob allergiegefährdet oder nicht.

Wissenschaftliche Beratung:

Prof. Dr. Thilo Biedermann, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermann@tum.de

Prof. Dr. Ulf Darsow, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: ulf.darsow@tum.de

Die nachfolgenden Empfehlungen gelten für alle Kinder, ob allergiegefährdet oder nicht.

Wissenschaftliche Beratung:

Prof. Dr. Thilo Biedermann, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermann@tum.de

Prof. Dr. Ulf Darsow, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: ulf.darsow@tum.de

Empfehlungen haben sich verändert

Aufgrund aktueller wissenschaftlicher Daten haben sich manche Empfehlungen geändert: Während man früher von allergieauslösenden Lebensmitteln wie Nüssen, Kuhmilch oder Fisch abgeraten hat, gilt heute das Prinzip des „langsamen Gewöhnens“ – und zwar schon im ersten Lebensjahr.

Auch für die (werdende) Mutter sind spezielle Diäten vom Tisch. Bei Luftschadstoffen wie Abgasen, Tabakrauch oder Schimmel sieht das jedoch anders aus. Hier kann das Vermeiden oder Vermindern Allergien durchaus vorbeugen.

Ernährung der Mutter: vollwertig und vielseitig

Die allgemeine Empfehlung, sich ausgewogen und nährstoffreich zu ernähren, gilt auch für werdende und stillende Mütter. Dabei können die „10 Regeln“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) helfen. Dazu gehört auch eine vielfältige Auswahl an Obst und Gemüse, Milchprodukten, Nüssen, Eiern und Fisch – sofern nicht andere Gründe (wie Allergien und Unverträglichkeiten der Mutter) dagegensprechen.

Anders als früher empfohlen, müssen Schwangere nicht auf eine besonders allergenarme Kost achten. Studien zeigen, dass das Vermeiden von Lebensmitteln, die besonders häufig Allergien auslösen, keine Schutzfunktion für das Kind hat. Die frühere Empfehlung, dass Seefisch in der mütterlichen Ernährung während Schwangerschaft und Stillzeit vor Allergien schützen kann, ließ sich in aktuellen Untersuchungen nicht bestätigen

Müttern wird zudem empfohlen, auf ein normales Körpergewicht zu achten, um ihren Nachwuchs gegen Allergien und allergische Erkrankungen zu wappnen. Studien haben gezeigt, dass Kleinkinder, deren Mütter in der Schwangerschaft stark übergewichtig waren, häufiger Symptome von Asthma aufweisen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Schwangere eine strikte Diät halten sollen: Eine ausgewogene und vielseitige Ernährung ist wichtig für die Nährstoffversorgung des Babys und der werdenden Mutter.

Die Geburt: Kaiserschnitt oder vaginale Entbindung?

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Rate medizinisch notwendiger Kaiserschnitte bei etwa zehn Prozent. In Deutschland kommt zurzeit jedoch etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Das ist doppelt so viel wie noch vor 30 Jahren.

Die Zahl der operativen Entbindungen steigt, obwohl die vaginale Geburt nachweislich viele positive Effekte hat: So bekommt das Kind im Geburtskanal für sein Immunsystem wichtige Bakterien mit, die den Grundstein für sein eigenes Mikrobiom (etwa des Darms, der Haut und der Atemwege) legen. Dies senkt das Risiko für spätere Atemwegs- und Verdauungsprobleme.

Auch im Hinblick auf Allergien wird vom Kaiserschnitt ohne medizinischen Grund abgeraten. Studien-Daten zeigen, dass Kaiserschnittkinder später eher zu allergischen Erkrankungen neigen, insbesondere Asthma und Neurodermitis. Forschende vermuten, dass die im Vergleich zur Spontangeburt andere, spätere oder weniger vielfältige Bakterienbesiedelung im Darm und auf der Haut hierfür eine wesentliche Rolle spielt. Auch für Schwangere mit Asthma gilt: Solange die Erkrankung medikamentös gut eingestellt ist, spricht nichts gegen eine vaginale Entbindung. Im Hinblick auf die Asthma-Prävention des Kindes hat sie sogar Vorteile.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Mütter nach einem Kaiserschnitt ein schlechtes Gewissen haben sollten. Der Geburtsmodus ist nur einer von vielen Faktoren, die gegen Allergien und Asthma schützen können.

Quellen

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

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  • Umweltbundesamt: Gesundheitsrisiken durch Ozon. Stand: 01/2023 (Letzter Abruf: 23.11.2023)
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  • Volz, T. et al. NOD2 Signalling critically influences sensitization to orally ingested allergens. In: Journal of Investigative Dermatology 136:9 (2016). S. 201
  • World Health Organization (WHO): WHO Statement on Caesarean Section Rates. Stand: 09/2021 (Letzter Abruf: 23.11.2023)
  • Worm, M.: Erdnussallergie: Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?, Charité (Hrsg.)

Letzte Aktualisierung:

23. November 2023