Krankheitsbilder berufsbezogener Allergien

In Kürze:

Haupt-Risikofaktor für die Entstehung des berufsbedingten Asthmas ist das Ausmaß, in dem jemand den sensibilisierenden Arbeitsstoffen ausgesetzt ist.

Berufsbezogene Atemwegserkrankungen

Etwa 15 Prozent aller Asthmaerkrankungen bei Erwachsenen werden mit der beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang gebracht. Berufsbezogene Allergien der Atemwege können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Allergene am Arbeitsplatz verursacht werden.

Heute sind mehr als 400 Substanzen bekannt, die entweder aufgrund schädlicher oder reizender Stoffe zu irritativem, also die Atemwege reizenden, oder aufgrund von Fehlreaktionen des Immunsystems zu allergischem Asthma oder anderen Lungenerkrankungen führen können.

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Bäcker kneten Teig - Risikogruppe für berufsbedingte Allergien

Das höchste Risiko für eine allergische berufsbezogene Atemwegserkrankung tragen Menschen, die organische Stäube einatmen müssen. Mehl, Mehlprodukte, Teige und Backwaren, die typischen Auslöser des „Bäckerasthmas“ sind insgesamt mit mehr als 60 Prozent die häufigsten Auslöser einer berufsbezogenen Atemwegserkrankung.

Aber auch Nutz- und Labortierstäube, Futtermittelstäube und Stäube, die Waschmittelenzyme enthalten, sowie Holzstäube können eine allergische Atemwegserkrankung hervorrufen.

Weitere mögliche Ursachen einer allergischen Atemwegserkrankung sind:

  • Isocyanate (ein Grundstoff bei der Herstellung von Polyurethanschaum)
  • Säureanhydride (zur Herstellung von Plastik, Klebstoffen oder Silikonimplantaten)
  • Metalle
  • Ammoniumpersulfate, Dämpfe von Wasch-, Bleich- und Fixiermitteln (im Friseurhandwerk)
  • Desinfektionsmittel
  • Arzneistoffe

Meldungen berufsbezogener allergischer Atemwegserkrankungen kommen aus den Branchen:

  • Nahrungs- und Genussmittelherstellung
  • Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
  • Metall- und Holzverarbeitung
  • Handel und Verwaltung
  • Abfall- und Müllverwertung
  • Landwirtschaft mit Getreideanbau und Tierhaltung

Veränderungen in Arbeitsprozessen sowie die Einführung neuer Arbeitsstoffe und Verfahren können darüber hinaus zu weiteren Allergenbelastungen und damit auch zusätzlichen Sensibilisierungen führen.

Experten raten nur Betroffenen, die bereits unter allergischem Asthma leiden, von Berufen ab, die mit einem hohen Allergie-Risiko verbunden sind. Das Risiko einer Sensibilisierung steigt mit der Exposition, das heißt dem Ausmaß, in dem jemand den Allergenen ausgesetzt ist. In den ersten zwei bis drei Jahren nach Beginn der gefährdenden Tätigkeit scheint es am höchsten zu sein.

Berufsbedingte Hauterkrankungen

Noch häufiger als Atemwegserkrankungen zeigen sich berufsbezogene Gesundheitsstörungen an der Haut. Sie stehen an der Spitze der gemeldeten berufsbedingten Erkrankungen. Mehr als neun von zehn gemeldeten Verdachtsfällen betreffen Kontaktekzeme, die auf irritativen, das heißt hautreizenden und/oder allergischen Reaktionen beruhen. Etwa ein Drittel der Kontaktekzeme sind allergisch bedingt.

Prinzipiell können beruflich verursachte Kontaktekzeme an allen Körperstellen auftreten, die mit den auslösenden Stoffen in Berührung kommen. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind die Hände betroffen. Weitere typische Stellen sind die Unterarme, die Füße sowie das Gesicht. 

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Friseurin schneidet Haare - Risikogruppe für berufsbedingte Allergien

Auch hier gibt es Berufe mit einem hohen Risiko für spezifische Sensibilisierungen. Besonders häufig betroffen sind:

  • Angehörige von Pflegeberufen
  • Friseurinnen und Friseure
  • KFZ-Mechaniker und -mechanikerinnen
  • Beschäftigte in der Kunststoff- und Metallverarbeitung
  • Beschäftigte in Bauberufen (Maurer, Fliesenleger)
  • Beschäftigte im Maler- und Lackiererhandwerk
  • Reinigungskräfte

Menschen, die mit ihren Händen sehr viel in feuchter Umgebung arbeiten müssen, erhöhen ihr Risiko für Hautschäden. Gleiches gilt für Beschäftigte, die längere Zeit feuchtigkeitsdichte Schutzhandschuhe tragen müssen. Beim Reinigungspersonal beispielsweise bereitet die ständige Feuchtigkeit quasi den Boden für irritative und allergische Hautekzeme.

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Letzte Aktualisierung: 29. März 2017 / Quellen
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Quellen:
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  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 907): Verzeichnis sensibilisierender Stoffe und von Tätigkeiten mit sensibilisierenden Stoffen, November 2011
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  • Sonsmann, F. et al.: Berufsbedingte Hautkrankheiten im Friseurhandwerk. Medizinisches Grundlagendokument zum EU-Projekt SafeHair 2.0 (Letzter Aufruf: 29.03.2017)
Letzte Aktualisierung:
29. März 2017
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Prof. Dr. Monika Raulf

Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum

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E-Mail: raulf noSp@m@ipa-dguv.de