Provokationstests zur Allergie-Diagnose

In Kürze:

Provokationstestungen dienen häufig zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer Allergie-Diagnose, insbesondere wenn Anamnese, Haut- und Labortest nicht übereinstimmen oder nicht eindeutig ausfallen. 

Als Provokationstest werden Methoden bezeichnet, bei denen bei Betroffenen die fraglichen Beschwerden durch die Gabe von Allergenen gezielt hervorgerufen ("provoziert") werden. Sie gelten als Bestätigungstests und werden bei unterschiedlichen Fragestellungen durchgeführt:

In den meisten Fällen dient ein Provokationstest dazu, nachzuweisen beziehungsweise auszuschließen, dass die Beschwerden an dem Organ oder mehreren Organsystemen durch das vermutete Allergen auslösbar sind. Dadurch gewinnt man größere Sicherheit, insbesondere dann, wenn die übrigen Tests ergebnislos oder nicht eindeutig ausgefallen sind.

Zudem ist ein Provokationstest die einzige Möglichkeit, auch nicht-allergische Überempfindlichkeitsreaktionen nachzuweisen. Allerdings sind diese Tests im Vergleich zu den übrigen diagnostischen Methoden zumeist sehr (zeit-)aufwändig und nicht immer ungefährlich.

Am häufigsten wird die Auslösbarkeit durch Inhalationsallergene an der Nasenschleimhaut, der Augenbindehaut oder bei Berufsallergien an den Lungen getestet. Mit speziellen Geräten werden dabei durch die Provokation bedingte typische Veränderungen gemessen, beispielsweise der Lungenfunktion. Auch bei Nahrungs- oder Arzneimitteln kann ein Provokationstest sinnvoll sein. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie geschieht dies oft im Rahmen einer diagnostischen Diät mit anschließender gezielter Provokation meist unter stationären Bedingungen. 

Nasaler Provokationstest

Beim nasalen Provokationstest wird die Reaktion auf Allergene aus der Luft bei Verdacht auf allergischen (Heu-)Schnupfen direkt an der Nase ausgelöst. Dabei werden die Symptome erfasst wie Niesreiz, Fließschnupfen oder Anschwellen der Nasenschleimhaut mit behinderter Nasenatmung.

Zusätzlich misst man etwa zehn Minuten nach Einbringen einer Testlösung in die Nase, inwieweit der Luftstrom beim Atmen eingeschränkt wird. Letzteres erfolgt mittels der sogenannten Rhinomanometrie, einer Methode zur Messung des Luftwiderstands beim Atmen durch die Nase. Dazu erhält die Testperson eine spezielle Atemmaske. Während ein Nasenloch mit einem Schaumstoffstöpsel verschlossen wird, kann die jeweils andere Seite gemessen werden.

Der nasale Provokationstest zur Allergie-Diagnose gilt als sicher, aber nur in erfahrenen Händen aussagekräftig. 

Konjunktivaler Provokationstest

Beim konjunktivalen (Bindehaut-)Provokationstest testet man die Reaktion auf Allergene aus der Luft bei allergischer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) der Augen. Hierbei wird die Testlösung in den unteren Bindehautsack geträufelt und die Reaktion, wie Juckreiz und zunehmende Rötung nach zirka zehn Minuten beurteilt. 

Inhalativer Provokationstest

Beim inhalativen Provokationstest mit Lungenfunktionsprüfung wird die Reaktion der tiefen Atemwege (Bronchien) auf Allergene aus der Luft (Inhalationsallergene) bei allergischem Asthma gemessen. In der Allergologie werden zumeist die Spirometrie oder die Ganzkörper- (Body-)Plethysmographie eingesetzt. 

Gut zu wissen:

Nahrungsmittel- und Arzneimittelprovokationstests sollten in der Regel nur unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik durchgeführt werden. Ausnahmen sind Negativprovokationen, bei denen keine allergische Reaktion erwartet wird. 

Nahrungsmittelprovokation

Beim Nahrungsmittelprovokationstest wird das zu testende Lebensmittel oral verabreicht, also durch den Mund aufgenommen und geschluckt. Die Testung dient dazu, unverträgliche Nahrungsmittel aufzudecken, um diese künftig meiden zu können, oder auszuschließen, dass bestimmte Lebensmittel für die Symptome verantwortlich und entsprechende Diäteinschränkungen somit zwecklos sind.

Da schrittweise größere Portionen verabreicht werden, sind Nahrungsmittelprovokationen zumeist sehr aufwändig. Sie sollten möglichst mit Kontrolle durch ein Scheinpräparat (Placebo) und sofern erforderlich doppelblind (das heißt weder der Patient/die Patientin noch das testende Personal wissen, ob es sich um das Testpräparat oder das Placebo handelt) durchgeführt werden. Man spricht auch von doppelblinder, Placebo-kontrollierter Provokation (DBPCFC, englisch „double-blind placebo-controlled food challenge“). Nur so kann man davon ausgehen, dass subjektive Einflussfaktoren durch die beteiligte Person selbst weitgehend ausgeschaltet werden. Häufig beginnt man mit einer sehr geringen Menge des verdächtigen Nahrungsmittels, um dann die Dosis schrittweise zu steigern. Lebensmittelprovokationen sind oft Bestandteil einer diagnostischen Diät

Eine sogenannte Negativexposition ist dann sinnvoll, wenn der Arzt im Gegensatz zum Patienten keine Allergie vermutet und den Verdacht ausschließen möchte. Diese Form der Provokation ist mit weniger Risiko verbunden und kann daher auch ambulant durchgeführt werden. Der Aufwand ist allerdings nicht unerheblich; daher wird diese Möglichkeit des Ausschlusses einer vermuteten Allergie selten angeboten. 

Gut zu wissen:

Experten empfehlen, häufiger Positiv- und insbesondere Negativexpositionen durchzuführen.

Provokationstestung mit Arzneimittteln

Gerade bei Verdacht auf eine Arzneiüberempfindlichkeit ist die Aussagekraft von Haut- und Labortest oft begrenzt. Deshalb bleibt in solchen Fällen oft nur die Provokationstestung, um die Diagnose zu sichern. Gerade bei Medikamenten, die in der Medizin verbreitet eingesetzt werden (zum Beispiel Lokalanästhetika oder Entzündungshemmer), dient der Provokationstest aber häufig auch dazu, ein Ausweichpräparat zu finden. Wenn es von der betroffenen Person vertragen wird, kann es im Bedarfsfall als passendes Medikament zukünftig problemlos angewendet werden.

Wegen des möglichen Risikos einer gefährlichen oder sogar lebensbedrohlichen Reaktion muss man bei einer Arzneimittel-Provokation sehr sorgfältig vorgehen und in jedem einzelnen Fall zwischen Nutzen und Risiko abwägen. Die Art der Verabreichung entspricht der üblichen Anwendungsweise des Arzneimittels (zumeist oral oder als Injektion). Wenn der Arzneistoff oral (über den Mund) eingenommen wird, verläuft die praktische Durchführung ähnlich wie beim Nahrungsmittelprovokationstest.

Auch hier gilt die Negativexposition als gutes Mittel, um den Allergieverdacht gegen ein vermutetes, aber wahrscheinlich unverdächtiges Arzneimittel überzeugend auszuschließen. Dieses Vorgehen ist gefahrloser als eine Positivexposition mit der Möglichkeit einer allergischen Reaktion. Trotzdem wird es viel zu selten in der Praxis durchgeführt. So besitzen viele Patienten Allergiepässe, deren Eintragungen nie durch eine Provokationstestung bestätigt wurden. Das schafft Unsicherheit und kann die Betroffenen ängstigen. Eperten empfehlen daher, Positiv- und insbesondere Negativexpositionen häufiger durchzuführen, um einen unbegründeten Allergieverdacht zu entkräften.

Insektenstich-Provokation

© kozorog/fotolia
Insektenstich-Provokation dient der Erfolgskontrolle einer spezifischen Immuntherapie

Die Insektenstich-Provokation ist eine besondere Form des Provokationstests. Dabei wird ein Stich durch das die Allergie verursachende Insekt (zumeist Biene oder Wespe) provoziert. Wegen des Risikos einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion darf eine solche Maßnahme nur in einer Klinik unter ärztlicher Aufsicht und Notfallbereitschaft erfolgen.

Die Stichprovokation dient ausschließlich dazu, den Erfolg einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) und damit deren Schutzwirkung gegen das Insektengiftallergen zu überprüfen. Sie wird zwischen sechs und zwölf Monate nach Beginn der Hyposensibilisierung durchgeführt. Die Erfolgskontrolle der Insektengift-Immuntherapie ist mit Haut- oder Labortests nicht zuverlässig möglich. 

Letzte Aktualisierung: 10.03.2017 / Quellen
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10.03.2017
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Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Jörg Kleine-Tebbe

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V.
Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend

E-Mail: kleine-tebbe noSp@m@allergie-experten.de