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Antibiotika und Magensäurehemmer unter Verdacht

Die Gabe von Antibiotika oder Magensäurehemmern im ersten Lebenshalbjahr erhöht das Risiko für allergische Erkrankungen. Das legt eine aktuelle Studie im Fachmagazin ‚JAMA Pediatrics‘ nahe. Vollständiger Verzicht sei aber auch keine Lösung, so die Autoren.

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Allergien sind bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es nicht nur eine Ursache gibt sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Diskutiert werden unter anderem auch Medikamente, die im Frühstadium der Entwicklung auf das Mikrobiom im Verdauungstrakt einwirken. Beim Mikrobiom handelt es sich um Bakterien, die sich auf und im Körper ansiedeln und mit dem Immunsystem wechselwirken. Werden sie gestört, könnte dies zu Fehlregulationen der Immunantworten und infolgedessen zur Entwicklung von Allergien führen.

Diesem Ansatz gingen die Autoren der aktuellen Studie nach: Sie untersuchten die Daten von knapp 800.000 Kindern (Geschlechter fast zu gleichen Teilen verteilt), die zwischen 2001 und 2013 geboren worden waren. Die kleinen Studienteilnehmer wurden innerhalb der ersten 35 Lebenstage in die Studie eingeschlossen und durchschnittlich rund 4,6 Jahre beobachtet. Berücksichtigt wurden Kinder, denen in den ersten sechs Monaten ein Histamin-2-Rezeptorantagonist beziehungsweise Protonenpumpenhemmer zur Reduktion der Magensäure oder ein Antibiotikum verschrieben worden war.

Als Beobachtungskriterium wählten die Autoren allergische Erkrankungen. Dabei unterschieden sie Asthma, Anaphylaxie, Neurodermitis, Kontaktdermatitis, Urtikaria, allergische Rhinitis oder Konjunktivitis sowie Medikamenten- oder Lebensmittelallergie.

Erhöhtes Allergierisiko durch Verschreibung im ersten Lebenshalbjahr

Zunächst rechneten die Wissenschaftler den Einfluss statistischer Störgrößen wie Geschlecht, Entbindungsart oder Schwangerschaftsdauer heraus. Anschließend ergab die Auswertung der Daten für zahlreiche allergische Ausprägungen ein erhöhtes Risiko - sowohl im Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika als auch von Medikamenten, die die Magensäure reduzieren.

Der Studie zufolge ist vor allem der Einfluss von Säureblockern auf die Entstehung von Nahrungsmittelallergien sehr ausgeprägt (Verdopplung des Risikos). Der Grund hierfür läge möglicherweise darin, dass die Säurehemmer nicht nur Einfluss auf die Bakterien im Verdauungstrakt haben sondern auch, dass durch verminderte Spaltung der Nahrung im Magen auch mehr Antigene das Immunsystem sensibilisieren können. Als Konsequenz raten die Autoren: Vor- und Nachteile sollten im Einzelfall sorgsam abgewogen werden.

 

Quellen:
Mitre, E. et al.: Association Between Use of Acid-Suppressive Medications and Antibiotics During Infancy and Allergic Diseases in Early Childhood. In: JAMA Pediatrics, 2018, DOI: 10.1001/jamapediatrics.2018.0315

Dr. Christine Starostzik für SpringerMedizin, Allergie und Atopie: Erhöhen Säureblocker und Antibiotika das Allergierisiko? Nachricht vom 17. April 2018