Verbreitung der Latexallergie

Gut zu wissen:

Der Einsatz gepuderter Latexhandschuhe ist nicht nur in deutschen Kliniken, sondern auch in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Pflegeeinrichtungen verboten. Wenn Sie dort arbeiten und solche Handschuhe entdecken, machen Sie Ihre Chefin oder Ihren Chef darauf aufmerksam.

Angehörige medizinischer Berufe kommen besonders häufig mit Latex-Produkten in Berührung. Zeitweise lag unter ihnen die Anzahl der gegen Latex Sensibilisierten bei bis zu 17 Prozent.

Geeignete Schutzmaßnahmen, insbesondere die Vorschrift, auf ungepuderte, allergenarme oder Latex-freie Handschuhe umzustellen, führte im medizinischen Bereich zu einem Rückgang der Meldungen bei Verdacht auf Berufskrankheit um mehr als 50 Prozent. Doch das Problem ist keineswegs beigelegt.

Aktuelle Studien zeigen weltweit eine große Schwankungsbreite von Latexallergien und -sensibilisierungen, abhängig auch von den Möglichkeiten, Alternativprodukte zu beschaffen. So ergab sich im Iran eine Rate von 17,9 Prozent an Latexallergikerinnen und -allergikern unter den Angehörigen medizinischer Fachberufe. In den USA waren nur fünf Prozent aller Angehörigen dieser Berufsgruppe betroffen. Im weltweiten Durchschnitt reagieren 9,7 Prozent aller Angehörigen medizinischer Berufe allergisch auf Latex; weitere 12,4 Prozent sind sensibilisiert. Für Deutschland gibt es keine aktuellen Zahlen.

Die Gefahr einer Latexallergie ist in medizinischen Berufen auch heute noch höher als in der Gesamtbevölkerung ohne berufsbedingten Kontakt mit Latex-Produkten. Dort wird mit etwa zwei, nach anderen Angaben bis zu sechs Prozent Betroffenen gerechnet.

Sensibilisierung im Krankenhaus

© Kzenon/fotolia
Operation

Weitaus höher liegt die Rate immer noch bei Menschen mit Krankheiten oder Operationen, die einen häufigen Kontakt mit medizinischen Latexprodukten nach sich ziehen. Häufig zitiert wird das Beispiel der Patientinnen und Patienten mit Spina bifida. Bei dieser angeborenen Fehlbildung spalten sich die Wirbelkörper und Teile des Rückenmarks sowie des Nervengewebes liegen frei. Die Betroffenen müssen schon als Babys oft mehrfach operiert werden. Unter ihnen lag die Zahl der gegen Latex Sensibilisierten zu Beginn des Jahrhunderts noch bei über 70 Prozent; aktuelle Studien verzeichnen in Deutschland 47 Prozent.

Die Präventionsmaßnahmen waren also schon erfolgreich, aber das Niveau der Sensibilisierung bleibt hoch. Gefährdet sind auch andere Patientengruppen, bei denen man mit dieser Möglichkeit gar nicht rechnet. So ergab eine italienische Studie, dass 5,1 Prozent der Patientinnen nach Kaiserschnitt eine Latexallergie entwickelten.

Letzte Aktualisierung: 03. März 2017 / Quellen
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Quellen:
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Letzte Aktualisierung:
03. März 2017
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