05. Dezember 2017
Genforschung zu Allergien

Weltgrößte Studie deckt viele Allergie-Risikogene auf

Allergische Erkrankungen treten oft gleichzeitig oder hintereinander auf. Die weltweit größte Allergie-Studie zeigt nun, dass das Risiko für Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma meist gemeinsam vererbt wird. Zudem decken die Autoren in ‚Nature Genetics‘ zahlreiche neue Gene auf, die das Risiko allergischer Erkrankungen beeinflussen.

Allergie-Risikogene

© ktsdesign/Fotolia

Die Entstehung allergischer Erkrankungen ist ein komplexer Prozess, bei dem die Gene eine wichtige Rolle spielen. Alleinverantwortlich für allergisches Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen  & Co ist das Erbgut zwar nicht, jedoch erhöhen bestimmte Genveränderungen das Risiko, eine solche atopische Erkrankung zu entwickeln. Dabei handelt es sich nicht um einen einzigen Erbgutabschnitt, sondern viele Gene beziehungsweise deren Varianten. Das Ziel der Genforschung zu Allergien besteht darin, die Ursachen und Entstehungsmechanismen zu entschlüsseln und so neue Biomarker und mögliche neue Therapieansätze zu finden.

Um auch Gene zu erfassen, die nicht bei jedem Allergiepatienten verändert sind, ist es wichtig, relativ hohe Fallzahlen zu erreichen, die eine statistisch signifikante Aussage erlauben. Deshalb haben sich Allergieforscher aus aller Welt zum sogenannten SHARE-Konsortium zusammengeschlossen, in dem die Daten aller teilnehmenden Forschergruppen gemeinsam ausgewertet wurden.

Daten von 360.000 Menschen analysiert

Die beteiligten Forscher wollten herausfinden, ob es genetische Gemeinsamkeiten zwischen Asthma, Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) und Heuschnupfen (allergische Rhinitis) gibt, beziehungsweise ob eine allergische Erkrankung die andere bedingt. Für die Studie wurden also alle Patienten eingeschlossen, die entweder an einer der drei Erkrankungen oder einer Kombination litten. Insgesamt untersuchten die Forscher die Daten von 180.000 Patienten und 180.000 Kontrollpersonen – die bislang größte Studie zu genetischen Risiken allergischer Erkrankungen weltweit.

Das Ergebnis: Offenbar gibt es eine genetische Weichenstellung für die Überreaktion des Immunsystems, die allen allergischen Erkrankungen gemeinsam ist. Das passt zur „Karriere“ der Allergiker, da die Krankheiten oft gleichzeitig oder hintereinander auftreten.

Zudem wurden insgesamt 136 mit Allergien assoziierte Genregionen gefunden, von denen 73 zum ersten Mal in diesem Zusammenhang auftauchten. Den Regionen konnten anschließend 244 mögliche Krankheitsgene zugeordnet werden, von denen die meisten an der Regulation des Immunsystems beteiligt sind.

Ob es im Einzelfall letztendlich zu einer Allergie kommt und zu welcher, hänge wahrscheinlich von weiteren genetischen Faktoren und von Umwelteinflüssen ab, so die Autoren. Für 16 der identifizierten Gene sei beispielsweise bekannt, dass durch Umweltfaktoren epigenetische Veränderungen (Methylierungen) an der DNA stattfinden, die die Aktivität der Gene beeinflussen.

 

Quellen:
Ferreira, MA. Et al.: Shared genetic origin of asthma, hay fever and eczema elucidates allergic disease biology. In: Nature Genetics, 2017, DOI: 10.1038/ng.3985

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft: Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt. Pressemitteilung vom 21. November 2017

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